Jessica Coels wechselt mit Solostück „Immerwahr“ ins ernste Fach

Brilliante „Neuentdeckung“

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Jessica Coels als Clara Immerwahr. 

Verden - Solo für Jessica Coels: Eine perfekte Premiere ist dem „Ensemble Zeitwende“ im Domherrenhaus – Historisches Museum Verden – gelungen, wo das Ein-Personen-Stück „Immerwahr“ von Sabine Friedrich vor voll besetztem Zuschauerraum über die Bühne ging.

Das Kammerspiel zeigt den Lebensweg von Clara Immerwahr, Deutschlands erster promovierter Chemikerin, als den Weg einer Frau, die den Spagat zwischen Wissenschaft, Familie und gesellschaftlicher Erwartung scheinbar mühelos meistert und doch scheitert.

Breslau in den 1880er-Jahren: Clara Immerwahr ist intelligent und wissensdurstig, und wird darin von ihrer Familie unterstützt. Angeregt von ihrem Vater, zeigt sie großes Interesse an chemischen Forschungen und will unbedingt das Abitur machen, was in jenen Jahren für Mädchen nur auf mühseligen Pfaden möglich ist. Doch Clara schafft es und sie ist stolz, als sie als Gasthörerin der physikalischen Chemie zugelassen wird.

Dann lernt sie Fritz Haber kennen, einen ebenfalls begeisterten Chemiker. Fritz macht Clara einen Heiratsantrag, den sie aber ablehnt. Jahre später – Clara hat es vielen Widrigkeiten zum Trotz zur Doktorin der Chemie gebracht – taucht Haber erneut in ihrem Leben auf und umwirbt sie mit großen Visionen: Er möchte das Nährstoffproblem der Landwirtschaft lösen, indem er Ammoniak als Grundlage für künstlichen Dünger erzeugt. Davon lässt sich auch Clara begeistern und sie nimmt seinen zweiten Antrag an.

Nach der Heirat beteiligt Fritz Clara an seinen Forschungen, doch kaum ist der Sohn geboren, lässt diese Bereitschaft nach. Er fordert vielmehr ihren Rückzug und, dass sie seinem Aufstieg nicht im Wege steht.

Clara und Fritz werden sich immer fremder. Schließlich kooperiert Fritz mit dem Militär, was die Pazifistin Clara strikt ablehnt. Doch unermüdlich treibt Fritz seine Forschungen voran, und er ist stolz, als der Giftgasangriff in der Schlacht bei Ypern im April 1915 Erfolg hat. Der Siegesfeier ihres Mannes bleibt Dr. Clara Haber fern. Sie erschießt sich in der Nacht von Habers Triumph mit dessen Dienstwaffe.

Ermuntert durch den Bremer Regisseur Gerd Wittenberg, flankiert von Jan Christoph, Ilse Burfeind und Wittenberg (Musik und Sprecher) und souffliert von Regina Rippe, hat sich Coels in „Immerwahr“ nicht nur ins ernste Fach der Schauspielerei begeben, sondern erstmals auch an ein Solostück gewagt.

Damit hat sie sich als eine brillante „Neuentdeckung“ erwiesen. Denn Coels setzt die verschiedenen Erzähl- und Zeitebenen vortrefflich um. Sie spielt mit Lautstärke und Dynamik und agiert intensiv, was durch fliegende Rollenwechsel noch betont wird.

Das sehenswerte 70-minütige Spiel steht in Verden noch ein weiteres Mal auf dem Plan und wird am Donnerstag, 15. September, um 20 Uhr im Domherrenhaus gezeigt. Eintritt: 15 Euro, Karten im Vorverkauf gibt es bei Druckpartner Coels.  

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