Bundeshilfen unverzichtbar

Dehoga-Chef Glander: Biergärten retten im Kreis Verden die Saison

„Die Biergärten retten die Gastronomie über den Sommer.“ Dehoga-Vorsitzender Gördt Glander im Landkreis Verden wird aber angst und bange, wenn er an Herbst und Winter denkt. In der Branche würden bereits seit Jahren viele Betriebe ums Überleben kämpfen und Corona werde für noch mehr das Aus bedeuten.

Ein Hoffnungsschimmer glimmt mit der Corona-Überbrückungshilfe des Bundes auf, deren Antragsfrist gerade angelaufen ist. Aber auch die, so der Kreisvorsitzende, eröffne den kleinen Einzelbetrieben keine Perspektiven. „Fast 60 Prozent der befragten Betriebe sehen sich in ihrer Existenz gefährdet.“ Mit diesen Worten hatte der Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga Bundesverband), Guido Zöllick, viel Beachtung gefunden. Eine Pleitenwelle in der Gastronomie erwartet auch der Vorsitzende des Verdener Kreisverbandes. Zahlen aber und Umfrageergebnisse wie sein Bundesvorsitzender kann er nicht vorlegen. „Beim Kreisverband laufen diese Informationen nicht ein“, erklärt er.

Mulmig wird ihm dennoch, wenn er an den Herbst denkt. Der „Schutzschirm“ des Bundes, der auch Insolvenzanträge aufschiebt, wirke noch bis zum 30. September. Was dann geschehe, könnte böse für viele der 77 Betriebe im Landkreis ausgehen, befürchtet der Vorsitzende. Wer jetzt einen Biergarten habe, könne sich wohl noch über die Saison retten. „Was aber, wenn es kälter wird? Das wird schwierig mit den Corona-Auflagen für geschlossene Räume.“

Mit leeren Stühlen vor dem Rathaus hatten Gastronomiebetriebe aus dem Landkreis Verden Anfang Mai auf ihre schwierige Situation in der Corona-Krise hingewiesen.

Gördt Glander kennt die Stimmung in der Branche. „Gut war sie bei vielen schon seit den 90er-Jahren nicht.“ Seit dem sei es allein in der Hotellerie schon sehr schwer gewesen, einigermaßen kostendeckend über die Runden zu kommen. Der Dehoga-Chef deutet ein Sterben von 30 bis 40 Prozent der Betriebe an. Das hatte lange eher die kleinen Betriebe in der Fläche betroffen. Mit dem Stillstand und den Einschränkungen der Corona-Krise käme jetzt auch in der Hochgastronomie einiges ins Wanken.

„Die Preise stehen fest“, versucht Gördt Glander die strukturellen Probleme in der Branche zu erklären. Wenn Reisende über Portale buchen oder Reisebüros, könnten die Betriebe nicht einfach die Kalkulation ändern, weil bestimmte Gruppen in der Kundschaft andere Kosten produzieren. Ob eine Mischkalkulation funktioniert, hänge deshalb sehr stark davon ab, wie sich die Kundschaft zusammensetzt. In seinem Haus, so erklärt der Verdener Hotelier, würden die in Verden ansässigen internationalen Firmen häufig ihre Partner, Gäste oder Spezialisten unterbringen. Dann kam Corona und auch nach den Lockerungen hielten die Unternehmen noch am Reisestopp fest. „Was da weggebrochen ist, kann der Tagestourismus jetzt wohl nicht auffangen“, befürchtet Glander.

Gastronomie-Lage im Kreisgebiet Verden unterschiedlich

Dabei sei die Lage im Kreisgebiet Verden sehr unterschiedlich. Im Bremer Randbereich laufe es mit einer größeren Anzahl von Buchungen aus der Wirtschaft und mehr Tourismus wesentlich besser. „Die Kleinen Betriebe auf dem Dorf trifft es viel härter.“

Die Überbrückungshilfe des Bundes für durch die Corona-Pandemie bedingte finanzielle Ausfälle in Niedersachsen könne vielen Kollegen eine echte Perspektive bieten, zeigte Glander sich gestern überzeugt. „Mit den Hilfen kann sich mancher mittelständische Betrieb über Wasser halten.“ Mit den möglichen N-Bank- und KfW-Krediten könnten sich da durchaus Perspektiven eröffnen. Auch er hat für seinen Betrieb die Unterstützung beantragt. Ganz einfach sei das nicht und ohne Steuerberater gar nicht zu machen.

Für kleine Betriebe, Ein-Mann- oder Eine-Frau-Unternehmen, sieht der Vorsitzende eher keinen Hoffnungsschimmer aufleuchten. „Oft sitzen die in der eigenen Immobilie, haben keine Beschäftigten und leben von der Tageskasse“, erklärt er. Für den Antrag seien die Kosten zu gering. „Nicht förderungswürdig heißt das dann. Die Kleinen fallen durchs Netz.“

Rubriklistenbild: © Preuß

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