Bücher der Zentralbibliothek bis zum Ferienbeginn in der Stadtbibliothek zu sehen

Ein Stück Verdener Arbeitergeschichte

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Nora Ehlers, Auszubildende zur Fachangestellten für Medien und Informationsdienste in der Stadtbibliothek, sorgt für die Präsentation der historischen Dokumente.

Verden - Die Ausstellung mit 189 Büchern aus der ehemaligen Verdener Arbeiter-Zentralbibliothek ist noch bis zum Anfang der Sommerferien in der Stadtbibliothek zu sehen. Am 13. März wurde die Ausstellung dort unter dem Titel „Bücher als Zeitzeugen – Arbeiter-Zentralbibliothek zurück in Verden“ eröffnet.

Die Bücher waren vom NS-Regime beschlagnahmt worden und hatten die Zeit im Bestand der Staats- und Universitätsbibliothek (SUB) Göttingen überdauert. Bei einem Forschungsprojekt zur Ermittlung und Restitution von NS-Raub- und Beutebüchern an der SUB Göttingen wurden sie wiederentdeckt.

Mittlerweile sind sie wieder zurückgegeben worden und werden in der Stadtbibliothek gezeigt. „Bis zum 22. Juli können sie dort angesehen und auch ausgeliehen werden“, sagte Bibliotheksleiter Stefan Kaplon. Zu finden sind die teilweise 140 Jahre alten Bücher in fünf Fensterwölbungen. Große Fotos zeigen ihren alten Standort, die ehemalige Gaststätte „Zum schwarzen Bären“. Eine große Bandbreite an Themen ist in den ausgestellten Büchern zu finden. Von den „Jugendgeschichten einer Arbeiterin“ mit einem Vorwort von August Bebel, über die „Darwin'sche Theorie“ zu den „Bornholmer Novellen“ von Martin Andersen-Nexö (damals die einzige autorisierte Übersetzung aus dem Dänischen) bis zu „Die Brücke im Dschungel“ von B. Traven (1929) gibt es die zweibändige „Geschichte der Bäcker und Konditoren“, den Jahresbericht 1915/16 zur „Lebensmittelversorgung in Hamburg“ sowie den Roman „Auferstehung“ von Leo Tolstoi (1899).

Daneben sind Kulturbilder aus den Religionskämpfen des 16. und 17. Jahrhunderts in „Wider die Pfaffenherrschaft“, Gedichte von Annette Droste-Hülshoff, „Die Frau und der Sozialismus“ von August Bebel und eine Ausgabe des Vereins- und Versammlungsrechts in Deutschland von 1892 im Bestand. Gerade dies Buch war wohl stark nachgefragt. Es erschien zwei Jahre nach dem Ende des Sozialistengesetzes (1878–1890), mit dem Reichskanzler Otto von Bismarck vergeblich versucht hatte, „die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie“ zu bekämpfen. Auch in Verden war in den zwölf Jahren mit Hausdurchsuchungen und Ausweisungen aus der Stadt der Arbeiterbewegung das Leben schwer gemacht worden. Eine Broschüre des SPD-Kreisvereins geht darauf genauer ein.

Die Schriftsetzer und Buchdrucker in Verden hatten sich auf die Beschlagnahme ihrer Bibliothek durch die Nazis vorbereitet. Im Protokoll des Bildungsverbands der deutschen Buchdrucker, Ortsgruppe Verden/Aller, ist zu lesen, dass die Versammlung die Auflösung der Ortsgruppe am 29. März 1933 beschlossen hat. „Der Bücherschrank mit der Fachliteratur wird dem Ortsverein Verden im Verbande der deutschen Buchdrucker als Treuhänder übergeben. Die schöngeistige Literatur wird dem Ortsausschuss zum Kauf angeboten und zwar pro Buch für 1 Mark, der Erlös soll auf ein Gyrokonto bei der Stadtsparkasse Verden hinterlegt werden.“

hm

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