Bürgermeisterwahl in Verden

Hermann Dittmers: Vom Ortsvorsteher auf den Chefsessel

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An einem seiner Lieblingsorte in der Stadt Verden: der unabhängige Bürgermeisterkandidat Hermann Dittmers an der Aller.

Verden - Von Lea Oetjen. Wenn er über seine Art, Politik zu machen spricht, schwingt in jeder Silbe ein Hauch Gelassenheit und jede Menge Erfahrung mit. Seit mehr als zehn Jahren ist Hermann Dittmers Ortsvorsteher von Kappel, ein Stadtteil von Freiburg im Breisgau mit eigener Ortsverwaltung. Nun will er als unabhängiger Kandidat Bürgermeister von Verden werden, weil er „das große Interesse an der Stadt nie verloren“ hat, wie er bei einem Aller-Spaziergang an der Fährstraße verrät. „Rational und emotional“ sei jetzt der perfekte Zeitpunkt da.

In Verden aufgewachsen, machte Hermann Dittmers 1979 sein Abitur am Domgymnasium. Nach der Schule zog es ihn für ein Wirtschaftswissenschaften- und Jura-Studium nach Freiburg. Den Ausgleich zur Universität fand der Bürgermeisterkandidat in der Sporthalle, beim Handball. Von der fünften Kreisklasse schaffte es Dittmers sogar bis in die Handball-Bundesliga, stand für acht Spiele im Tor des TuS Hofweier. „Ich war besonders stark bei Siebenmetern“, erzählt er stolz.

Sein letztes Spiel machte der Freiburger übrigens im Alter von 55 Jahren für den SV Kappel. Der Sport habe ihn viel gelehrt. „Etwa, wie wichtig Teamplay ist. Dass du dein Bestes geben und trotzdem nicht jeden Torwurf halten kannst.“

Nach seinem Studium zog er zurück in seine Heimat an der Aller. Seine ersten Berufserfahrungen als Diplom-Volkswirt sammelte er im elterlichen Unternehmen, dem Tabakwarengroßhandel Hermann Dittmers. Erst der Liebe wegen ging es für Hermann Dittmers zurück nach Freiburg. „Ich war 25 Jahre mit einer Südbadenerin verheiratet. Wir haben drei wunderbare erwachsene Kinder.“ In Freiburg arbeitete er als Verbandsoberprüfer beim Badischen Sparkassen- und Giroverband. Anschließend agierte er als stellvertretendes Vorstandsmitglied bei der Sparkasse Lörrach-Rheinfelden. Seit 2001 ist er hauptamtlicher Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaft der Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau.

CDU-Mitgliedschaft von Dittmers ruht

War Dittmers als Verbandsoberprüfer „ständig unterwegs“, konnte er mit der neuen Anstellung sesshaft werden. „Da fing ich auch langsam an, mich für die kommunale Politik zu interessieren“, erinnert sich Dittmers, dessen CDU-Mitgliedschaft ruht. 2009 gewählt und 2014 bestätigt, repräsentiert er als einer von acht Ortsvorstehern gemeinsam mit vier Bürgermeistern und einem Oberbürgermeister die Stadt Freiburg – noch. Denn während er zurzeit zwei wichtige Ämter bekleidet, strebt Hermann Dittmers nun „die Reduktion auf eine Tätigkeit“, die des Verdener Bürgermeisters, an. Die Stadt habe „eine Größenordnung, in der es interessant ist, mit Menschen zusammenzuarbeiten“, betont er. Ein Bürgermeister könne nicht alles alleine schaffen. „Es braucht externe und interne Unterstützung. Auch der Verwaltung muss etwas zugetraut werden“, so Dittmers. Das Wichtigste sei, dass die Menschen merken, dass sie Verantwortung bekommen. „Schließlich haben sie ja das nötige Fachwissen“, sagt der Kandidat mit Blick auf die Verdener Verwaltung. Wenn er Bürgermeister werde, „sollte nicht alles über meinen Schreibtisch gehen“. Vielmehr sollte man den Mitarbeitern das nötige Vertrauen schenken. „Das motiviert enorm“, wie Dittmers nachdrücklich betont. Ähnlich denke er übrigens auch über die Kompetenz der Bürger. „Das Wissen ist da. Wieso sollte es nicht auch genutzt werden? Man muss Bürgern und Verwaltung einfach auf Augenhöhe begegnen.“ Niemand wisse so gut, was Verden braucht, wie die Verdener selbst.

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Um vollends in die finale Wahlkampfphase einsteigen zu können, hat Dittmers seinen Jahresurlaub genommen und wohnt bis zur Wahl in Verden. In Bürgergesprächen seien bereits einige interessante Themen an ihn herangetragen worden. Als Beispiele nennt er Toiletten für den Bahnhof und die Nahversorgung. Auch der Leerstand in der Großen Straße bereitet ihm Sorge. „Es ist schön, wenn die Politik zu den Eröffnungen von neuen Geschäften geht. Jedoch sollte auch mal zu Schließungen gegangen werden, um zu hinterfragen, woran es gelegen hat“, fordert er. Die Stadt müsse dem Einzelhandel zuhören. Nur so könne man ihm auch Chancen eröffnen.

Aller, Wohnungsbau und Generationengerechtigkeit

Mittelfristig möchte sich Hermann Dittmers um die Attraktivität der Aller kümmern, den Wohnungsbau vorantreiben und die Stadt generationengerecht entwickeln. „Dazu gehört jedoch auch, Schulden zu machen“, erläutert Dittmers, der auf einen wichtigen Fakt hinweist. „Es gibt einen Unterschied zwischen Geld ausgeben und investieren. Man darf sich verschulden, aber nur für Investitionen. Schließlich sind es Investitionen in die Zukunft“, stellt er klar.

Auch in Sachen Arten- und Umweltschutz hat Dittmers die Zukunft im Blick. Kein Projekt solle „auf Kosten unserer Nachkommen“ umgesetzt werden. Es sei „ein Zustand, den ich nicht nachvollziehen kann“, beispielsweise Wasser nach Bremen zu verkaufen, während der Mühlenteich am Sachsenhain austrocknet.

Einen weiteren Missstand sieht Hermann Dittmers im örtlichen Verkehr. „Wir müssen den Verkehr fließen lassen. Man darf nicht unendlich im Stau stehen“, fordert er. Unabhängig davon, ob die Autofahrer aus Dörverden oder von der A27 kommen. Dittmers’ Idee: eine intelligente Verkehrssteuerung und Radwegesystem. Auch für einen dritten Allerübergang möchte sich Dittmers einsetzen. Bislang habe er das Projekt nicht im Bundesverkehrswegeplan 2030 finden können. Eine Realisierung würde Jahrzehnte dauern, und die heutigen Bürger nur noch bedingt betreffen. Daher wolle er ihnen dafür auch kein Wahlversprechen geben. „Warum hat die Stadt da nicht schon früher gehandelt?“, fragt er sich.

Auf dem neuesten Stand bleiben

Weitere Infos über den Wahlkampf von Hermann Dittmers erhalten Interessierte auf seiner Internetseite unter www.dittmers.net. Dort erzählt er noch einmal von seinem Werdegang, seinen Ideen und Zielen für die Stadt Verden sowie von dem Grund für seine Kandidatur. Verdener Bürger haben außerdem auf der Homepage die Chance, Kontakt mit Dittmers aufzunehmen. Zudem ist er unter Telefon 0170/8180458 und per E-Mail an wahl@dittmers.net erreichbar.

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