Nachbarn laufen Sturm gegen zu geringe Abstände

Bezahlbares Wohnen für Azubis: Projekt geplatzt

Backsteingebäude an Hauptstraße mit Freifläche hinter dem Haus.
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Hinter dem ehemaligen Überlandwerk-Komplex sollte das Projekt Azubi-Campus neben einem Bürogebäude stehen. Anlieger bemängelten unter anderem die geringen Abstände zu Nachbargrundstücken. Jetzt bleibt lediglich das Bürogebäude übrig.

Das ehrgeizige Projekt mit bezahlbarem Wohnen für junge Leute in Verden ist geplatzt. Anlieger sind Sturm gelaufen gegen zu geringe Abstände.

Verden – Auf den ersten Blick ist es nur ein Bürogebäude: Der Neubau, den die BHT-Steuerberatung hinter dem ehemaligen Überlandwerk an der Werrastraße in Verden planen. Immerhin für 60 Beschäftigte, für ein expandierendes mittelständisches Unternehmen also. Auf den zweiten Blick allerdings ist es ein schönes Beispiel für zukünftiges Bauen in Verden, und darauf, was wichtig ist, und was nicht.

Ursprünglich war zwar auch an Arbeitsplätze gedacht, was jetzt gute Chancen hat, realisiert zu werden, aber gedacht war eben auch an eine neue Form des Wohnens, für Verden relativ neu. Einen Auszubildenden-Campus hatte der Investor ins Spiel gebracht. Bezahlbare Wohnungen für junge Leute. Nach anderthalb Jahren Bauplanung ist davon nichts übrig geblieben.

Den Segen des Ausschusses für Stadtentwicklung erhielt am Montagabend einstimmig eine dreistöckige Variante mit einem weiteren sogenannten Staffelgeschoss, einer zurückliegenden vierten Etage also. Dies allerdings auch nur mit Bauchschmerzen. „Sieht ja insgesamt viergeschossig aus“, befand Carsten Hauschild (SPD). „Da wurden größere Abstände zu Nachbarn mit mehr Höhe erreicht“, sagte Lars Brennecke (CDU). Eine Variante allerdings, die kein Einzelfall bleiben wird. „Wir sind gehalten, im Zuge von weniger Versiegelung mehr zu verdichten, also mehr in die Höhe zu bauen“, erläuterte Stadtplanerin Stephanie Thies.

Was der Bürokomplex an Breite verlor, gewinnt der Bauplatz an Natur. Hainbuche und Feldahorn sollen hier einziehen, beide durchaus zu Beginn schon mit üppigen Höhen, Abstände von mindestens 16 Metern zu Nachbargrundstücken sollen eingehalten werden. Ausreichend Parkplätze und eine Fahrradgarage runden das Projekt ab. Der Abstand zu den umliegenden Wohnbauten hatte zuvor die Nachbarn auf die Barrikaden gebracht.

Allerdings durchlebte das Projekt eine Reihe von Höhen und Tiefen. Ursprünglich schwebte dem Investor ein Anbau an das ehemalige Überlandwerk-Gebäude vor. Freistehend dahinter war der Campus platziert. „Das Vorhaben liegt uns sehr am Herzen“, sagt Investor Töhne auf Nachfrage. Die Resonanz nach ersten Berichterstattungen habe alle Erwartungen übertroffen. „Wir hätten es schon jetzt komplett an junge Leute vermieten können.“

Allerdings habe man sich entschlossen, den eigenen Firmenstandort großzügiger zu erweitern. „Wir wollen die nächsten Schritte zu einer digitalen Kanzlei gehen. Das funktioniert nur in einem Neubau.“ Also reichte er zweite Baupläne nach. Sowohl Campus als auch Bürogebäude tauchten darin als separate Gebäude auf, beide auf die vorhandene Fläche verteilt. Als die Skizzen allerdings die offizielle Öffentlichkeitsbeteiligung durchlebten, hagelte es Einwendungen der Nachbarn. Zu geringer Abstand zur Umgebung, zu wenig Parkplätze, zu wenig Grün – nichts kam ungeschoren davon. „Wir haben außerordentlich viel Kritik erhalten“, heißt es aus dem Verdener Bauamt.

Auch die neue Variante mit nur noch dem Bürogebäude werde selbstverständlich ausgelegt. Einer der federführenden Anlieger hatte die Ausschusssitzung verfolgt. Er zumindest äußerte sich in der Einwohnerfragestunde zufrieden über das Ergebnis. Auch Investor Töhne vermochte sich mit dem Ergebnis halbwegs zu arrangieren. „Hauptsache, wir können unsere Erweiterungspläne am jetzigen Standort in die Tat umsetzen. Das ist erstmal das Wichtigste.“ Die Campus-Pläne wolle er freilich nicht aufgeben, auch wenn sie nicht an der Werrastraße umgesetzt würden. „Da bleiben wir dran.“

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