CDU-Diskussion: Langsame Bearbeitung der Asylanträge behindert Integration

Kreis muss sich auf 900 bis 1000 Flüchtlinge einstellen

+
Die Fachleute auf dem Podium (v.l.): Horst Hofmann, Bernd Dannheisig, Ansgar Focke und Klaus Liebetanz.

Verden - Von den 800 für den Landkreis Verden angekündigten Flüchtlingen sind bislang 170 angekommen. Diese Ruhe sei trügerisch, warnte Bernd Dannheisig, Leiter des Fachdienstes Soziales beim Landkreis Verden, bei einer Diskussionsveranstaltung des CDU-Kreis- und Stadtverbandes am Donnerstagabend. Kurz darauf wurde er vom Landtagsabgeordneten Ansgar Focke mit der Information überrascht, dass der Landkreis sich auf 900 bis 1000 Flüchtlinge einstellen kann.

Die Integration von Flüchtlingen stand im Mittelpunkt der Veranstaltung im Hotel Niedersachsenhof. „Ein sehr wichtiges Thema, denn es geht um Menschen“, betonte der CDU-Landtagsabgeordnete Adrian Mohr in seiner Begrüßung. Neben Bernd Dannheisig und Ansgar Focke (Landtagsabgeordneter und Mitglied im Ausschuss für Inneres und Sport) saßen auf dem Podium Horst Hofmann (Bürgermeister des Fleckens Ottersberg) und stellvertretend für die kurzfristig verhinderte Andrea Wessel vom Caritasverband Verden/Heidekreis, Klaus Liebetanz, als einer von vielen engagierten, ehrenamtlichen Helfern.

Dannheisig erläuterte die Aufgaben des Landkreises und die ersten Maßnahmen, wenn Flüchtlinge im Landkreis Verden ankommen. Derzeit habe die Behörde 105 Wohnungen angemietet. Von den 170 Flüchtlingen, die in diesem Jahr aufgenommen wurden, stammen 70 aus dem Balkan und 40 aus Somalia. Die Übrigen aus Afrika, Arabien, Eritrea, Sudan, Somalia, der Elfenbeinküste, Georgien, Türkei und Irak. „Zu 95 Prozent sind es alleinstehende Männer“, erklärte der Fachdienstleiter.

Einig war er sich mit Horst Hofmann, dass insbesondere den ehrenamtlichen Helfern Dank gebühre, die sich um die Flüchtlinge in vielfältiger Weise bemühten. Einer von ihnen ist Klaus Liebetanz, und er sprach ein Kernproblem an. „Von den 170 jungen Flüchtlingen haben nur sieben einen Bescheid über ihren Asylbewerberstatus. Der Rest hat keine Chance, einen Integrationskurs zu besuchen“, erklärte er. Der Bescheid sei die Voraussetzzung. Beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) würden 200000 unbearbeitete Asylanträge liegen, mit 450000 weiteren Anträgen werde gerechnet.

Dann machte Liebetanz einen Vorschlag, auf den die rund 60 Anwesenden mit Applaus und Bravo-Rufen reagierten und den Ansgar Focke mit nach Hannover nehmen will: „Wir brauchen eine Übergangsregelung, solange die BAMF ihren Auftrag nicht erfüllen kann. Jeder Flüchtling, der sich seit einem Jahr in Deutschland aufhält, muss die Möglichkeit bekommen, an einem Integrationskurs teilzunehmen.“

Dem Landtagsabgeordneten zufolge rechnet Niedersachsen in diesem Jahr mit 40000 neuen Flüchtlingen. Bislang finden die Asylsuchenden viel Unterstützung in der Bevölkerung. Die Diskussionsveranstaltung zeigte, dass dabei schnelle und unbürokratische Hilfen gefragt sind, um die Motivation der Helfer nicht abreißen zu lassen und den Flüchtlingen die Möglichkeit zu geben, sich schnell zu integrieren.

wb

Mehr zum Thema:

Neue Konsolenspiele: Heiße Reifen und ein Troll

Neue Konsolenspiele: Heiße Reifen und ein Troll

Das sind die „Allradautos des Jahres 2017“

Das sind die „Allradautos des Jahres 2017“

Mit Künstlern unterwegs auf Rhodos

Mit Künstlern unterwegs auf Rhodos

Couture für zu Hause: Wenn große Modehäuser Möbel herstellen

Couture für zu Hause: Wenn große Modehäuser Möbel herstellen

Meistgelesene Artikel

Schwerer Unfall in Bassen: Frau stirbt

Schwerer Unfall in Bassen: Frau stirbt

Luther und Störtebeker zanken über Wohltaten

Luther und Störtebeker zanken über Wohltaten

Spotlight im Rampenlicht

Spotlight im Rampenlicht

„Achim ist jetzt Teil der Coca-Cola-Familie“

„Achim ist jetzt Teil der Coca-Cola-Familie“

Kommentare