Brutaler Angriff auf afghanische Flüchtlinge

Versuchter Mord: Angeklagter muss sich für Taten in BBS-Turnhalle verantworten

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Verteidiger Jakob Struif (l.) und Pflichtverteidiger Alexander Grantz (r.) im Gespräch mit dem Angeklagten und dem Dolmetscher im Gerichtssaal.

Verden - Mit Messern, Baseballschlägern, Metallstangen, Teleskopschlagstöcken und Holzlatten bewaffnet, sollen kurdische Flüchtlinge am 14. Mai regelrecht Jagd auf afghanische Flüchtlinge in der damals noch bestehenden Unterkunft in den Turnhallen der Berufsbildenden Schulen Verden gemacht haben.

Am Ende musste ein 14-Jähriger mit einem Rettungshubschrauber in eine Bremer Klinik geflogen und mehrere Verletzte in Krankenhäusern behandelt werden. Dem mutmaßlichen Rädelsführer dieser Jagd wird jetzt versuchter Mord vorgeworfen. Seit Mittwoch muss er sich vor der Dritten Großen Jugendstrafkammer des Landgerichts Verden verantworten.

Auslöser der Vorfälle soll am Vortag des 14. Mai eine Lautsprecherbox gewesen sein. Kurdische und afghanische Flüchtlinge waren darüber in Streit geraten. Auch dabei hatte es schon mehrere Verletzte gegeben. Der Angeklagte, sein Alter ist unbekannt, soll aus dem Nordirak kommen. Lautstark soll er angekündigt haben, dass er sich „an den Afghanen rächen, das Lager niederbrennen und das Camp vernichten“ werde. „Er bestellte 15 bis 20 Personen zum Eingang der Flüchtlingsunterkunft“, heißt es in der Anklageschrift. Diese sollten sich bewaffnen, um die Afghanen anzugreifen.

Gegen 18.30 Uhr soll sich die Gruppe versammelt haben, als das Sicherheitspersonal gerade Schichtwechsel hatte. „Der Angeklagte stürmte als Rädelsführer in den Speisesaal und hielt dabei ein langes Messer oder Schwert hoch über seinen Kopf“, so Erste Staatsanwältin Dr. Annette Marquardt. Zugleich habe er die Massen aufgewiegelt, um die Gewalt gezielt gegen die Afghanen zu steuern. „Frauen, Männer und Kinder gerieten in Panik, versuchten zu flüchten. Sie stürzten oder wurden niedergeschlagen.“ Mitarbeiter der Arbeiterwohlfahrt hätten die Notausgänge für die panischen Flüchtlinge geöffnet.

Mit der Bank einer Festzeltgarnitur bewusstlos geschlagen

Bei den Tätlichkeiten soll der Angeklagte einen 27-Jährigen mit der Bank einer Festzeltgarnitur bewusstlos geschlagen und dann auf ihn eingetreten haben. Dann soll er einem 14-Jährigen einen hölzernen Gegenstand an den Kopf geworfen und zusammen mit vier oder fünf Mittätern in Tötungsabsicht auf den Jungen eingetreten und eingeschlagen haben. Der 14-Jährige habe zwei Brüche der Schädelbasis, Hirnblutungen erlitten und sei ins künstliche Koma versetzt worden. Nach Aussage seiner Anwältin hat sich der Junge recht gut erholt.

Einen fliehenden Afghanen soll der Angeklagte bis zur Grebenstraße verfolgt haben. Er habe dem Angreifer entkommen können.

Angaben machte der Angeklagte gestern nur zu seiner Person. Das Gericht interessierte sich dabei auch für die Hintergründe von Fotos auf seinem Handy. Die zeigen ihn in einer PKK-Uniform mit Waffe. Die Fotos seien nur gestellt, behauptete der Angeklagte. Zur Sache wollte er sich nicht äußern.

Ob das ebenfalls von ihm angegebene Alter von 18 Jahren stimmt, will das Gericht prüfen lassen. „Morgen früh werden Sie ins Rechtsmedizinische Institut Hamburg überführt. Dort wird an Hand Ihres Knochenbaus und Gebisses Ihr Alter bestimmt“, erklärte ihm der Vorsitzende Richter Joachim Grebe. „Am nächsten Verhandlungstag dürften wir Klarheit haben.“

Der Prozess soll am 30. November fortgesetzt werden. 13 Verhandlungstage bis zum 24. Januar hat das Gericht zunächst eingeplant. 

wb

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