Bremer Shakespeare Company sorgt für vergnüglichen Theaterabend

Das hätte Will gefallen

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Peter Lüchinger als Shakespeare-Gelehrter Lewis Parish. Diese Rolle füllte er brillant aus.

Verden - Romeo und Julia contra Hamlet, Helena steht auf Demetrius, Puck treibt Schabernack, die Feenkönigin liebt einen Esel und der verwirrte Shakespeare-Experte hat zunehmend Probleme, den Durchblick zu behalten. Herzlich willkommen in der Komödie „Wie es Will gefällt“, die die Bremer Shakespeare Company in ihrer 30. Spielzeit zum 450. Geburtstag von William Shakespeare uraufgeführt hat.

Mit zweijähriger Verspätung ist das Stück von Jessica Swale (Deutsch Patricia Benecke) auch in Verden angekommen. Am Mittwoch wurde es im Rahmen des Theater-Abos aufgeführt. Besser spät als nie, sonst hätten die hiesigen Theaterfreunde ein ebenso informatives wie amüsantes, schräges, schrilles, zuweilen anrührendes und rundum unterhaltsames Stück verpasst.

Der Abend startete mit einer dunklen Bühne und einer Entschuldigung. Das Gastspiel einer berühmten „Romeo und Julia“-Aufführung musste leider abgesagt werden, da die Theatertruppe unter mehr als mysteriösen Umständen auf dem Ärmelkanal gekidnappt wurde.

Als Ersatzprogramm wurde daher der bekannte Gelehrte Lewis Parish angekündigt: Der erschien auf der Bühne, um einen dreistündigen akademischen Erfolgsvortrag über William Shakespeare zu halten. Die Zeit geriet dabei aber vollkommen aus den Fugen.

Plötzlich tauchte allerhand Personal aus elisabethanischer Ära auf: Shakespeares Zeitgenossen und Figuren enterten die Szene, um sich in ein neues Licht zu setzen und um dunkle Hintergründe aufzuklären.

Welches ist eigentlich das erfolgreichste Stück Shakespeares? Hatte der Meister etwas zum Feminismus beizutragen? Was geschieht, wenn der Erzrivale Shakespeares, Christopher Marlowe, die Bühne betritt?

Fortan wurde beleidigt, geschwärmt, verleumdet, gesungen, getanzt, alles eben, „wie es Will gefällt”. Angerührt aus geschichtlichen Fakten und historischen Ereignissen, mit Lyrik und Liedern garniert. William Shakespeare hätte wohl seine wahre Freude an dieser Inszenierung gehabt. Weder Mainstream noch aalglatt, ganz so, wie der Meister es vorgelebt hat.

Regisseur Raz Shaw hat aus der literarischen Vorlage ein Feuerwerk an Einfällen, Gags und skurrilen Situationen gezündet, das einen informativ-vergnüglichen Einblick in die Welt Shakespeares bot. Mit einer wahren Flut an stilistischen Mitteln rasant inszeniert, bringt das Werk dem Publikum Shakespeares Welt erzählend, singend und sogar rappend näher.

Sechs Schauspieler – Petra-Janina Schultz, Erik Roßbander, Ulrike Knospe, Peter Lüchinger, Tobias Dürr, Tim D. Lee – gaben das Personal aus elisabethanischer Zeit. Die Rolle des gestressten Experte, der sich am Ende als Shakespeare entpuppen sollte, füllte Lüchinger in geradezu brillanter Manier aus, während sich die restliche Schauspielerriege bienenfleißig an den unterschiedlichsten Rollen abarbeiten durfte. In Sekundenschnelle verwandelten sie sich von Ophelia, Marlowe, Julia oder Baklava in Puritaner, Burbage oder in den jungen Shakespeare, wobei sie sich je nachdem schmachtend, schmollend, (ka)lauernd, derb und gern auch mal ein bisschen vulgär gebärdeten.

Man spürte förmlich den Spaß, mit dem das Ensemble bei der Sache war. Gegen Ende wurde auch noch eine große Torte auf die Bühne gerollt: ein – wenn auch verspätetes – Geschenk für das Geburtstagskind. Kurzum: Durchgeknallt und völlig verdreht, ganz so „wie es Will gefallen hätte“ – ein Volltreffer!

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