Bibliotheksleiter Stefan Kaplon über neue Angebote und alte Gewohnheiten

Wasserdichtes Konzept

Bibliotheksleiter Stefan Kaplon mag neue Technik, aber vor allem Bücher.
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Bibliotheksleiter Stefan Kaplon mag neue Technik, aber vor allem Bücher.

Verden - Von Markus Wienken. Gemütlich in der Badewanne liegen, lesen und „platsch“, weg ist das Buch – und damit die Gemütlichkeit. „Muss nicht sein. Unsere neuesten E-Books sind wasserdicht“, lacht Stefan Kaplon, Leiter der Stadtbibliothek Verden. Einmal abtauchen, schon ist die Geschichte wieder da und zwar völlig trocken und unversehrt. Und weiter geht‘s, ganz entspannt, im Text.

Es ist nur ein Beispiel, wie sich Bibliothek und Leseverhalten in den vergangenen Jahren rasant verändert haben. Und die Stadtbibliothek Verden geht diesen Weg mit. „Der Umgang mit dem E-Book ist mehr oder weniger selbstverständlich geworden. Und, so eine Erfahrung in der Stadtbibliothek: „Es sind nicht nur jüngere, sondern auch viele ältere Menschen, die im E-Book lesen.“

Kaplon selbst ist ebenfalls mit der Technik bestens vertraut. Das gehört zu seinem täglichen Job. „Wo jemand nicht weiter weiß, da helfen wir immer gern.“ Aber tief im Herzen ist der Bibliotheksleiter doch eher Nostalgiker. „Ein Buch in den Händen zu halten, Seite für Seite umzublättern, das gehört für mich zum Lesen dazu. Es ist ein Stück Lebensgefühl.“ Kaplon selbst, wie sollte es anders sein, liest gerne und viel, Robert Seethaler oder seinen Lieblingsautor Umberto Eco.

Dennoch, und da ist er ganz realistisch, muss sich eine Stadtbibliothek in der heutigen Zeit „neu erfinden“. Dazu gehört mehr als die übliche Buch-Ausleihe von anno dazumal. Und der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Zum Beispiel „MaKey MaKey“. Schon mal gehört? Zwei leitfähige Gegenstände werden mithilfe von Klemmen an eine Platine angeschlossen, fertig ist die Tastatur. „Bananen, Äpfel, eben alles, was nass ist und leitet, kann bei dem Computer-Spiel eingesetzt werden. Spannend und sehr abwechslungsreich“, so Kaplon. Oder das neueste Lego-Set. „Damit können ganze Spielszenen nachgestellt, per Video aufgezeichnet und ins Netz gestellt werden.“

Doch zurück zum Buch. Da hat der Bibliotheksleiter klare Vorstellungen, wo er die Schwerpunkte seiner Arbeit sieht. „Dazu gehört, Menschen, die unsere Einrichtung besuchen, zu inspirieren“, so Kaplon. „Wir haben einen Standort, wo sich die Leute durch die Regale bewegen können und dabei ganz ungestört bleiben. In dieser Form der Beliebigkeit verlangen sie dennoch geordnete Strukturen, um sich zurechtzufinden. Dafür wollen wir sorgen.“

Ob es auf gleichbleibendem Niveau gelingt? Kaplon ist Realist, den rückläufigen Trend bei der Ausleihe kann er nicht stoppen. Die Zahlen sprechen für sich. Waren es vor drei Jahren bei zirka 40000 Medien etwa 380000 Ausleihen, sind es im abgelaufenen Jahr noch 330000. Weniger das Buch ist es, was in den Regalen bleibt, es sind die CDs und DVDs. „Musik und Filme, da hat das Internet uns klar den Rang abgelaufen, Tendenz steigend.“

Durchaus Chancen sieht Kaplon für stabile Zahlen bei der Buchausleihe. „Möglichkeiten bieten sich mit dem zunehmenden Angebot der Ganztagsschulen. Eine enge Zusammenarbeit an den Nachmittagen wäre da schon denkbar und wünschenswert.“ Das „Netz“ dafür gibt es. Die elfköpfige Mannschaft der Stadtbibliothek, darunter drei Azubis und sechs Ehrenamtliche, wird unterstützt durch zahlreiche Lesementoren und -paten. Auch der Förderkreis mit 60 Aktiven steht im Dienst des Buches. Hört sich nach einem wasserdichten Konzept an.

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