Bewegende Feierstunde

Verden gedenkt der Toten erstmals auf dem Waldfriedhof

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Jugendliche der Verdener Realschule zeichneten die Schicksale dreier 17-Jähriger nach, die in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges in Verden fielen.

Verden - Bewegend und zum Nachdenken anregend war die Feierstunde zum Volkstrauertag des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, die zu einem größeren Teil die Handschrift des Netzwerks Erinnerungskultur trug. Die Entscheidung, diese Feierstunde auf dem Waldfriedhof in Verden abzuhalten, wurde zudem positiv aufgenommen und begrüßt.

„Der Landrat war von unserem Projekt überzeugt, diese Gedenkfeier mal auf eine andere Art, unter Einbeziehung von Jugendlichen und einem konkreten Bezug zu jungen getöteten Soldaten zu begehen“, stellte Harm Schmidt fest. Gemeinsam mit Hans-Jürgen Lange hatte er in der Arbeitsgruppe des Netzwerks eine Konzeption erarbeitet, um mit dieser Feierstunde auch die jüngere Generation anzusprechen. Indem sich beispielsweise die Schüler bei der Vorbereitung für die Teilnahme an der Feierstunde mit den menschlichen Schicksalen in den Kriegen beschäftigten, würde sie dafür sensibilisiert, wie sinnlos Krieg und Gewalt seien.

„Das Interesse an der Erinnerungskultur kann außerdem geweckt werden, wenn den Menschen heute Ereignisse aus der damaligen Zeit vor Augen geführt werden“, erläutert Harm Schmidt. In diesem Fall seien es Gräber von drei jungen deutschen Soldaten, die auf dem Waldfriedhof beigesetzt wurden.

Besuch auf Friedhof als konkreter Bezug zur Lesung

Harm Schmidt und Hans-Jürgen Lange beschäftigten sich mit dem Schicksal dieses Trios und empfahlen dem Landrat, die Feier zum Waldfriedhof zu verlegen, damit ein realer und konkreter Bezug zu der bei der Feierstunde vorgetragenen szenischen Lesung von Schülern hergestellt werden könne.

Die Realschule hatte sich sofort dazu bereiterklärt, diese Aufgabe zu übernehmen. Die Schüler setzten sich intensiv mit dem Thema auseinander. Auch der Landrat folgte ohne zu zögern der Empfehlung der Arbeitsgruppe und so konnte diese Feierstunde vor der Friedhofskapelle stattfinden. Mädchen und Jungen der Jugendfeuerwehr leuchteten die Szene mit Fackeln aus, die Posaunenchöre aus Dörverden und Verden umrahmten Andacht und anschließende Kranzniederlegung musikalisch.

Die Realschülern erinnerten an die Schicksale der drei jungen Soldaten Gerhard Rauscher, Bruno Rein und Günter Helwecke, die in den Kriegstagen im April 1945 auf grausamste Art ums Leben kamen. Das Trio gehörte einem Vorauskommando des in Delmenhorst stationierten Pionier-Ausbildungs-Bataillons 34 an. Sie erhielten den sinnlosen Befehl, den Einmarsch britischer Verbände nach Verden zu verhindern und dazu dort eine Stellung anzulegen, wo heute der Blumenladen am Waldfriedhof steht.

Keine Zeugen für den Tod der drei jungen Soldaten

Die 17-jährigen Pionierschüler waren zu dem Zeitpunkt die einzigen Soldaten, die Verden nach Osten hin sichern sollten – ihre Bewaffnung bestand aus Panzerfäusten und Maschinengewehren. Gegen zwei Uhr nachts begann das englische Sperrfeuer, einige Granaten schlugen auf dem Waldfriedhof und auf dem Gelände der Lindhoop-Kaserne ein. Gegen fünf Uhr waren Panzergeräusche zu hören. Für das, was folgte, gab es keine Zeugen. Nach dem Einmarsch der Briten waren die drei jungen Soldaten tot.

Den letzten Teil dieser szenischen Lesung gestalteten die Schüler mit dem Abstellen von Teelichtern vor dem Foto eines der Kriegsopfer. Dazu kamen unter dem Motto:„Nie wieder Krieg“ Zitate zur Ächtung von Gewalt. Insgesamt war es eine für die Gäste und für die Beteiligten bewegende Gedenkfeier, die zur Überlegung führte, diese Feierstunde auf künftig an dieser Stelle abzuhalten.  - rö

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