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Mangelware Gelbe Säcke

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Von: Erika Wennhold

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Gelber Sack
Glücklich, wer noch welche hat, denn auf Nachschub muss noch gewartet werden. © Wennhold

Im Landkreis Verden gehen die Gelben Säcke aus. Erste Verteilstationen sitzen bereits komplett auf dem Trockenen. Eine Lösung zeichnet sich nur langfristig ab. 

Landkreis – Was tun, wenn sich die Müllabfuhr ankündigt, es aber an Gelben Säcken fehlt, um Verpackungsmaterial getrennt vom Restmüll ordnungsgemäß zu entsorgen? Zu den Ausgabestellen im Landkreis Verden zu fahren, um sich eine neue Rolle zu besorgen, ist reine Glücksache.

In der Landbäckerei Meyer in Hohenaverbergen steht der Korb mit den aufgerollten Plastiksäcken schon lange nicht mehr dort, wo Kunden nach ihm suchen. Seit circa vier Monaten tun sie das vergeblich. Schon länger informiert ein Hinweisschild gleich an der Eingangstür über den Totalausfall.

„Dabei haben wir wie immer rechtzeitig nachbestellt. Aber es kam auch kein Nachschub, als wir mehrfach wieder angefragt haben“, sagt Iris Patzke, Mitarbeiterin in der Landbäckerei mit angeschlossenem kleinem Edekamarkt. „Für die Leute ist das anstrengend, immer wieder nachzufragen, ob wir wieder welche haben. Für uns aber auch, deshalb haben wir den Hinweiszettel in die Eingangstür gehängt.“ Das helfe nicht immer, manchmal seien Kunden ungehalten, wenn sie wieder vergebens gekommen sind.

Im Podcast: Kreisverwaltung befürwortet Gelbe Säcke

In unserem Podcast „Kreis und Quer“ äußert sich jetzt auch Volker Lück aus dem Fachbereich Bauen und Umwelt beim Landkreis zu den Engpässen beim Gelben Sack. Er erläutert, warum es bislang keine Gelbe Tonne im Kreisgebiet gibt und warum die Verwaltung mit dem Gelben Sack alles in allem zufrieden ist. Marcia Kantoks von der Firma Nehlsen ergänzt, welche Rolle die Entsorger bei der Versorgung mit Gelben Säcken spielen.

Die Podcast-Folge „Warum ist Frauen-Fußball immer noch ein Nischenthema?“ gibt es ab sofort auf Spotify, Apple Podcasts, YouTube und überall sonst, wo es Podcasts gibt.

Betroffen ist der gesamte Landkreis Verden. Fabian Schleucher, Betriebsstättenleiter der Firma Nehlsen in Langwedel, macht die Weltwirtschaftslage dafür verantwortlich, aber auch Lieferschwierigkeiten in China. Dort habe es wegen der Corona-Pandemie erhebliche personelle Ausfälle im Hafen gegeben. Ganze Bereiche seien dort dichtgemacht worden. Und dann komme eben auch nichts mehr an. „Es ist quasi das ganze System zusammengebrochen.“ Schleucher hat dennoch alles versucht, um an gelbe Säcke heranzukommen, manchmal von anderen Landkreisen etwas abbekommen oder bei Herstellern hierzulande nachgefragt. Doch auch die hätten nicht weiterhelfen können, denn das Rohmaterial für die Plastiksäcke komme aus China.

Inzwischen sei eine erste Lieferung eingetroffen, die werde bis zum Wochenende an die Ausgabestellen verteilt. „Aber das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein, die sind ganz schnell wieder weg“, schränkt Schleucher ein, gibt dennoch Entwarnung: „Ende Juli wird der komplette Landkreis in üblicher Größenordnung wieder versorgt sein.“ Bis dahin sollten die Haushalte andere Müllsäcke benutzen. Die sollten, egal welche Farbe, durchsichtig sein, damit kontrolliert werden könne, dass sich darin nur Leichtverpackungen befinden.

Fabian Schleucher hat eine solche Krise in seinen 20 Jahren Berufstätigkeit noch nicht erlebt. Engpässe habe es immer mal gegeben, aber nicht in dieser Größenordnung. Entsorger in anderen Landkreisen gingen sogar so weit, dass sie sich schon jetzt mit Gelben Säcken eindeckten, ohne sicher zu sein, dass sie einen Folgeauftrag für ihr Unternehmen bekämen.

Für frühere Engpässe macht Schleucher die Zweckentfremdung des Gelben Sackes verantwortlich. „Die sind ja für alles Mögliche benutzt worden.“ Die Einführung der Gelben Tonne, die sich zum Beispiel im Landkreis Diepholz seit Jahren bewährt habe, hält er deshalb für sinnvoll. „Man spart Plastik ein, denn die Tonne hält ja lange.“ Auch ein Verfahren im Landkreis Osterholz ist für ihn eine gute Alternative. „Dort werden Coupons ausgegeben, mit denen man Gelbe Säcke bekommt.“ Das ermögliche eine gewisse Kontrolle und arbeite gegen den Missbrauch. Entschieden werde darüber in den politischen Gremien.

Beim Landkreis Verden ist der aktuelle Mangel bekannt, Pressesprecher Ulf Neumann klärt auf: „Wir sind nicht zuständig. Der Gelbe Sack ist ein rein privatwirtschaftliches Sammelsystem.“ In diesem Falle sei die Firma Nehlsen in Langwedel Ansprechpartner. Dennoch gebe es auch Anfragen bei der Abfallberatung des Landkreises und die würden auch beantwortet. „Die Leute sollten auf durchsichtige Müllsäcke ausweichen, die muss der Entsorger auch mitnehmen.“

Handschriftliches Schild an Bäckereitür.
Seit Monaten Mangelware: Auch in der Landbäckerei in Hohenaverbergen gibt es schon lange keine Gelben Säcke mehr. © Wennhold

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