„Wohnen am Stadtwald“ erhält Begegnungsstätte

Verdener Brennpunkt mit 42 Nationen

An dem Brennpunkt am Verdener Stadtwald soll sich etwas tun. Die Politik ist sich offenbar einig, dass vor allem eine Begegnungsstätte für die Menschen fehlt

Häufiger in den Schlagzeilen: Der Niedersachsenring am Stadtwald in Verden. 42 Nationen leben hier.

Die Stadtwaldfarm muss sich öffnen

Kritik an der Ausrichtung der bestehenden Einrichtung kam dennoch ans Tageslicht. „Die Stadtwaldfarm muss sich öffnen, es ist einiges nicht umgesetzt worden, was versprochen war“, formulierte etwa Karin Hanschmann (SPD).

Ein Stadtteil am Stadtwald – das klingt eigentlich nach heiler Welt und guter Luft. Die Wahrheit für die 6 000 Einwohner rund um den Brunnenweg sieht etwas anders aus. „Wir haben uns mit dem Verein Sowas vor Ort getroffen“, berichtete etwa CDU-Fraktionschef Jens Richter, „nicht weniger als 42 Nationen sind hier vertreten. Der Bedarf an einer Begegnungsstätte ist greifbar.“

Unterstützung aus Landesprogramm

Und sie wird tatsächlich relativ rasch kommen. Eine Wohnung soll angemietet werden, eventuell auch ein ehemaliges Ladenlokal, gleichzeitig solle eine Personalstelle mit 30 Wochenstunden geschaffen werden. Verdens Politik musste vor der Zustimmung nicht lange diskutieren, aus gutem Grund. Die Stadt zahlt keinen Pfennig. Aus dem niedersächsischen Programm „Gute Nachbarschaften“ sprudeln 60 000 Euro für einen Zeitraum von drei Jahren, der Eigenanteil der Stadt Verden von maximal 20 Prozent sei bereits über bestehende Personalkosten und die Leitung des Mehrgenerationenhauses gedeckt, heißt es in der Verwaltungsvorlage.

Dennoch keimte leise Kritik an den Verhältnissen im nordöstlichen Stadtteil auf. Während Bürgermeister Lutz Brockmann noch unterstrich, mit dieser Entscheidung werde die sehr wichtige Arbeit am Gemeinwesen unterstützt, klangen die Worte etwa Jürgen Weidemanns (FDP) deutlich zurückhaltender. Ja, die Liberalen würden das Projekt unterstützen, aber die Ursache liege tiefer. „Die Misere begann mit dem Ausfall des Fridolin.“ Ein doppelstockiger Spielbus, dem der Rost schwer zu schaffen machte. Sogar ein Nachfolgemodell war noch beschafft worden, dies aber ebenfalls ein betagtes Modell, das inzwischen aus dem Verkehr gezogen wurde. Die Zustimmung zum neuen Projekt verband Weidemann jetzt mit dem Hinweis, die Förderung für die Begegnungsstätte ende nach drei Jahren. „Dann bleibt wieder alles an der Stadt hängen.“

Auch der Liberale griff das Thema Stadtwaldfarm auf. „Sie war uns ein wenig auch als Ersatz für den Fridolin versprochen worden, aber sie war nie ein Ersatz.“ In Zukunft, so Weidemann, sei „zu evaluieren, welchen Beitrag die Stadtwaldfarm leistet.“ Ähnlich argumentieren die Grünen. „Ein Treffpunkt in einem der bevölkerungsreichsten Stadtteile ist notwendig“, sagte etwa Bärbel Rater. Und: „Bei der Stadtteilfarm müssen wir genauer hinschauen. Ihr Einzugsbereich erstreckt sich über das gesamte Stadtgebiet, und das ist zu überprüfen.“ Auch an den Öffnungszeiten der gemeinnützigen Organisation gab es im Verlauf der Sitzung einziges zu bekritteln. „Am Wochenende ist sie geschlossen. Aber genau zu diesem Zeitpunkt brauchen die Kinder eine Anlaufstelle.“ Wie inzwischen darüber hinaus bekannt wurde, wird die Farm mit 110 000 Euro pro Jahr aus dem Stadtsäckel gefüttert.

Im Begegnungsstätten-Antrag des Stadtteilvereins Sowas spielte die Stadtwaldfarm überhaupt keine Rolle mehr. Am Stadtteil am Stadtwald gebe es keinerlei Einrichtungen und Unterstützungen zur Förderung des Zusammenlebens, schreibt Vorsitzender Roland Bertram: „Ein Zentrum mit Angeboten zur Begegnung der Bürger, insbesondere auch über Nationalitätsgrenzen hinweg, würde das Zusammenleben in jedem Fall bereichern.“ Tatsächlich sorgt das Gebiet immer mal wieder für Schlagzeilen. Zuletzt beklagten Einwohner vor anderthalb Jahren erhöhten Rattenbefall. Ursache sei der Müll, der wüst herumliege. „Wir brauchen jemand, der den Leuten erklärt, wie sie den Unrat zu entsorgen haben.“ Eine Mutter damals: „Ich kann es nicht mehr verantworten, mein Kind auf dem Spielplatz spielen zu lassen.“

Von Heinrich Kracke

Rubriklistenbild: © Kracke

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Verdacht auf Wilderei im Stadtwald

Verdacht auf Wilderei im Stadtwald

Verdacht auf Wilderei im Stadtwald
Pferden droht Zwangsversteigerung

Pferden droht Zwangsversteigerung

Pferden droht Zwangsversteigerung
„Wir wollen frischen Wind reinbringen“

„Wir wollen frischen Wind reinbringen“

„Wir wollen frischen Wind reinbringen“
Heinen setzt auf die Zukunft der Innenstädte

Heinen setzt auf die Zukunft der Innenstädte

Heinen setzt auf die Zukunft der Innenstädte

Kommentare