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E-Carsharing in Verden gestartet

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Von: Heinrich Kracke

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Leute vor und neben weißem Auto.
Dicht umlagert schon zum Start: eines der drei E-Autos, die auf dem Warwickplatz am Kreishaus auf Interessenten warten. © Kracke

Seit Donnerstag können Autofahrer, die die Kosten für ein eigenes Gefährt sparen wollen, in Verden auf sogar E-Wagen umsteigen. Das E-Carsharing ist mit zunächst vier Fahrzeugen gestartet. Selbst der renommierte Branchenriese Cambio, der das operative Geschäft übernimmt, betritt damit Neuland. 

Verden – Vor 30 Jahren startete Cambio bereits das erste Carsharing in Bremen. Genügend Erfahrung bringt der operative Partner des Verdener Projektes also mit. Und dennoch betritt das Unternehmen in der Reiterstadt Neuland. „Nein“, sagt Cambio-Geschäftsführer Lasse Schulz anlässlich des Startschusses für Allercar am Donnerstag auf dem Warwickplatz vor dem Kreishaus, „nein, ein Carsharing ausschließlich mit E-Autos, das haben wir noch nirgends.“

Aus wirtschaftlichen Gründen habe man bisher darauf verzichtet. Autofahrer fremdelten noch mit den Stromern, die Anschaffungskosten seien hoch, auch wenn inzwischen die Preisspirale nach unten tendiere, und an der Lade-Infrastruktur hapere es.

Grund genug, sagt Schulz, mit Spannung auf das E-Carsharing in Verden zu schauen. Werden die Fahrzeuge tatsächlich ausgelastet? Finden sich private Interessenten? Das sind die spannenden Fragen, die beantwortet werden. Und das nicht schon innerhalb der nächsten Wochen. Drei Jahre geben sich die Initiatoren von Stadt und Landkreis Verden, der Verden-Walsroder Eisenbahn, der Klimaschutzagentur „kleVer“ und den Stadtwerken Verden Zeit, ihre Schlüsse zu ziehen. Finanziell abgesichert sind die 36 Monate Probebetrieb durch einen Zuschuss in Höhe von 190 000 Euro der Metropolregion Nordwest. Am Ende solle eine ein Konzept stehen, das auch auf andere Kommunen übertragbar sei. „Wir blicken gespannt auf Verden“, sagte Birgit Ahn aus der Führungsetage der Metropolregion.

Sie tragen das Logo Allercar, die vier Fahrzeuge, alle frisch aus dem Werk, die in einem ersten Schritt an der Aller-Mündung an den Start gehen. Drei davon erhalten ihren Standort an der neuen Ladestation auf dem Parkplatz des Warwickplatzes am Kreishaus, ein viertes steht seit gestern an der Mainstraße. Noch im Frühjahr sollen drei weitere Standorte mit den weißen Wagen und der sauberen Energiezufuhr belegt werden. Ausgewählt wurden der Bahnhof sowie die Moorstraße, hier im Bereich der Allerbus, unklar lediglich noch der Standort am Rathaus. Dafür sei eine abschließende Entscheidung noch nicht getroffen, heißt es, zurzeit sei der Bereich Nikolaiwall favorisiert.

VWE-Geschäftsführer Henning Rohde nennt sie die Anker-Nutzer, den Landkreis und die Stadt Verden. Die Mitarbeiter beider Verwaltungen sollen für ihre Dienstfahrten künftig mit dem Akku-Fahrzeug auf Tour gehen. Damit hoffe man, den Grundstock für einen Erfolg des Projektes zu legen. Die Kreisverwaltung hatte dafür drei ihrer acht herkömmlichen Autos abgegeben, die Stadtverwaltung ein dringend benötigtes weiteres Fahrzeug gar nicht erst angeschafft, sondern gleich auf einen weiteren Stromer gesetzt.

Komplizierter dürfte es werden, weite Bevölkerungskreise für die Elektroflitzer zu begeistern. „Jeder ist irgendwie mit einem Auto versorgt, jetzt geht es darum, eingefahrene Strukturen aufzubrechen“, sagte „kleVer“-Geschäftsführerin Janine Schmidt-Curreli. Einstiegsszenarien seien beispielsweise Überlegungen, den Zweitwagen abzuschaffen oder aufgrund von familiären Einschnitten ganz auf das kostentreibende eigene Auto zu verzichten.

Die Politik unterstützt das E-Carsharing. „Die Dynamik der E-Mobilität nimmt stark zu. Zurzeit wird sie aus 50 Prozent erneuerbarer Energie gespeist, Tendenz spürbar zunehmend“, sagt etwa Landrat Peter Bohlmann. Auch Privatunternehmen sprängen allmählich bei der Ausstattung mit Firmenwagen auf diesen Zug auf, aber die Kommunen, in diesem Falle Landkreis und Stadt Verden, seien die Treiber des Projektes, und damit die Treiber auch der Energiewende. Verdens Bürgermeister Lutz Brockmann betonte die soziale Funktion, die das Projekt ausstrahle. „Nicht jeder hat ein Auto, schon gar nicht ein E-Auto. Hier besteht die Möglichkeit, bezahlbare Elektromobilität zu nutzen.“

Vier Leute enthüllen Hinweisschild auf E-Carsharing
Feierlicher Moment: Henning Rohde enthüllt die neue E-Carsharing-Station am Kreishaus. © Kracke

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