Marktmeister Rüdiger Nodorps „Meterlauf“ entlang des Domweih-Aufbaus

Ein bisschen wie Basar

Marktmeister Rüdiger Nordorp ist trotz Wolken-Wetter und Zentimeter-Stress gut gelaunt bei der Sache. Mit roter Kreide markiert er die Platzgrenzen für die Schausteller. - Fotos: Schumacher

Verden - Das Maßband schlängelt sich über den Johanniswall, immer genau im Blick von Meter- und Marktmeister Rüdiger Nodorp – die Platzverteilung der Buden und Karussells auf der Domweih steht an.

Der Johanniswall hat sich in einen kleinen Abenteuerspielplatz beziehungsweise in ein Labyrinth aus Lkws, Wohnwagen und schwebenden Achterbahn-Schienen verwandelt. Fast alle Schausteller haben ihren Platz gefunden, darunter Stammgäste wie der Autoscooter „Bee Bop“ der Firma Ahrend-Robrahn sowie Harry Hanslas Geisterbahn „Scary House“.

Mitten im wilden Aufbau-Durcheinander steht Rüdiger Nodorp mit seinen Kollegen aus dem Rathaus am Mittwochmorgen. Während zwei Mitarbeiter das Maßband immer wieder milimetergenau auf dem Boden platzieren, schaut Nodorp genau hin, ob die Schausteller auch ihre angemeldete Fläche einhalten. Dabei kann jeder Zentimeter, der zu viel oder zu wenig ist, den kompletten Plan des Aufbaus wieder durcheinander bringen.

Mit roter Kreide markiert der Marktmeister die Begrenzungen für die einzelnen Schausteller. Die stehen derweil teilweise mit dem gesamten Team daneben und beobachten das Procedere mit Argusaugen. Erst wenn die rote Farbe auf dem Straßenpflaster bis zum nächsten Regen „verewigt“ ist, können die Budenbetreiber mit der Feinjustierung ihrer Stände beginnen. Das passiert mit ganz viel Geschick: Riesige Kräne und Lkws müssen durch die engen Gassen rangiert werden, Buden werden mehrmals verschoben – und das alles muss innerhalb der Begrenzung irgendwie passen. Wie ein Puzzle, das scheinbar nur erfahrene Schausteller lösen können.

„Ich bräuchte da noch ‘nen Meter“, ruft jemand über die Straße. Der „Platzkampf“ ist ein bisschen wie auf dem Basar. Aber Maßband-Meister Nodorp ist nicht zum Feilschen gekommen. Jeder Schausteller bekommt nur so viel Fläche, wie unbedingt notwendig. Doch gravierende Platzprobleme gibt es nicht, der „Meterlauf“ geht fast im Sprinttempo voran: Das Maßband wird angelegt und die rote Kreide gezückt. Alles steht da, wo es hingehört.

Der Teufel steht noch nicht an richtiger Stelle, bewacht seine Geisterbahn „Scary House“ aber schon mit scharfem Blick.

Trotzdem ist es erstaunlich, wie die Schausteller in dem Buden-Chaos überhaupt den Überblick behalten und sich nicht mit Sack und Pack in die Quere kommen. Vielleicht sei es ja generell einfacher, wenn alle Schausteller nacheinander aufbauen und ihren Segen von Nodorp bekommen, wirft ein Buden-Betreiber in die Runde. Doch dann müssen die Aufbauarbeiten wohl schon Monate vorher beginnen.

Der Johanniswall ist der Länge nach fast bestritten, da hat Claus Dannehl von „Dannehl’s Mandelbrennerei“ doch noch einen Einwand: „Wir haben einen Meter zu wenig.“ Ist dem Marktmeister auf den sprichwörtlich letzten Metern nun doch noch ein Fehler unterlaufen? Rüdiger Nordorp geht zurück, schwingt das Maßband und prüft nochmal genau nach. Und tatsächlich – der Mandelbrennerei wurde ein Meter verwehrt. Schuld hat das Maßband. Nodorp lächelt und sagt: „Tja, das ist ein bisschen in die Jahre gekommen und schon ziemlich ausgeblichen“.

Claus Dannehl scherzt: „Die Stadt Verden braucht mal ein neues Maßband!“ Doch am Ende sind alle zufrieden. Mit dem Okay des Marktmeisters können nun mit gutem Gewissen Lämpchen und Geisterbahn-Figuren geputzt werden. mas

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