Hausflohmarkt am Verdener Shakespeareplatz

Ungewöhnlicher Flohmarkt: Schnäppchenjäger kommen in die Villa

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Die Erben einer am Shakespeareplatz in Verden gelegenen Villa hatten für Sonnabend in mehreren Zeitungsannoncen die Werbetrommel für einen ungewöhnlichen Hausflohmarkt gerührt.

Verden - Schränke, Klein- und Polstermöbel, allesamt hochwertig, überwiegend mit dem Charme vergangener Jahre, Fahrräder, technische Gerätschaften, Gartenmöbel, Werkzeug, Bücher, Nippes und sogar ein elektrisches Seniorenmobil, ein sogenannter Scooter. Und dann das viele Geschirr: Ess- und Kaffeeservices, Keramik, Gläser, Suppenterrinen, Kaffeekannen und vieles mehr. Stöbern war ausdrücklich erlaubt. Die Erben einer am Shakespeareplatz in Verden gelegenen Villa hatten für Sonnabend in mehreren Zeitungsannoncen die Werbetrommel für einen ungewöhnlichen Hausflohmarkt gerührt.

Der Grund: Die früheren Bewohner des Hauses sind verstorben. Deshalb sollte sämtliches Inventar raus und nutzbringend veräußert werden. Für flohmarkt-affine Menschen und Schnäppchenjäger folglich eine einmalige Chance, sich das eine oder andere schöne Stück zu sichern.

Um 10 Uhr sollte es laut Anzeige los gehen, doch schon eine Stunde vor der offiziellen Öffnung am Sonnabendvormittag hatten sich mehrere Dutzend Händler, Schnäppchenjäger und Bürger vor besagtem Haus eingefunden, wo sie im Regen geduldig auf Einlass warteten. Kurz vor zehn ging das Tor zum Haus dann automatisch auf. Die „Jagd“ begann und im Nu hatte die Menge sämtliche Wohnräume und die Garage in Beschlag.

Zwei im Eingangsbereich platzierte Stühle waren als erstes weg. „Den Preis verrate ich Ihnen aber nicht“, lächelte der Käufer, ein Mittfünfziger, nachdem er seine „Beute“ gleich bar bezahlt hatte. „Ein richtiges Schnäppchen ist es nicht, aber für ihr Alter sind die Stühle außerordentlich gepflegt, und ich kann sie gleich nutzen“, fügte er noch hinzu.

Andere Gegenstände, etwa ein Beistelltisch mit dem Charme der 50er-Jahre, diverse Lampen oder das umfangreiche Sortiment an Elektro-Klein- und Großgeräten namhafter Marken, traten dagegen preislich den Gegenbeweis an. So war letztlich für jeden Geldbeutel etwas dabei, für die zahlungskräftigere Kundschaft ebenso wie für die, die einzig nur ein paar Euro zahlen wollte. Und hatten die Räume anfangs so gewirkt, als wären sie noch bewohnt, musste bereits eine halbe Stunde nach Öffnung erstmals ein vorübergehender Einlassstop verhängt werden.

Getreu der Devise „Wer sucht, der findet“, verließ das Haus in den folgenden Stunden kaum jemand mit leeren Händen. Manche waren gleich mit einem Anhänger vorgefahren, denn die Errungenschaften mussten gleich an Ort und Stelle bezahlt und mitgenommen werden. Auch Ina und Elisabeth (die Familiennamen wollten sie nicht verraten, da beide nicht weit entfernt wohnen) waren fündig geworden. Die Freundinnen hatten gezielt nach einem Rollator für die Oma Ausschau gehalten und ein solches Exemplar auch prompt inmitten des Sammelsuriums in der Garage entdeckt.

„Alles hier ist sehr gepflegt und sauber; das gefällt uns“, sagten sie, konnten sich aber dennoch nicht ad hoc zum Kauf entscheiden. Sie gingen lieber nochmals ins Wohnhaus zurück, um sich mit der aus dem weiten Umkreis angereisten Kundschaft dicht an dicht durch die Zimmer zu drängen. „Vielleicht finden wir ja noch etwas“, schmunzelten sie. 

Diesen Findungsprozess hatte Jutta Neumann aus Rotenburg bereits hinter sich und sich mit reichlich Geschirr eingedeckt. Dennoch wirkte sie verärgert. Sie hatte bei der auf einer Kommode arrangierten Markenkeramik zu lange gezögert, und prompt hatte ihr ein älteres Ehepaar die anvisierten Krüge und Schalen vor der Nase weggeschnappt. „Meine Enkelin sammelt solche Keramik. Sie hätte sich bestimmt gefreut“, bedauerte die Rotenburgerin. 

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