Eine Frage - sieben Antworten

Gedanken zur Wahl: „Das Bildungssystem in Deutschland...“

Landkreis - Zweimal in der Woche haben die Bundestagskandidaten des Wahlkreises Verden-Osterholz Gelegenheit, ihre Gedanken zu einem vorgegebenen Thema zu äußern. Dieses Mal sollten sie den folgenden Satz vollenden: „Das Bildungssystem in Deutschland...“:

„..ist nicht so schlecht wie es häufig dargestellt wird. Gerade unsere Lehrer leisten eine ausgesprochen positive Arbeit, die sich in den Leistungen vieler Schüler widerspiegelt. Seit 2005 wurde der Haushalt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung um 130 Prozent gesteigert. Da aber Bildung in Deutschland Ländersache ist und diese unterschiedliche Ansätze von Gesamtschulen bis gegliederten Konzepten verfolgen, entstehen Ungleichheiten. 

Andreas Mattfeldt, CDU

Damit unsere Schulen auch in Zukunft attraktiv und wettbewerbsfähig bleiben, müssen Bund und Länder künftig enger zusammenarbeiten und verbindliche Bildungsstandards schaffen, die in allen 16 Bundesländern umgesetzt werden. Ich plädiere sehr dafür, hier erfolgreiche Modelle von führenden Ländern wie Bayern oder Sachsen als Vorbild zu nehmen. Im Hochschulbereich müssen wir ebenfalls zukunftsorientiert denken. Durch Globalisierung und Digitalisierung steigt der Bedarf an hoch qualifizierten, gut ausgebildeten jungen Menschen. Deshalb habe ich eine Initiative zur Gründung einer Berufsakademie in Verden angestoßen, um kluge Köpfe hier in unserer Region zu halten.“

Andreas Mattfeldt, CDU


„...braucht mehr Unterstützung: Für guten Unterricht und zeitgemäße Ausstattung, für Inklusion, Integration und Schulsozialarbeit, für moderne Gebäude und Sporthallen. 

Christina Jantz-Herrmann, SPD

Deshalb wollen wir das Kooperationsverbot abschaffen, damit der Bund stärker in die Schulgebäude investieren darf und Lern- und Lehrbedingungen gefördert werden können – das ist bisher rechtlich nicht möglich. Noch immer hängen Bildungschancen von der sozialen Herkunft ab. Deshalb setze ich mich für kostenfreie Bildung ein – von der Kita bis zum Studium oder Meister. Ein Recht auf Ganztagsbetreuung an Grundschulen ist unser Ziel. Wir wollen zudem die Schulen fit für die digitale Entwicklung machen. Unsere Berufsschulen sollen weiterhin die Zukunftswerkstätten sein, in denen an den neusten Maschinen mit modernster Technik gelernt wird.“

Christina Jantz-Herrmann, SPD


„Jedem Kind ist der gleiche Zugang zu guter Bildung zu ermöglichen, unabhängig von der Herkunft oder dem Einkommen der Eltern. Über den Lebensweg sollen Talent und Fleiß entscheiden.

Ich fordere eine verlässliche Grundschule von Anfang an, damit Eltern die Möglichkeit haben, ihren beruflichen Zielen nachgehen zu können.

Ich möchte eine Inklusion, die nicht nur gefordert, sondern auch tatsächlich im Schulalltag umgesetzt wird, indem für diese Umsetzung ausreichendes und fachlich kompetentes Personal eingesetzt wird.

Monika Geils, Bündnis 90/Die Grünen

Ich setze mich dafür ein, dass jedes Schulkind ein ordentliches Mittagessen erhält, viel Wert ist dabei auf gesundes Essen zu legen.

Wir brauchen gut ausgestattete Schulen sowie eine bessere Besetzung mit Lehrkräften. Die Unterrichtsausfälle sind nicht weiter hinzunehmen. Es muss in die bauliche Substanz der Schulgebäude investiert werden.

Unser Ziel muss sein, sieben Prozent der Wirtschaftsleistung in die allgemeine Bildung zu investieren. Aber Bildung bedeutet nicht nur Schule, sondern lebenslanges Lernen. Dies ist wichtig um unsere wirtschaftliche Grundlage zu erhalten und den Menschen Perspektiven zu geben. Gerade in Bezug auf die Digitalisierung muss einer lebenslangen Bildungsmöglichkeit noch mehr Bedeutung beigemessen werden. Dies ist mit einem breiten Angebot an betrieblicher und außerbetrieblicher Weiter-/ Bildung zu gewährleisten. Darüber hinaus sind auch die Volkshochschulen zu unterstützen und zu fördern.“

Monika Geils, Bündnis 90/Die Grünen


„…sollte Kinder auf das Leben vorbereiten, aber häufig genug sind Schulabgänger nicht in der Lage, einfachste Kopfrechenaufgaben zu lösen oder einen Brief fehlerfrei zu formulieren. 

Gero Hocker, FDP

Weil Kinder verschieden sind, kann nur ein differenziertes Schulsystem die individuellen Fähigkeiten, Neigungen und Begabungen wirklich gut fördern. Stattdessen stehen die Förderschulen vor dem Aus und werden in immer mehr Gesamtschulen immer einfachere Wege bis zum Abitur ermöglicht.  Die Folge: häufig sind Schulabschlüsse nicht mehr das Papier wert, auf dem sie stehen. Kinder müssen individuell gefördert werden. Hierfür braucht man ein mehrgliedriges Schulsystem. Pädagogische Projekte wie „Schreiben wie man spricht“ und die Abschaffung von Noten halte ich für grundweg falsch. Gerade in der Grundschule haben Kinder den Wunsch – und den Anspruch – auf die Bewertung ihrer Leistung.“

Gero Hocker, FDP


„...ist untauglich, Kindern mit ganz verschiedenen Voraussetzungen eine erstklassige Bildung zu vermitteln. Bildung ist ein Menschenrecht. 16 unterschiedliche Schulsysteme der Bundesländer stehen dem ebenso entgegen, wie das gegliederte Schulsystem. 

Herbert Behrens, Die Linke

Bildung muss für die Eltern wirklich kostenfreie Bildung bedeuten von der Kindertagesstätte bis zur Universität. Wir wollen eine wohnortnahe Gemeinschaftsschule als inklusive Schule für alle Kinder von der ersten bis zur zehnten Klasse.

Wir wollen starke öffentliche Bildungseinrichtungen mit mehr qualifiziertem Personal, die den Anspruch und die Fähigkeit haben, alle Schüler bestmöglich zu fördern. Die stigmatisierenden Bildungsgutscheine und ausufernde private Nachhilfe wollen wir überflüssig machen. In Deutschland verlassen 47 000 junge Leute die Schule ohne Abschluss.

Jedes Jahr!!! Der Bund muss mehr Verantwortung übernehmen. Bildungs-Kleinstaaterei muss ein Ende haben.“

Herbert Behrens, Die Linke


„..leidet stark unter fehlender Pflege seitens der Politik. Statt einer verlässlichen parteienübergreifenden Strategie haben wir in den letzten Jahren miterlebt, wie Regierungen sich in unvorbereiteten Inklusionsbestrebungen, einer unübersichtlichen Koexistenz verschiedener Schulformen und einem Hin und Her des gymnasialen Abiturs verloren haben. Anstatt sich im sensiblen System der Bildung unüberlegt profilieren zu wollen, muss diesem System auch immer die nötige Zeit zur Weiterentwicklung gegeben werden. 

Jochen Rohrberg, AfD

Eigenverantwortliche Schulen und Lehrer brauchen neben ausreichend finanziellen Mitteln langfristige Verlässlichkeit für eine gute Arbeit. Wenn wir die inklusive Schule erfolgreich machen wollen, helfen hier weder Kürzungen der Stundenetats, noch die Abgabe von Länderbefugnissen an den Bund.!“

Jochen Rohrberg, AfD


„... erhält nach Stand meines Wissens zu wenig Geld, benachteiligt freie Schulen und ermöglicht es nicht, dass ein Kind aus sozial schlechter gestellten Verhältnissen die gleichen Chancen hat, wie ein Kind aus einem einkommensstarken Elternhaus. 

Außerdem führt die Geringschätzung des Hauptschulabschlusses und der handwerklichen oder praktisch tätigen Berufe seit Jahrzehnten zu einem Ungleichgewicht zugunsten der Hochschullaufbahn und zu einem akuten Fachkräftemangel. Letzterer ist zum Beispiel auch der schlechten Bezahlung und erschwerten Arbeitsbedingungen in Erziehung und Pflege geschuldet. Zu Unrecht achtet unsere Gesellschaft diese Berufe und Schulabschlüsse geringer. 

Ich bin für ein vom Bund finanziertes Schulsystem, das der einzelnen Schule viele Freiheiten lässt und Initiative ermöglicht. Außerdem wäre ich persönlich dafür, die Schüler nicht nach den ersten vier Schuljahren auf die verschiedenen Schulformen festzulegen, sondern länger in der Klassengemeinschaft zu belassen, sie stärkeren Einblick in das Berufsleben nehmen zu lassen, individueller lernen und praktischer tätig sein zu lassen. Ich persönlich sehe besonders den Medienzugang in der Kindheit, aber auch das Ausmaß und den Stellenwert des Medienkonsums im Jugendalter sehr kritisch. 

Auch das so eng gefasste Zeitfenster des vorgezogenen Pflicht-Einschulungsalters halte ich, besonders für Jungen, nicht für förderlich. Ich persönlich befürworte auch, dass die Eltern die finanzielle Unterstützung erhalten sollten, die es einem Elternteil ermöglicht, bis zum fünften Lebensjahr eines Kindes zu hause bleiben zu können (siehe Steve Biddulph). 

Dass so viele Kinder ungern zur Schule gehen, sollte uns zu dazu beflügeln, neue Wege zu wagen. Auch die Hörsäle sind teilweise noch zu voll und Forschungsergebnisse der Universitäten lassen oft auf die Geldgeber schließen.

Susanne Hirsch-Sternberg

Rubriklistenbild: © dpa

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