Schöne Aussicht im Finanzamt Verden

Bon-Pflicht: Steuerfahnder entpuppen sich als echte Fans der Neuregelung

Eine umständliche Regelung, die Kosten und Berge von Papiermüll produziert. Das sind die weitverbreiteten Kritikpunkte an der Bon-Pflicht, die seit Jahresbeginn gilt. Im Verdener Finanzamt sitzen aber auch echte Fans der Neuregelung. Erfahrungen aus unzähligen Betriebsprüfungen haben sie überzeugt.

  • Bon-Pflicht soll Steuerbetrug in Deutschland bekämpfen
  • Bäckereien wehren sich besonders gegen Bon-Pflicht
  • Steuersünder sollen mit Bon-Pflicht enttarnt werden

Verden – Einer dieser jetzt so viel diskutierten Bons hatte die Fahnder auf die Spur eines Steuerbetrugs in Millionenhöhe geführt. Am Landgericht Osnabrück war der Prozess im Herbst mit viel Aufsehen verhandelt worden. 

„Der Bon, den ein Testeinkäufer in einem chinesischen Restaurant erhalten hatte, fand sich in der Buchführung des Betriebs nicht wieder“, berichtet Stefan Moritz, der für das Verdener Finanzamt Betriebsprüfungen durchführt. So seien Kollegen dahinter gekommen, dass Restaurantbetreiber die Kassen manipulierten und mithilfe einer Software Buchungen nach Belieben spurlos entfernen konnten.

Bon-Pflicht kann Steuerbetrug in Millionenhöhe bekämpfen

In sechs Jahren seien auf diese Weise allein in acht Betrieben sechs Millionen Euro an Ertrags- und Umsatzsteuern hinterzogen worden. „Und für die Betriebsprüfer hatte es keine Anhaltspunkte gegeben“, macht Umsatzsteuerfachmann Axel Dudde deutlich. Mit der Kontrolle der Buchführung wäre keiner seiner Kollegen fündig geworden.

Die Osnabrücker Kammer hatte den Schaden hochgerechnet, den die Kassen und die Software des Gelsenkirchener Vertriebsunternehmens mit ihren Kunden in den Restaurants verursacht haben: Denkbar sei eine Milliarde Euro.

„Der Bundesrechnungshof geht davon aus, dass durch Kassenmanipulationen bundesweit bis zu zehn Milliarden Euro Steuern hinterzogen werden“, sagt Amtsvorsteher Frank Hofmann im Gespräch mit unserer Zeitung. Deshalb habe die Institution seit Jahren die Verbesserung des Kassenrechts gefordert.

Bon-Pflicht nur der erste Schritt gegen Manipulationen

Mit der Belegausgabepflicht, die seit Jahresbeginn gilt, habe der Gesetzgeber das in Angriff genommen. Das sei allerdings nur der erste Schritt, erklärt Hofmann. Ab Oktober müssten alle Registrierkassen zudem über zertifizierte technische Sicherheitseinrichtungen verfügen, die dafür sorgen sollen, dass künftig keine rückstandslosen Manipulationen vorgenommen werden können.

Der Bon erhalte so eine Schlüsselrolle. Mit dem Ausdruck als Beleg sei nachweisbar, dass es keine Manipulation gebe. Lars Christmann, der in der Behörde für gewerbliche Betriebsprüfungen zuständig ist, kennt noch andere Manipulationsmethoden: „Da gibt es eine zweite Kasse für manche Buchungen oder, dass der Betrag ohne Buchung im Geldbeutel landet. Ohne Bon ist der Nachweis später kaum möglich.“

Bon-Pflicht stößt bei Bäckereien auf viel Widerstand

„Die Belege werden eigentlich in allen Bargeldgeschäften seit Langem ausgedruckt“, weiß Christmann selbst aus eigener Erfahrung. Nur bei den Bäckereien sei das bislang nicht so üblich gewesen. Er hatte zwar Verständnis für den Unmut wegen der Umstellung. Aber von einem Papierberg könne keine Rede sein. 

Der Fachverband für Kassen- und Abrechnungssystemtechnik (DFKA) hatte im Dezember nachgerechnet. Danach sei tatsächlich bundesweit mit sechs Milliarden zusätzlichen Bons zu rechnen. Allerdings werde sich der Pro-Kopf-Papierverbrauch in der Republik, der im Jahr immerhin 250 Kilogramm beträgt, um gerade mal 50 Gramm erhöhen. Und die Kosten für das Papier seien als Betriebsausgabe absetzbar, sagt Christmann.

Steuerbetrug: Sünder sollen durch Bon-Pflicht auffliegen

„Es geht um Gerechtigkeit“, fasst Frank Hofmann zusammen. Die neuen Regelungen sollten nicht als Generalverdacht etwa gegen die Bäckereibetriebe verstanden werden. Er habe seit 23 Jahren Erfahrungen mit Betriebsprüfungen und meine, dass es darum gehen müsse, zu verhindern, dass Sünder Vorteile gegenüber Konkurrenten haben: „Wir wollen, dass die ehrlichen nicht benachteiligt werden.“

Rubriklistenbild: © Klee

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