Gewusel in der privaten Wildtierpflegestelle Verden / Hohe Futter- und Tierarztkosten

Bock Carlos zeigt sich trinkfest

Eine Handvoll Hase: Linz kümmert sich aufopferungsvoll.
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Eine Handvoll Hase: Linz kümmert sich aufopferungsvoll.

Verden – Hochbetrieb herrscht in der privaten Wildtierpflegestelle Verden. Knapp 150 Tiere wurden dort in diesem Jahr bereits aufgenommen. Wenn die Kranken genesen und die Babys groß genug sind, werden sie wieder ausgewildert. Dafür machen Julia Linz und ihr Mann Heiko alles, was ihnen möglich ist. Doch so groß die Mühe und die Liebe für die Tiere ist, nicht jeder Schützling schafft es.

Ein Kitz wurde von einem Autofahrer von der Autobahn gerettet. „Sie hatte noch die Nabelschnur, als sie ankam“, schildert die Verdenerin. Retten konnte sie das Tier nicht. So wie sechs weitere Kitze in diesem Jahr. Drei werden von ihr derzeit großgezogen. Darunter Rehgina, die ihr aus Bruchausen-Vilsen gebracht wurde. „Sie lag in einem Graben fest und wäre fast ertrunken“, weiß sie aus den Schilderungen der Finder.

Die Verdenerin kümmert sich aufopferungsvoll um all die hilflosen Kreaturen. Ehrenamtlich und trotz Gründung eines gemeinnützigen Vereins im vergangenen Jahr, noch immer überwiegend auf eigene Kosten. Alleine die Ausgaben im Mai beziffert sie mit rund 1 200 Euro, wobei insbesondere Futter- und Tierarztkosten ins Gewicht fallen.

Investiert hatten sie über den Winter in die Vergrößerung der Quarantänestation im Keller ihres Hauses. Aufwendig, aber sinnvoll, denn so wurde der nun notwendige Platz geschaffen. Was der Tierschützerin sehr die Arbeit erleichtert, sind die zwei neuen Inkubatoren, gespendet von der Umweltlotterie Bingo-Lotto.

Alle zweieinhalb Stunden füttert sie ihre jüngsten Schützlinge. Erst die kleinen Mader, dann die Kitze. Während sich Bock Carlos an der Flasche „super trinkfest“ zeigt, wollte Rehgina die Ersatzmilch zunächst gar nicht. Da dauert das Füttern entsprechend länger. Aber inzwischen hat auch sie einen ordentlich Zug am Leib.

Danach wird die Spritze mit Milch für drei verunfallte Eichhörnchen und Hasen aufgezogen. Fleisch gibt es für einen Waldkauz und eine Waldohreule und zwei verwaiste Füchse, die sie am vergangenen Wochenende an eine Kollegin mit einem passenden Gehege abgeben konnte.

Käfige säubern, Futter vorbereiten, dazwischen noch mehre Waschgänge Handtücher und Decken. Eigentlich mehr als genug Arbeit, doch Julia Linz bietet zudem kostenlose Beratung. Derzeit aber nur von 13 bis 18 Uhr. Die Versorgung der Tiere in der Station geht vor. „Wer einen Notfall hat, soll aufs Band sprechen. Wir rufen dann zurück“, sagt sie. Anders geht es derzeit nicht. Sie könne auch keine Tiere holen.

„Wir machen das alles gerne und versuchen allen zu helfen“, sagt Julia Linz. Nur immer wieder erlebe sie es, dass Tiere erst Tage nach dem Auffinden gebracht werden. Der Bauch fast geplatzt, von all dem, was gut gemeint, aber mit fatalen Folgen gefüttert wurde. Oder Vogelküken, denen die Lunge bis oben voll mit Wasser steht, weil es einfach in den geöffneten Schnabel gefüllt wurde. Rettung ist dann vielfach gar nicht mehr möglich.

Erreichbar

ist die Pflegestelle über Telefon 0152/54282312. Wer finanziell helfen möchte, kann dies mit einer Spende auf das Vereinskonto Kontonummer DE 24 2915 2670 0020 5350 68 bei der Kreissparkasse Verden.

Von Wiebke Bruns

Drei Kitze zieht Juila Linz derzeit groß. Fotos: Bruns
Die Fuchswaisen sind mittlerweile bei einer Kollegin untergebracht.
Über Fleischbrocken freuen sich ein Waldkauz und eine Waldohreule.

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