„Unsere Patienten“: Reinhard Lehmanns Erlebnisse im Kongo / Folge 5

Blutarmut wegen Malaria

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Für „Ärzte ohne Grenzen“ betreute Reinhard Lehmann neben der Arbeit im Krankenhaus auch die örtlichen Gesundheitsstationen im Kongo. 

Verden - „Um im Krankenhaus aufgenommen zu werden, mussten die Patienten zunächst eine der 14. Gesundheitsstationen im Umkreis aufsuchen. Nur wenn die Erkrankung wegen ihrer Schwere nicht ambulant behandelt werden konnte, bekamen die Patienten eine Einweisung in die Klinik“, erinnert sich der Verdener Arzt Reinhard Lehmann im Kongo. Für die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ hatte er sich in der Betreuung der Menschen in dem afrikanischen Land engagiert. In der Verdener Aller-Zeitung berichtet er von seinen Erlebnissen.

„In der Gesundheitstation wurde gleich bei der Aufnahme ein Behandlungsplan erstellt und die nötigen Untersuchungen im unserem Labor vorgenommen“, berichtet Lehmann. Er gibt ein Beispiel: „Eines der alltäglichen Hauptprobleme war schwere Blutarmut, eine häufige Begleiterscheinung von Malaria. So wurden in unserem Krankenhaus pro Tag durchschnittlich 15 Bluttransfusionen verabreicht, Blutspender waren meistens Schüler aus den umliegenden Schulen.

Ein weiterer Schwerpunkt unserer Tätigkeit war die Vermeidung von Mütter- und Kindersterblichkeit unter der Geburt: Das frühzeitige Erkennen und Behandeln von Komplikationen wurde regelmäßig trainiert, Tag und Nacht war ein OP-Team in Bereitschaft für die Notfallversorgung. Dies galt auch für sonstige chirurgische Notfälle: Blinddarm, Unfälle (Sturz mit dem Motorrad, Sturz vom überladenen LKW), Schussverletzungen und Verletzungen durch wilde Tiere. Letzteres kam eher selten vor, je ein Biss von einem Nilpferd, einem Krokodil und einer Schlange. Schussverletzungen waren da schon häufiger, meist unschuldige Raubopfer, nicht selten auch Kinder und Frauen.

Häufig kamen Patienten in sehr schlechtem Zustand

Krankentransport auf kongolesisch. - Foto: R. Lehmann

Wenn unsere Patienten rechtzeitig kamen, waren die Aussichten auf Genesung recht gut, häufig kamen sie jedoch schon in einem sehr schlechten Zustand, sodass wir mitunter ihr Leben nicht mehr retten konnten und sie in den ersten zwei Tagen im Krankenhaus verstarben. So war es Alltag, dass von den 50 bis 70 Patienten, die täglich bei uns aufgenommen wurden, durchschnittlich ein bis zwei Patienten gestorben sind. Aber ohne den Einsatz von Ärzte ohne Grenzen hätten sehr viel weniger Kranke eine Chance auf Genesung in DRC.

Außerdem waren unsere Möglichkeiten begrenzt: Krebserkrankungen, komplizierte Missbildungen und chronische Krankheiten wie Nierenversagen können praktisch nicht behandelt werden, zunächst muss man die begrenzten Mittel den Menschen zukommen lassen, die eine Aussicht auf Heilung haben. So manches Mal musste ich Patienten und Angehörigen die bittere Wahrheit vermitteln: In diesem Land wird dich kein Arzt gesund machen können.

Transport ins Krankenhaus mit dem Motorradtaxi

Dem Ziel, möglichst viele Kranke zu erreichen, diente auch das Netz von Gesundheitsstationen im Umkreis von Baraka: Unser Krankenpfleger John besuchte diese regelmäßig und unterstützte die lokalen Schwestern und Pfleger mit Medikamenten, Material und Gehalt. Zudem bezahlte Ärzte ohne Grenzen den Transport ins Krankenhaus mit dem Motorradtaxi.

„Ärzte ohne Grenzen“ genießt in der Region einen hervorragenden Ruf, auch ich wurde herzlichst aufgenommen sowohl im Krankenhaus als auch in der Stadt: Schon auf dem kurzen Fußweg zum Krankenhaus grüßten mich zahllose fröhliche „Jambo“ und „Habari“, auch mit den lokalen Kollegen verbindet mich eine herzliche Freundschaft.

Immer wieder die Frage: Wie geht es Frau und Kindern, wie ist das Wetter bei Euch, welches ist dein Fußball-Team. Auch wurden wir mehrfach nach Hause eingeladen und Freunden und Verwandten vorgestellt, und abends haben wir dann den einen oder anderen Drink gemeinsam genossen.“

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