1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Verden
  4. Verden

„Centstücke, die mir am Herzen liegen“

Erstellt:

Von: Heinrich Kracke

Kommentare

Mann am Schreibtisch, vor ihm drei Cent-Stücke
„Ich habe sie aufgehoben und in meine Obhut genommen“: Wolfgang Dreyer mit den Cent-Stücken, die in den vergangenen Jahren seinen Weg kreuzten. Zum Monatsende geht der Volksbank-Vorstand in den Ruhestand. © Kracke

Es müssen nicht immer die großen Summen sein. Für Volksbank-Vorstand Wolfgang Dreyer spielen drei Kupfermünzen eine besondere Rolle. Jetzt geht er in den Ruhestand.

Verden – Ein mächtiger Umzugskarton steht schon neben dem Schreibtisch. Prall gefüllt mit Akten, die natürlich nicht sich selbst überlassen bleiben dürfen. Der Schreibtisch also leer. Nur jene drei Relikte aus den 13 Jahren seiner Tätigkeit, die vielleicht mehr erzählen über ihn, als seitenlange Lebensläufe. Drei Relikte, die die Zeiten überdauert haben.

Sie liegen noch da. Genaugenommen Geldstücke. Ein Cent und zweimal zwei Cent. Wolfgang Dreyer schmunzelt. „Ich hab‘ sie gefunden“, sagt er. Jeden Morgen, jeden Mittag sogar zweimal, jeden Abend führte ihn der Weg über den Volksbank-Parkplatz an der Stifthofstraße. Und da lagen sie. Nicht alle auf einmal, sondern immer mal wieder einer. Kupfergeld mutterseelenallein auf den Pflastersteinen. „Ich habe sie aufgehoben und in meine Obhut genommen.“

Auf seinem Schreibtisch fanden sie sozusagen ein neues Zuhause. Säuberlich gestapelt auf dem Rand der Schreibtisch-Unterlage. Aber damit ist jetzt Schluss. Wolfgang Dreyer räumte unter der Woche sein Büro. Zum Monatswechsel geht der Vorstand der Volksbank Verden in den Ruhestand, pardon: der Volksbank Niedersachsen Mitte, zu der sie in zwei Schritten fusioniert ist. 44 Jahre in den Genossenschaftsbanken mit dem blau-orangenen Logo gehen damit zu Ende. Nicht aber seine Zeit an der Aller. „Ich bleibe gern in Eitze weiter wohnen“, sagt er.

Verändert hat sich die Bankenwelt in dieser Zeit. „Am Anfang hatten wir noch keine Technik. Es wurde alles per Hand gemacht, beispielsweise sortierten wir täglich die Belege unserer Kundschaft ein“, erinnert er sich seiner Lehrlingstage in Stadthagen, wo er groß geworden ist. Der erste Einsatz von Geldautomaten blieb nicht das letzte Neue, das seinen Weg kreuzte. Bis zuletzt. „Wenn mir vor fünf Jahren jemand gesagt hätte, wir würden auf Guthaben keine Zinsen mehr zahlen, sondern im Gegenteil Verwahrgeld berechnen, ich hätte es nicht für möglich gehalten.“ Nur das Geld an sich, das ist geblieben. Über all die Jahre, auch wenn es den Namen geändert hat. Einschließlich der Cent-Stücke auf seinem Schreibtisch.

Purer Zufall, dass es ihn 2009 nach Verden getrieben hatte. Ein Vorstandsposten war frei geworden, ins Herz geschlossen habe er die Stadt aber schon vorher. „Den Weserradweg haben wir abgeradelt, von Minden nach Bremen sind wir unterwegs gewesen, in Verden haben wir Station gemacht.“ Ein Sonnentag, an der Domschänke strandeten sie, den Dom im Blick. „Eine wirklich imposante Erscheinung, wir hatten natürlich schon davon gehört, aber mit einem derartigen Ausmaß haben wir nicht gerechnet.“

Verden, ein Mittelzentrum wie Stadthagen, ein Ort mit historischer Substanz wie Stadthagen, „wir haben uns gleich irgendwie zu Hause gefühlt“, warum also nicht an die Aller wechseln, zumal ihm hier die nächste Stufe auf seinem Berufsweg ermöglicht wurde. Mit 23 Jahren hatte Dreyer bereits 1984 Personalverantwortung in Stadthagen übernommen, 2009 also die volle Verantwortung als Vorstand in Verden. Radtouren in die Umgehung gehören seit dieser Zeit dazu, gern in Richtung Kirchlinteln, gern nach Bendingbostel. Und auch seine zweite Leidenschaft, der Jagd, vermochte er zu frönen. Und vermag beides künftig auch.

Gewiss, es waren die Centstücke, die er nicht liegen ließ, aber es war nicht unbedingt die große Summe, die Faszination auslöste. „Nein,“ sagt Wolfgang Dreyer, „es waren die vier M“. Man muss Menschen mögen, so habe sein Leitsatz gelautet. Die Geschenke, die ihm die Mitarbeiter mit auf den Weg in den Ruhestand gaben, geben ihm Recht. Viele Bilder von unterschiedlichen gemeinsamen Anlässen befinden sich darunter, viele Widmungen. „Den Umgang mit Kunden, mit Mitarbeitern, das werde ich vermissen“, sagt er.

In seine Zeit an der Aller fielen zwei Ereignisse, die aus dem Rahmen fallen. Zwei Ereignisse, mit denen er irgendwo an dem Ast sägte, auf dem er saß. Die beiden Fusionen, die er begleitete. Erst verschmolz die Volksbank Verden mit Hoya, vor gut anderthalb Jahren dann mit weiten Teilen des südlichen Landkreises Diepholz. Auf bis zu sieben Vorstandsmitglieder war die Führungsetage angewachsen; einige sind schon ausgeschieden, mit dem Eintritt Dreyers in den Ruhestand sind es wieder drei Vorstandskollegen. Er könne sich mit dieser Entwicklung anfreunden, sagt Dreyer. „mit einer Bilanzsumme von 2,1 Milliarden Euro sind drei Vorstandsmitglieder eine ausreichende Größe.“ Zwar gehört eine solche Position an der Aller ab Anfang Februar der Vergangenheit an, gestärkt werde der Standort dennoch. Niederlassungsleiter Oliver Gattermann ist mit hohen Kompetenzen ausgestattet.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Gerd Meyer hob einer Mitteilung der Bank zufolge das gute Miteinander im Vorstand und Aufsichtsrat während der gesamten Zeit hervor. Er danke Dreyer für die erfolgreiche und vertrauensvolle Zusammenarbeit sowie das unermüdliche Engagement. Abschiedsworte.

Und so lagen nur sie jetzt noch vor ihm, die drei Geldstücke, die Wolfgang Dreyer auf seinen Schreibtisch gestapelt hatte. Sie lagen dort nicht zufällig, sagt er. „Sie lagen dort gut sichtbar. Würde jemand einen von ihnen vermissen, weil er ihn verloren hatte, er hätte ihn mitnehmen können.“ Gern das Cent-Stück, gern auch eines der beiden Zwei-Cent-Stücke. Es meldete sich nie jemand. „Ich habe mir erlaubt“, sagt Wolfgang Dreyer mit einem Schmunzeln, „ich habe mir erlaubt sie einzustecken und mit in den Ruhesand zu nehmen.“

Auch interessant

Kommentare