Brecht hätte es gefreut

Eindrucksvolle Inszenierung von „Der gute Mensch von Sezuan“ am Domgymnasium

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Ist es wirklich möglich, ein guter Mensch zu sein?, lautete die Kernfrage des Stückes.

Verden - Keine Belehrungen, sondern ein beeindruckendes, episches Drama, haben Theater-AG und Seminarfach Theater am Verdener Domgymnasium mit der Inszenierung von „Der gute Mensch von Sezuan“ bereits zweimal mit großem Erfolg auf die Bühne gebracht.

Und könnte Autor Bertolt Brecht die Aufführungen unter Gesamtleitung von Vanessa Galli sehen, so wäre sicher auch er begeistert davon. Ganz wie das Publikum, dass die Leistungen von sämtlichen Beteiligten mit viel Applaus gewürdigt hat. Professionalität und Spielfreude der Akteure, optimal begleitet von Livemusik und dem Gesang, machten den langen Theaterabend zum kurzweiligen Vergnügen.

Die Bühne (Vanesa Galli, Uwe Preuß, Fred Patzer, Seminarfach) ist spärlich mit Holzkisten dekoriert. Sie symbolisieren die Armut der Menschen in Sezuan, wo sich jeder nur auf sich selbst besinnt. Und so fällt es den drei Göttern (Anna Zitz, Maybrit Mackensen, Luca Bormann) schwer, auf ihrer Wanderung durch die Welt einen guten Menschen zu finden, der ihnen eine Unterkunft für die Nacht gewährt.

Fündig werden sie schließlich bei der gutgläubigen Prostituierten Shen Te, der sie als Lohn 1 000 Silbertaler schenken. Davon eröffnet sie einen Tabakladen. Doch ihre Absicht, in Zukunft anständig zu leben, stellt sich wegen des Neides ihrer Mitmenschen als nahezu unmöglich heraus. Voller Empathie gibt sie deren Forderungen immer wieder nach. Erst, als ihr bescheidenes Vermögen fast aufgebraucht ist, schlüpft sie in die Maske ihres imaginären Vetters und hartherzigen Geschäftsmannes Shui Ta (Clara Jeggle), dessen ausbeuterische Methoden ihr wirtschaftliches Überleben sichern könnte.

Doch zusehends sieht sich Shen Te dadurch auf eine Zerreißprobe gestellt, ist zwischen Hilfsbereitschaft und eigener Bedürftigkeit hin- und hergerissen. Wie kann sie diesen Konflikt zwischen den eigenen ethischen Grundsätzen und dem nackten Überleben lösen?

Die Darstellung dieses inneren Kampfes gelingt den jungen Schauspielern ebenso glaubwürdig wie eindringlich: Nils Ewert, der unscheinbare Junge, der in der Bäckerei Kuchen stiehlt, um so den ärgsten Hunger zu stillen; Maximilian Kopp als Wasserverkäufer Wang, der keine Skrupel hat, mit einem doppelbödigen Becher zu betrügen; Maximilian Coels als arbeitsloser Yang Sun, der so gerne wieder als Flieger arbeiten möchte, dessen ich-bezogene Moralfloskeln indes bereits am Boden zerschellen; die Hausbesitzerin Mi Tzü (Sarah Zwirner) oder die sechsköpfige Familie (Hendrik Janssen, Annabell Gropp, Gesa von Ahsen, Esther Wahlers, Nils Erwert, Sarah Becker), der Shen Te Unterschlupf gewährt.

„Der gute Mensch von Sezuan“ im Theater am  Domgymnasium

 © Christel Niemann
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Letztlich schwebt über allem die Frage: „Ist es möglich, gut zu sein und doch zu leben?“ Beantwortet wird sie – ganz wie Brecht es schon in den 1940er-Jahren wollte – nicht. Dennoch ist die Situation nicht ausweglos, denn, so Brecht in Anlehnung an Konfuzius, „das Edle ist wie eine Glocke, schlägt man sie, so tönt sie, schlägt man sie nicht, so tönt sie nicht“.

Wer nun neugierig auf die Aufführung geworden ist, bei der auch Siri Schröder (Polizistin), Esther Wahlers (Pfarrer), Inga Müller (Aufseher), Sinja Konduschek (Witwe), Kira Weckmann (Mutter des Fliegers), Simon Schriefer (Schreiner), Yoshi Pohl und Annika Slawik (Teppichhändler) und Sarah Becker (Kellner) auf der Bühne stehen, und bei der von der Kulisse bis zur Musik (Jette Reihe, Benjamin Hohls, Claas Danke, Valentin Karisch, Svea Gerkens, Jan Kracht, Kay Reinhardt) alles stimmt, hat dazu morgen, Dienstag, noch einmal Gelegenheit. Beginn ist um 19 Uhr in der Dog-Aula, Einlass ist ab 18.30 Uhr.

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