Verdener Jahrhundert-Bahnprojekt: Staatssekretär Ferlemann stellt rasche Klarheit in Aussicht

„Bundestag entscheidet bis Juni“

Im Sitzungssaal der Baufirma Matthäi liefen die Fäden bei der Hybridkonferenz zusammen.
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Im Sitzungssaal der Baufirma Matthäi liefen die Fäden bei der Hybridkonferenz zusammen.

Verden-Dauelsen – Große Bauvorhaben werfen große Schatten voraus. Der geplante Ausbau der Bahnstrecke Verden-Rotenburg mit insgesamt 14 neuen Brücken allein in Verden gewann jetzt weitere Konturen. Der parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann (CDU), kam nach Verden-Dauelsen, um sich vor Ort ein Bild zu machen.

Und er wurde konkret. Mit Spannung waren vor allem Antworten auf eine Entscheidung des Bundestags erwartet worden. Berlin muss das Projekt mit einem Volumen von zig Millionen Euro freigeben. Ferlemann kündigte an, das Projekt noch in dieser Legislatur durch den Bundestag bringen zu wollen. „Das würde einen Beschluss noch bis Juni 2021 bedeuten. Durch ein Projekt in Hessen und den Fehmarnbelttunnel kennen die Abgeordneten dieses Vorgehen auch schon. Mein Ziel ist, dass die Abgeordneten über Ostern sich die Vorlage durchlesen können, auch wenn dazu im Ministerium Wochenendschichten anfallen“, sagte er.

Ferlemann hatte sich bei seinem Verden-Abstecher zunächst die Gleisanlagen angesehen. Danach nahm er auf Einladung des CDU-Fraktionschefs im Stadtrat Jens Richter, Kreistagsfraktionsvorsitzender Wilhelm Hogrefe (CDU) und CDU-Kreischef Adrian Mohr an einer Hybriddiskussion mit Anrainer-Bürgermeistern und Eike Holsten (MdL) teil. Im großen Sitzungssaal der örtlichen Baufirma Matthäi legten die Bürgermeister Online ihre Forderungen zum Bahnausbau dar.

Ein konsensorientiertes Vorgehen stellte Bürgermeister Lutz Brockmann (SPD) per Onlineschalte in den Vordergrund. Er forderte vom Bund Unterstützung, falls Anwohner schon jetzt bereit seien, ihre Immobilien zu veräußern, weil sie nicht weiter an einer Bahnstrecke leben möchten. „Die Stadt kann da nicht in Vorleistung gehen. Es führt zu mehr Akzeptanz, wenn betroffene Menschen ihre Entscheidungen treffen“, sagte Brockmann. Ferlemann verwies auf den Bundesrechnungshof, der alle Ausgaben für ein derartiges Mammutprojekt überprüfe. Deswegen müsse für diesen Punkt eine rechtlich abgesicherte Lösung gefunden werden. „Es wäre Neuland, wenn die Bahn einen städtebaulichen Vertrag mit der Stadt abschließen kann“, sagte Brockmann. Unter anderem brachte er das geplante Parkhaus am Bahnhof ins Gespräch, das auch als Lärmschutzriegel dienen könne.

Weiter kam er zum wohl größten Bauwerk des Projekts, wofür auch Vereinbarungen mit der Bahn getroffen werden müssen. „Das Überführungsbauwerk in Dauelsen ist eine Zumutung“, so Brockmann. Diese neue Anbindung der Rotenburger Strecke an den Hauptstrang zum Verdener Bahnhof sieht auch Richter als Dauelsener aufgrund der Monstrosität der Brücke als Gefährdung für die Naherholung in dem Ortsteil.

Ferlemann signalisierte, dass er gerne dazu bereit wäre, in Verden Rechtsgeschichte zu schreiben und einerseits Lärmschutz durch bahnnahe Gebäude zu erwägen und mit einer Vereinbarung mit der Kommune zu regeln. Natürlich verwies er dabei auch auf sein Steckenpferd, die lärmreduzierende Achstechnik. „Diese Maßnahme hat in den letzten zehn Jahren den Bahnlärm halbiert“, so Ferlemann. Sonst äußerte er sich zum geforderten übergesetzlichen Lärmschutz eher allgemein, weil jede einzelne Maßnahme von seinem Ministerium und der Bahn geprüft und fiskal bewertet werden müsse. „An jede Maßnahme kommt ein Preisschild dran, worüber der Bundestag dann entscheiden muss. Die sehr gute Arbeit der Arbeitskreise vor Ort hat aber eine gute Voraussetzung geschaffen“, ging er auf die Bedingungen der Kommunen zum Bahnprojekt Alpha-E ein.

Schon vor Ort zwischen den Bahnstrecken von Verden nach Bremen und Rotenburg, am Schülerweg also, machte Richter gegenüber Ferlemann klar, dass hier ein Bahnhalt des Stadtexpresses nach Bremen für mehr Akzeptanz bei den Menschen in Dauelsen sorgen würde. „Transparenz im Planungsverfahren und aktive Einbindung der Bürger bis hin zur zeitlichen Bauplanung bei Realisierung der Maßnahmen sind unbedingt notwendig für einen Konsens mit der Bevölkerung in Verden“, forderte Richter an den Gleisen von Ferlemann.

Richter fragte gezielt zur Y-Trasse, die von der Bahn wieder ins Gespräch gebracht wurde. „Die Y-Trasse ist tot. Die ist aus dem Bundesverkehrswegeplan gestrichen“, machte Ferlemann klar. Dies stieß auf geteiltes Echo. „Alpha-E bringt große Belastungen für unsere Region. Es ist falsch, den Güterverkehr aus dem Hamburger Hafen über einen Umweg mitten durch die Städte und Gemeinden in unserer Heimat zu führen. Eine Neubaustrecke entlang der A7, so wie das die Deutsche Bahn und die Städte Hamburg und Lüneburg fordern, ist die fachlich bessere Lösung“, machte Hogrefe sich Luft.

Zum Abschluss kündigte Gastgeber und Geschäftsführer Bernd Afflerbach an, dass die Firma Matthäi sich bestimmt an den Ausschreibungen als örtlich ansässiges Bauunternehmen beteiligen werde. lee

Der Stadtexpress nach Bremen soll auch hier am „Schülerweg“ in Dauelsen halten, wovon sich Enak Ferlemann (Mitte) mit Sabine Patzer-Janßen (v.l.), Eike Holsten (MdL), Jens Richter und Adrian Mohr vor Ort ein Bild machten.

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