Auftritt in Verden

AKK-Konkurrent Friedrich Merz (CDU) will zurück an die Parteispitze

Die Organisation „Land schafft Verbindung“ überreichte Kulinarisches aus der Region (v.l.): Dierk Gieschen, Harm Heimsoth, Henning Müller, Friedrich Merz und Andreas Mattfeldt.
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Die Organisation „Land schafft Verbindung“ überreichte Kulinarisches aus der Region (v.l.): Dierk Gieschen, Harm Heimsoth, Henning Müller, Friedrich Merz und Andreas Mattfeldt.

Vielleicht hatten die rund 1.000 Zuhörer Montag in der Verdener Stadthalle ein klares Bekenntnis zur Kandidatur als Kanzler erwartet. Das blieb Friedrich Merz schuldig. Aber wer genau hinhörte, der erkannte einige Andeutungen.

  • Friedrich Merz will zurück in den Bundestag und an die CDU-Spitze
  • Bei einem Auftritt in Verden lässt Friedrich Merz K-Frage offen
  • CDU-Politiker Friedrich Merz will Steuerpolitik gestalten

Verden – Würde er es tun? Mehr als tausend Augenpaare klebten Montagabend an seinen Lippen. Würde Friedrich Merz anderthalb Jahre vor der Bundestagswahl das K-Wort in den Mund nehmen? In der vollbesetzten Stadthalle warteten sie auf Hinweise, vor der Leinwand im Foyer ebenfalls. Würde er schon jetzt den Hut in den Ring werfen? Oder würde er wie zuletzt auf dem Bundesparteitag alles offen lassen? 

Er wand sich. Auf der Veranstaltung der Mittelstandsvereinigung der CDU entwickelte Friedrich Merz Perspektiven für die Zukunft, Perspektiven, in denen ein starkes Europa eine Rolle spielte, und mittendrin eine starke Republik, und darin eine starke CDU, aber er vermied es, seine Position in dieser Konstruktion zu benennen, seine Rolle in diesem Geflecht.

Friedrich Merz lässt in Verden K-Frage offen

Die K-Frage? Schon vor der Veranstaltung blieb er seiner bisherigen Linie treu. „Das ist kein Thema jetzt,“ sagt Friedrich Merz im kleinen Kreis. Also dementiere er? „Nein, ich dementiere nicht“, sagte er im Gespräch mit dieser Zeitung, „zu diesem Thema sage ich gar nichts.“ 

Alles werde im Dezember entschieden auf dem nächsten Bundesparteitag. „Da geht es um Sachfragen, da stehen Neuwahlen des Vorstandes auf dem Programm, da gibt es Antworten auf wesentliche Personalfragen.“ Später, ganz am Ende des Abends, versuchte das Publikum sein Glück. Ob er neben Andreas Mattfeldt ebenfalls für den Bundestag kandidiere, fragten sie ihn. Friedrich Merz‘ klare Antwort: „Ja.“ Nicht mehr, nicht weniger. Aber immerhin eines steht seit Montagabend in Verden fest: Der 65-Jährige will zurück ins Parlament. 

Doch nachdem Annegret Kramp-Karrenbauer ihren Rückzug von der Parteispitze und damit auch den Verzicht auf eine Kanzlerkandidatur verkündet hat, bringen sich auch andere Kandidaten in Position.

Entwickelte sein Bild von der Welt, von Europa und von einer starken CDU: Friedrich Merz Montagabend in der Stadthalle Verden.

Ob die CDU an jenem Politiker vorbeigehen kann, der gegenwärtig mit Abstand die besten Umfragewerte auf sich vereinigt, Friedrich Merz liegt vor Annegret Kramp-Karrenbauer, er liegt vor Markus Söder, er liegt deutlich vor Jens Spahn, ob die Partei es sich leisten kann, diesen Hoffnungsträger links oder rechts oder in der Mitte liegen zu lassen, darauf gab es Montag zumindest eine Antwort. Ganz am Ende. 

Stehende Ovationen waren dem CDU-Politiker Friedrich Merz gewiss. Und auch Gastgeber Andreas Mattfeldt machte aus seinem Herzen keine Mördergrube: „Der Bundestag setzt sich zu einem großen Teil aus Politikwissenschaftlern zusammen, aus Rechtswissenschaftlern. Wir müssen den Menschen auch was anderes bieten.“

CDU-Politiker Friedrich Merz in Verden: Brexit muss nicht alles schlechter machen

CDU-Politiker Friedrich Merz seinerseits holte weit aus. Die EU zum Beispiel. Die erste Klippe kündige sich bereits an. „Wer sagt denn, dass es den Briten zunächst schlechter geht? Sie können ab Ende der Übergangszeit alles selbst bestimmen und sich die Regeln selbst geben ohne Rücksicht auf andere.“ 

Aber er sehe auch Chancen. „Deutschland übernimmt ab Mitte dieses Jahres die EU-Ratspräsidentschaft. Angela Merkel hat bereits zu einem Gipfel mit China eingeladen.“ Mit klaren Aussichten, wie er finde. „Die Chinesen werden das Treffen genau analysieren, sie werden beobachten, wie belastbar dieses gemeinsame Europa ist, und sie werden ihre Schlüsse daraus ziehen.“

Stimmte mit den Händen ab: Das Publikum reagierte auf Friedrich Merz mit stehenden Ovationen.

Aber nicht nur für die EU stehe viel auf dem Spiel, auch für die Bundesrepublik gehe es um einiges. „Es gibt Probleme, ja“, sagt Friedrich Merz, „aber es gibt auch Erfolge.“ Steigende Löhne, nahezu die Vollbeschäftigung, schwarze Zahlen in den öffentlichen Haushalten seit mehr als einem halben Jahrzehnt, bemerkenswerte Rentensteigerungen. Das könne niemand bestreiten. Oder anders, so Merz: „Wenn wir das, was wir erreicht haben, auch in 20 Jahren noch haben, wenn also alles bleibt wie es ist, dann muss sich viel ändern.“

Viel ändern? Wer soll es ändern? Welche Rolle er sich selbst zudenkt, das ließ Friedrich Merz zwar offen, aber jeder im Saal ahnte, wen er meinte. Und dann sagte er Sätze wie diesen: „Meine Triebfeder noch einmal in die Politik zu gehen, besteht genau darin, an dieser neuen Epoche mitzuarbeiten.“ Und das irgendwo in zweiter Reihe?

Friedrich Merz von der CDU will eine neue Steuerpolitik

Auf jeden Fall hat er klare Ziele, und die sind keineswegs unpopulär. Eine neue Steuerpolitik zum Beispiel. „Wir brauchen eine neue Unternehmenssteuer, wir brauchen eine niedrigere steuerliche Belastung für die privaten Haushalte.“ Zwar passe die Steuererklärung nicht auf einen Bierdeckel, wie er es vor knapp 20 Jahren noch formuliert habe, aber ganz weit entfernt davon ist er nicht. „Dann nehmen wir eben noch die Bierdeckel-Rückseite dazu.“

Ideen, die der Bundestagsabgeordnete Andreas Mattfeldt unterschreiben konnte. Ein Herz und eine Seele also, die beiden, die da auf der Stadthalle-Bühne standen? Montag gewiss. Aber heute sieht‘s schon ganz anders aus. Mattfeldt trug seinen grünweißen Schlips. Friedrich Merz bekannte im Laufe des Abends: „Sorry, ich bin Dortmund-Anhänger.“

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