Caritas berät alle Menschen in Notlagen / Niedrigschwellig und kostenfrei

Bedarf könnte in vielen Bereichen steigen

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Wer mit den Finanzen nicht mehr zurecht kommt, findet bei der Lebens- und Sozialberatung der Caritas Hilfe.

Landkreis - Seit rund zwei Jahren ist die Caritas für den Landkreis Verden verstärkt in der Öffentlichkeit präsent. Das hat auch mit der massenhaften Einreise von Menschen in Deutschland zu tun, die vor Krieg und Terror geflüchtet sind. Weil das Personal für die Erstorientierung der Flüchtlinge fehlte, setzte das Land Niedersachsen Wohlfahrtsverbände ein, um Aufgaben in diesem Bereich zu übernehmen. Aber die Caritas hält für alle Menschen in Notlagen Beratungsangebote bereit – und tut das auch weiterhin niedrigschwellig und kostenfrei, versichert Jutta Mischendahl-Pape, Geschäftsführerin des Caritasverbandes mit Sitz in Verden.

Neben allgemeiner Lebens- und Sozialberatung hat die Organisation Schwangeren- und Familienberatung, Schuldnerberatung, eine Kleiderkammer sowie Migrations- und Integrationsberatung im Programm. Während die Caritas für fast alle Bereiche in Achim, Verden, Oyten und Ottersberg Beratungen anbietet, gibt es die Schuldnerberatung nur in Verden.

Insgesamt arbeiten bei der Caritas 20 Festangestellte, die Flüchtlingsarbeit mit eingerechnet. Für den gesamten Landkreis sind vier Mitarbeiter in Sachen Erstberatung für (noch nicht anerkannte) Flüchtlinge unterwegs. „Das Land Niedersachsen hat 2014 die Caritas angesprochen und Geld aufgelegt. Es wurden alle Verbände, die bereits nach der ‚Richtlinie Integration‘ des Bundes-Sozialministeriums arbeiten, für die Erstorientierung rangekoppelt“, so Mischendahl-Pape.

Die Caritas wird für ihre gemeinnützigen Aufgaben aus verschiedenen Fördertöpfen finanziell unterstützt, darunter befinden sich Gelder vom Land Niedersachsen, vom Landkreis Verden, von Kirchen und Stiftungen. „Wir beantragen die Zuwendungen jährlich“, erklärt Mischendahl-Pape.

600 bis 620 Personen sind 2015 allein durch die Beratungsdienste gegangen, informiert die Geschäftsführerin. Zu den Beratungen kommt eine gemischte Klientel, darunter Bezieher von Arbeitslosengeld II (auch „Aufstocker“, die von ihrem Lohn allein nicht leben können), Niedriglöhner und in den letzten Jahren verstärkt auch Rentner. „Viele kennen uns und kommen über Jahre immer mal wieder.“

Was tun etwa, wenn die Versorgungsgesellschaft vor Ende des Monats den Strom abgestellt hat? Laut Jutta Mischendahl-Pape ein häufiges Problem, gerade, wenn im Januar/Februar die Jahresabrechnungen verschickt werden. Dem nimmt sich die Caritas in Form der allgemeinen Lebens- und Sozialberatung an. Bei schwierigeren Fällen setzt die Schuldnerberatung an, die laut Mischendahl-Pape seit Jahren rege genutzt wird. Entsprechend hätten sich für die Betroffenen die Wartezeiten verlängert. In der Beratung für Schwangere geht es oft um Gelder für die Babyausstattung, Fragen zum Arbeitsrecht, oder um die Vermittlung von Familienhebammen.

Die Caritas verstehe sich als Stelle, die Hilfesuchende nicht wegschickt, sondern sich erstmal anhört, was die Leute zu sagen haben. Denn meist liege für die Betroffenen bis zum Aufsuchen einer Beratung ein erheblicher Entscheidungsprozess, weiß Mischendahl-Pape: „Wenn jemand irgendwo klingelt, dann hat er ein Problem.“

Helfen – das kann durch direkte Beratung geschehen oder durch das Verweisen an andere kompetente Stellen, etwa, wenn eine psychische Erkrankung oder Suchtproblematik als Ursache vermutet wird.

Mischendahl-Pape begann vor 21 Jahren bei der Caritas als Mitarbeiterin der Lebens- und Sozialberatung beziehungsweise Schwangerenberatung. Seit sieben Jahren füllt sie das Amt der Geschäftsführerin aus. Dabei hat sie eine kontinuierliche Entwicklung beobachtet: „Der Anteil derjenigen, die ihren Lebensunterhalt mit Arbeit nicht tragen können, ist rasant gestiegen.“

Der Hinweis, nur Bildung könne die Armutsspirale durchbrechen, sei nicht immer hilfreich. Ein Beispiel: Ein sozial benachteiligtes Kind geht aufs Gymnasium, aber ein Taschenrechner kostet 150 Euro. „Man muss sich Bildung auch leisten können“, sagt die Caritas-Geschäftsführerin.

Diese gesellschaftlichen Entwicklungen haben auch dazu geführt, dass die Caritas Verden von einst zwei Mitarbeitern auf derzeit 20 gewachsen ist. Um die vielfältigen Beratungsangebote im Blick zu behalten, wird der Gesamtverband nun erstmals einen Jahresbericht herausgeben.

Indirekt werde sich der Flüchtlingszuzug in den nächsten Jahren auch bei der Caritas auswirken, vermutet Mischendahl-Pape. „Wenn die Leute einen anerkannten Status haben, werden sie in die bestehenden Hilfesysteme entlassen.“ Das sei jetzt schon feststellbar. Deshalb richtet der Caritas-Verband 2016 eine weitere halbe Stelle für die Migrations- und Integrationsberatung ein. „Und auch in den anderen Bereichen wird der Bedarf steigen.“ Denn die Problemlagen der von Armut betroffenen Menschen seien die gleichen, unabhängig von der Herkunft.

Die Caritas ist erreichbar unter der Telefonnummer: 04231/5655, per E-Mail: mail@caritas-verden.de und im Internet www.caritas-verden.de

ldu

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