Aller Bühne feiert mit „Letzter Wille“ gelungene Premiere

Bitterböser Leichenschmaus

Die ewig nörgelnde Olga Wolz (Jessica Coels). - Foto: Niemann

Verden - Dieser Leichenschmaus vertreibt jede Spur von Trauer: Völlig zu Recht feierte das Premierenpublikum im Landhotel Zur Linde in Verden-Hutbergen die rundum gelungene Inszenierung des Theaterstücks „Letzter Wille“ durch die Aller Bühne mit begeistertem Applaus.

Der Leichenschmaus in fünf Akten mundet schließlich perfekt und punktet durch die ausgezeichnete Textvorlage von Fitzgerald Kusz und mit bestens aufgelegten Schauspielern, die mit ihrem temporeichen Spiel enorme Wirkung entfalten. Hinzu gesellt sich ein rundum stimmiges Regiekonzept, das zu jeder Zeit die Balance zwischen Spaß und Ernst, zwischen Komödie und bitterböser Satire hält, sowie die in jeder Hinsicht glänzende Besetzung der acht Rollen, jede einzelne ein ganz spezieller Charakter.

Worum geht es? Tante Martha hat das Zeitliche gesegnet. Angeführt von Hausmeister Erich Rau (ebenso durchtrieben wie devot: Nils Thönnessen), betritt mit der Trauergemeinde die „gute Stube“ der Verstorbenen. Nach einer kurzen „Schweigeminute“ wird dann sehr schnell offensichtlich, dass die Trauer der Verwandtschaft nur geheuchelt ist.

Im Grunde genommen ist die Bagage nur scharf auf das Erbe: der spießig-geschäftstüchtige Blumenhändler Kurt Wolz (Hans-Jürgen Schulz) samt frustrierter und dem Alkohol zugeneigter Ehefrau Siggi (Daniela Graw), der gerissene und skrupellose Versicherungsvertreter Heinz Pöhlmann (Jörg Outzen), seine bieder-naive Frau Karin (Hiltrud Stampa-Wrigge) und die ewig nörgelnde Olga Wolz (Paraderolle für Jessica Coels), Marthas Schwester und ihre Tochter Ursel (Tiane Fröhlich), die die Mutter drangsaliert. Einig ist sich die ganze Sippe bei aller bis zu Prügelattacken reichenden Rivalität, darin, dass sie die Erbansprüche von Klaus (Max Möller), Saxofonist und Witwer der ursprünglich erbberechtigten Nichte, nicht akzeptieren will.

Entlang der literarischen Vorlage entfalten die Regisseure Uwe Pekau und Hiltrud Stampa-Wrigge eine blitzschnelle Milieu-Studie, die ganz im Sinne des Autors von der Scheinheiligkeit und Doppelmoral der Menschen erzählt. Über die kleinkarierten, spießigen Verwicklungen und egoistischen Aktionen der „Hinterbliebenen“ kann man sich jedenfalls kaputtlachen in dieser schrägen Farce, die zugleich aber auch eine Tragödie ist. Denn wie im wahren Leben verheddern sich die Hinterbliebenen rasch in eigenen Begierden und entlarven ihre wahren Charaktere.

Der Leichenschmaus in fünf Akten von Fitzgerald Kusz zeigt, dass man mit dem Tod Spaß haben kann. Zumal, wenn Jessica Coels die mit allen Wassern gewaschene Erbin wie aus dem Bilderbuch gibt, mit Jörg Outzen in der Rolle des Neffen Heinz Pöhlmann als Gegenspieler auf Augenhöhe.

Insgesamt ist es dem ganzen Ensemble gelungen, die Balance zwischen Komödie und Ernsthaftigkeit zu finden und die pointenreichen Dialoge nicht mit Klamauk zu überfrachten, sodass die Tragik der Geschehnisse erfahrbar bleibt. Ein Highlight in der langjährigen Erfolgskette der Aller Bühne. Bis einschließlich Sonntag, 3. April, wird das Stück insgesamt zehnmal aufgeführt. - nie

Termine und Infos unter

www. Allerbuehne.de.

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