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Hier schlägt das Herz der Schule

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Von: Katrin Preuß

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Vier Frauen stehen in einem Büro hinter einem roten Tresen.
„Nicht vorstellbar, wenn wir sie nicht hätten“, sagt Schulleiter Christian Piechot über die vier Frauen im Campus-Sekretariat: (v.l.) Ulrike Hinz, Jeannine Jäger, Silvia Polster und Karin Behling. © Preuß

Verden – Sie servieren uns unser Essen; sie nehmen uns beim Arzt im Empfang, sie wiegen für uns die Wurst ab, tüten Brötchen ein, empfehlen uns spannende Bücher, beraten und informieren uns. Ihre Gesichter sind uns oft seit vielen Jahren vertraut und doch wissen wir nur wenig über die Menschen hinterm Tresen. Das möchten wir ändern und in dieser Serie einige von ihnen vorstellen.

Vier Frauen arbeiten in den beiden Büros der Campus-Oberschule

Es soll da so ein geflügeltes Wort geben: Wer als Lehrkraft neu an eine Schule kommt, sollte sich zunächst einmal mit dem Hausmeister gutstellen – und mit dem Sekretariat. Eines ist da mal sicher: Wer es sich mit den vier Frauen verdirbt, die in den beiden Büros der Verdener Campus-Oberschule die Geschicke leiten, der muss schon mächtig was falsch gemacht haben. Denn neben ihrer Kompetenz ist es vor allem die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, die Karin Behling, Ulrike Hinz, Jeannine Jäger und Silvia Polster kennzeichnet.

Umfangreiche Aufgaben

„Es ist viel, was wir alles können müssen“, sagt Ulrike Hinz und deutet mit ihren Händen eine lange Liste an. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen zählt sie auf, was alles über ihre Schreibtische geht: die An- und Abmeldungen, die sich natürlich vor allem zum Schuljahresende häufen, die Abrechnung von Klassenfahrten und Ausflügen, jetzt, während der Pandemie, das Führen der Test-Statistik, die finanzielle Abwicklung der Schulbuchleihe, das Erstellen von Klassen- und Kurslisten, das Schreiben erster Anträge, wenn es um einen sonderpädagogischen Förderbedarf geht, die Buchhaltung in Sachen Schulbudgets, die Verwaltung der Tablets, mit denen inzwischen fast alle Jahrgänge ausgestattet sind, die Abrechnung der Mittagessen in der Mensa und und und...

Abwechselnd ein Tag im Homeoffice

Angesichts dieser Fülle sind alle vier froh, dass sie abwechselnd einen Tag im Homeoffice verbringen können. Sie hoffen, dass ihnen diese Möglichkeit auch über die Pandemie hinaus erhalten bleibt.

Konzentration wird immer wieder gestört

Denn für alles gibt es natürlich unterschiedliche Computer-Programme, die die Frauen beherrschen müssen. Da ist dann Konzentration gefragt, nur leider klingelt im Sekretariat immer wieder das Telefon, kommt ein Lehrer herein, der ein Formular benötigt, eine organisatorische Frage hat, steht ein Schüler am Tresen, der sich krank meldet. Dessen Eltern müssen informiert werden, sonst darf er nicht gehen. Also wieder ran ans Telefon.

„Wir sind Sachbearbeiterinnen“

Ulrike Hinz bringt es auf den Punkt: „Wir sind eigentliche keine Sekretärinnen, wir sind Sachbearbeiterinnen.“ Schade nur, dass sich das nicht bei der Gehaltseinstufung widerspiegelt.

Flexibilität ist gefragt

Schulsekretärin, das ist kein Lehrberuf, „das ist learning by doing“, sagt Jeannine Jäger. Nicht alles kann man lernen. Empathie ist etwas, was eine gute Schulsekretärin mitbringen sollte, sagen die Frauen. Flexibilität ist gefragt. „Man weiß am Morgen nie, wie so ein Tag verläuft“, erklärt Silvia Polster. „Eine gewisse Gelassenheit“ nennt Jeannine Jäger als weitere nützliche Eigenschaft. „Und man muss sehr stressresistent sein“, ergänzt Karin Behling.

Fundierte Ausbildungen

Jede der vier Frauen hat eine fundierte Ausbildung genossen. Jeannine Jäger ist gelernte Kauffrau für Bürokommunikation. Ihre Kollegin Ulrike Hinz ist Groß- und Außenhandelskauffrau, Karin Behling startete als Rechtsanwalts- und Notargehilfin ins Berufsleben, Silvia Polster als Bürokauffrau.

Die Verwaltungsarbeit, das Buchhalterische ist für die Frauen so gesehen ein Klacks. Zu diesen Kernaufgaben kommt aber noch das, was in keiner Arbeitsplatzbeschreibung auftaucht: mal ein Kind, einen Jugendlichen beruhigen, wenn ein unangenehmer Besuch bei der Schulleitung bevorsteht; Pflaster oder Kühlpacks herausgeben und dazu ein paar tröstende Worte sprechen, vor allem bei den Kleinen wichtig, deren Grundschulzeit noch nicht lange zurückliegt.

Die Rolle der „Kummerkasten-Tante“

Und wenn der Bedarf da ist, schlüpfen die Frauen auch gerne in die Rolle der „Kummerkasten-Tante“. Hier hilft es, dass jede der vier selber Mutter ist, schon aus eigenem Erleben um die Sorgen und Nöten der Schülerschaft weiß.

Positives Klima am Campus

Sowohl die als auch das Kollegium und die Schulleitung wüssten ihren Einsatz aber auch sehr zu schätzen, freuen sich die Frauen. „Das Miteinander ist ein sehr positives“, sagen sie über das Klima am Campus.

„Immer freundlich und offen, sind sie auch im größten Trubel nie aus der Fassung zu bringen“, beschreibt Schulleiter Christian Piechot die vier Frauen, die „sein“ Vorzimmer schmeißen. Und man hört fast den Stoßseufzer, als er hinzufügt: „Nicht vorstellbar, wenn wir sie nicht hätten.“

Die Arbeit macht allen Spaß

Die Gefahr, dass ein Mitglied des dynamischen Quartetts die Segel streicht, ist allerdings denkbar gering. Die Arbeit macht allen Spaß. Und: „Ein großes Plus unseres Jobs ist es, dass wir uns so gut verstehen“, sagt Ulrike Hinz. Ihre Kolleginnen nicken zustimmend.

Jeannine Jäger (49) aus Blender ist seit 2018 am Campus und somit die kürzeste Zeit dabei. Als passionierte Radfahrerin legt sie den Arbeitsweg gerne mal mit dem E-Bike zurück. Die fünffache Mutter war eine Zeitlang als Tagesmutter tätig, stieg dann über die Musikschule Contakte langsam wieder in die Büroarbeit ein. Nachdem die Kinder groß waren, wollte sie wieder mehr tun. „Dann ist sie bei uns gelandet“, nimmt Ulrike Hinz den Faden auf. Und Jäger erwidert: „Worüber ich auch sehr sehr froh bin.“

Ihre Freizeit verbringen die Frauen getrennt

Doch bei aller Sympathie, die die vier füreinander hegen, ihre Freizeit verbringen sie dann doch getrennt voneinander.

„Radfahren, Wandern, Lesen, Spieleabende“, beantwortet Silvia Polster die Frage nach ihren Hobbys wie aus der Pistole geschossen. Steckt sie ihre Nase in ein Buch, so ist es meist ein historischer Roman. Wer oder was lesenswert ist, das weiß die Verdenerin noch aus ihrer Zeit bei der Stadtbibliothek. Dort war sie 15 Jahre tätig, hatte viel Freude daran. Aber: „Ich wollte mich nochmal verändern“, sagt sie. So kam sie vor viereinhalb Jahren zum Campus.

Ulrike Hinz, ebenfalls aus Blender, ist seit 2013 dabei, fing im Sekretariat der Klaus-Störtebeker-Schule an. Zuvor, so berichtet die dreifache Mutter, habe sie acht Jahre lang als pädagogische Mitarbeiterin an der Grundschule Blender gerarbeitet. Für die 52-Jährige quasi der berufliche Einstieg in den Kosmos Schule. Walken und Stricken zählt Ulrike Hinz zu ihren bevorzugten Freizeitaktivitäten. „Und ich spiele liebend gerne Rommé.“

„Wir spielen alle total gerne“, stellt Karin Behling mit Blick in die Runde fest. Die 51-Jährige ist seit 2011 im Schulsekretariat tätig und ist somit die Dienstälteste der vier. Sie kommt morgens aus Wechold nach Verden. Dort wohnt sie auf einem Pferdehof, da ist klar, welches Hobby Karin Behling hat. Sie ist passionierte (Dressur-)Reiterin. „Aber kein Turniersport mehr“, schränkt sie ein. Dafür gibt sie Reitunterricht im RFV Wechold-Martfeld, auch eine zeitintensive Freizeitbeschäftigung.

So, Schluss nun mit dem Reden. Wieder klingelt das Telefon, wieder geht die Tür auf, braucht jemand Hilfe. Da bleibt keine Zeit mehr dafür, der Presse Rede und Antwort zu stehen. Beim Hinausgehen fällt der Blick auf eine Tüte auf einem der Schreibtische. „Your life is your campus“, ist darauf zu lesen. Stimmt. Und im Sekretariat schlagen vier Herzen im Takt dazu.

Kontakt: Kennen auch Sie – als Kunde oder Arbeitgeber – eine Verdener „Tresenkraft“, die wir Ihrer Ansicht nach einmal vorstellen sollten? Dann nehmen Sie gerne Kontakt zu uns auf: Telefonnummer 04231/801142 oder per E-Mail an die Adresse redaktion.verden@kreiszeitung.de, Stichwort „Hinterm Tresen“.

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