Auftakt der Lateinamerikanischen Literaturtage mit Matinee im Rathaus

Aus Chile, Kuba und Mexiko

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Gudrun Heine und Dr. Björn Emigholz eröffneten die Lateinamerikanischen Literaturtage.

Verden - Mit der Literaturmatinee im Rathaus fanden die Lateinamerikatage des Förderkreises der Stadtbibliothek einen gelungenen Auftakt. Gudrun Heine und Dr. Björn Emigholz gaben einen Einblick in Literatur aus Argentinien, Chile, Kuba und Mexiko. Musikalisch begleitet wurde die Lesung von Hilton Luis Gonzales mit Gitarre und Gesang.

Hilton Luiz Gonzales sorgte mit südkamerikanischer Musik für den passenden Rahmen.

Zu Beginn stimmte Gonzales das Publikum mit seiner sanften Stimme und ins Ohr gehenden lateinamerikanischen Rhythmen bestens auf das Kommende ein. Der Musiker betätigte sich aber auch als Vorleser, er trug zwei Gedichte, „Kleines Amerika“ und „Gedicht XX“, von Pablo Neruda vor, so dass die Zuhörer einen Eindruck vom originalen Klang der Gedichte bekamen. Doch auch in der deutschen Übersetzung, die Gudrun Heine vorlas, bekamen die Zuhörer eine Vorstellung von der Sprachgewalt des chilenischen Dichters. In „Kleines Amerika“ beschreibt er mit blumigen Worten die Schönheit seines Landes, „Gedicht XX“ ist die Erinnerung an eine vergangene Liebe.

Zwischen beiden Gedichten las Emigholz humorvoll Auszüge aus „Mit brennender Geduld“ des chilenischen Schriftstellers Antonio Skármeta. Eine Figur des Romans ist ebenfalls der Dichter Neruda. Der junge Postbote Mario bringt dem großen Dichter ein Telegramm und bittet ihn bei dieser Gelegenheit um Hilfe, das Herz seiner angebeteten Beatrice zu gewinnen.

Aus der beklemmenden Perspektive eines Ich-Erzählers trug Emigholz „Victorio Ferri erzählt eine Geschichte“ des mexikanischen Schriftstellers Sergio Pitol vor. Victorio Ferri ist der Sohn eines wegen seiner Brutalität gefürchteten Hazienda-Besitzers. Er sieht seinen Vater als „Teufel“, möchte aber so werden wie er und Ländereien und die Macht über seine Angestellten übernehmen. Er will nicht wahrhaben, dass er mit einer tödlichen Krankheit ans Bett gefesselt ist und schon dem Tod ins Gesicht sieht. Nur manchmal ahnt er doch, dass er niemals das Erbe seines Vaters antreten wird.

Ebenfalls aus Mexiko kommt Carlos Fuentes. Gudrun Heine las aus „Chor der registrierten Familien“. Hier geht es um einen Mann , der seiner Familie überdrüssig ist und mit gefälschter Sterbeukunde und einer neuen Identität in ein anderes Leben aufbricht.

Dr. Björn Emigholz trug aus der surrealen Erzählung „Im Süden“ des Argentiniers Jorge Luis Borges vor. Es geht um den Bibliothekar Juan Dahlmann, der deutsche und argentinische Wurzeln hat. Nach einer schweren Krankheit möchte Dahlmann eine von seinen Vorfahren ererbte Farm im Süden aufsuchen, um sich zu erholen. In einer Gastwirtschaft fordert ihn ein betrunkener Landarbeiter zum Duell. Obwohl Dahlmann noch nie mit einem Messer gekämpft hat, will er sich dem Kampf stellen. Er denkt, das sei der Tod, den er sich erträumt hätte.

Zum Schluss las Emigholz einen Auszug aus „Ansicht der Tropen im Morgengrauen“ von Guillermo Cabrera Infante. Der kubanische Regimekritiker beschreibt bedrückend, wie ein kubanischer Kulurattaché willkürlich der Homosexualität beschuldigt wird und wegen „ungebührlichen Verhaltens“ in eines der „wie Pilze aus dem Boden schießenden“ Konzentrationslager gebracht wird, wo er nach jahrelanger Haft schließlich stirbt.

Die zahlreich erschienenen Gäste erlebten einen interessanten und informativen Querschnitt lateinamerikanischer Literatur. Man darf gespannt auf die weiteren Veranstaltungen sein.

ahk

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