Grabung an der Oberen Straße fördert unerwartete Fundstücke zutage

Ein Blick in Verdens Mittelalter

Ein Brunnen aus Verdens Vergangenheit ist fast schon freigelegt. Fotos: Klee

Verden - Von Ronald Klee. „Überall, wo man hier die Erde aufmacht, könnte man etwas finden“, sagte Kreisarchäologin Dr. Jutta Precht. So hätte Bauherr Uli Schmitz auch damit rechnen können, dass er auf dem Grundstück an der Oberen Straße auf Reste aus Verdens tausendjähriger Stadtgeschichte stoßen könnte. „Erwartet haben wir hier nichts“, sagte Jutta Precht. Umso spannender ist für sie, dass sie sich jetzt mit Schaufel, Handkelle und Zahnbürste irgendwo zwischen Mittelalter und früher Neuzeit bewegt.

Die Kreisarchäologin zeigte sich beim Rundgang auf der Grabung begeistert. „Das ist eine unerwartete Fundstelle“, erklärte sie. Hier in der Innenstadt gebe es nicht viele davon, weil nun einmal alles bebaut sei. Am Anita-Augspurg-Platz und an der Unteren Straße wusste sie noch Stellen.

Hier habe sich die Chance ergeben, als das Fachwerkgebäude aus dem frühen 19. Jahrhundert, das dort seit Jahren ungenutzt stand, den Bauplänen von Uli Schmitz weichen musste. Architekt Robert Szalay hat für den Hörgeräte-Akustiker ein Haus mit Wohnungen und Geschäftsräumen, vor allem für die Verwaltung seiner Firma, auf dem Grundstück entworfen.

Die Grabung jetzt greift in seine Zeitplanung ein. „Es sollte bis Ende des Jahres fertig werden“, berichtete der Architekt. Aber nicht nur das wird die Finanzplanung des Unternehmers durcheinander bringen. Als Bauherr müsse er auch für die Grabungsarbeiten gerade stehen, erklärte Schmitz gefasst.

Ganz so genau wissen Jutta Precht und Grabungsleiterin Stephanie Böker noch nicht, was sie da ein paar Meter unter dem heutigen Niveau gefunden haben. Scherben eines Kugeltopfes und Teile anderer Gefäße hat Böker erkannt. Ein prägnant in Wellen geformter Boden aus gebranntem Ton etwa. „Das ist importierte Massenware, die in Siegburg gefertigt wurde“, weiß sie.

Auch einen Brunnenschacht, der aus Ziegeln aufgemauert wurde. „Aber es sind keine Formziegel“, erklärte sie die Bauweise. Alles sei aus dem 15. Jahrhundert oder älter, sind sich die beiden Fachfrauen bei ihrem ersten Befund einig. Genauer werde es sich später herausstellen, wenn die Funde gereinigt, fotografiert, gezeichnet und katalogisiert sind.

Das alles werde zu dem Haus gehört haben, das hier einst gestanden hat. Auch davon haben die Fachleute der Grabungsfirma ArchaeNord Reste gefunden, hauptsächlich Verfärbungen im Sand, die von Holzständern übrig geblieben sind.

„Das Haus dürfte zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert hier gestanden haben“, versuchte Precht eine Einordnung. Es muss groß gewesen sein, denn die Grabung deute bislang darauf hin, dass das Gebäude noch ins Nachbargrundstück hineingeragt habe. So weit wird die Grabung aber nicht fortgesetzt werden können, weil da noch ein Haus steht. Aber auch für Schmitz’ Pläne ist das gesamte Kellerloch noch nicht ausgehoben. „Da könnte noch einiges zu finden sein“, vermutete Stephanie Böker.

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