Der beste Beweis, dass Musik jung hält

„musici emeriti hamburg“ mit besonderem Neujahrskonzert

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Dirigent Klaus-Peter Modest und das Orchester aus pensionierten Musikern bescherten dem Publikum einen unvergesslichen Abend.

Verden - Von Ilse Walther. Zum neunten Mal veranstaltete der Verein Verdener Kulturflügel ein Neujahrskonzert in der Stadthalle. Für Sonnabend hatte man Gäste aus Hamburg eingeladen, ein Seniorenensemble aus professionellen Orchestermusikern des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg, des jetzigen Elbphilharmonieorchesters und der Hamburger Symphoniker, die sich den Namen „musici emeriti hamburg“ gegeben haben.

Unter ihrem überaus kompetenten Leiter Klaus-Peter Modest boten die absolut fitten Instrumentalisten im Alter von 65 bis 92 (!) Jahren ein herrlich eingängiges klassisches Konzert mit Kompositionen von Mozart, Haydn und Beethoven. Sie bewiesen, obwohl krankheitsbedingt in den Geigen etwas ausgedünnt, dass sie ihr schönes Handwerk immer noch verstehen. Und dass Musik jung hält.

Sie sind eher kammermusikalisch besetzt, aber fähig, sinfonisch dicht und klanglich intensiv, intonationsrein und technisch klar zu musizieren. Die vielen Dialoge zwischen Streichern und Bläsern waren fein abgestimmt und abwechslungsreich phrasiert. Es machte Freude, ihnen in der schon fast familiären Atmosphäre zuzuhören. Was allerdings störend wirkte, war der ständige Beifall zwischen den einzelnen Sätzen. Lob ist schön, aber man sollte sich die Werke doch insgesamt anhören.

Klangschöne Bläserpartien

Klaus-Peter Modest leitete sein Ensemble intuitiv mit präzisen Bewegungen, er gab exakte Einsätze und wusste seine musikalischen Vorstellungen sehr gut umzusetzen.

Gekonnt war schon die Ouvertüre zu Wolfgang Amadeus Mozarts Oper „Der Schauspieldirektor“ KV 486, vom Orchester frisch, pointiert, homogen und mozartisch leicht, mit klangschönen Bläserpartien geboten.

Die Sinfonie Nr. 82 „Der Bär“ von Joseph Haydn ist immer wieder ein Hörvergnügen. An manchen Passagen könnte man wirklich so einen tapsigen Bär heraushören, was gerade die tiefen Streicher und Bläser sehr humorvoll herausarbeiteten. Es gefielen die getupften Geigenmotive, die Bläsereinsätze, das klangvolle Fagott, die perlenden Flöte, tänzerische Oboe und guten Blechbläsereinwürfe, alles vom gesamten Ensemble leichtfüßig bis zum Ende gesteigert.

Ab Koster als Solist im Hornkonzert

Der zweite Satz war ungemein animiert und erfrischend, das Menuett ebenfalls überaus pointiert und lebendig, ganz reizend das Trio mit seinen hübschen Bläserpassagen. Im Finale brummte es dann so geistreich in den tiefen Streichern, die übrigen Instrumentalgruppen nahmen dieses Thema gekonnt auf, musikantisch leicht und dann wie einen zupackenden Bauerntanz, vom Paukisten wirkungsvoll unterstützt.

Restlos begeistert feierte das Publikum das Orchester und seinen temperamentvollen Leiter.

Der bekannte Hornist Ab Koster war der Solist im Hornkonzert Nr. 4 Es-Dur KV 498 von Wolfgang Amadeus Mozart. In Musikerkreisen wird das Horn auch scherzhaft „Glücksspirale“ genannt, weil es sehr tückisch reagieren kann. Nicht so bei diesem überragenden Solisten.

Applaus und Zugabe

Er blies auf dem heutigen Ventilhorn, und das mit ganz großem Atem und herrlich reinem Ton. Wie er die langen Spannungsbögen auskostete und mühelos in der Phrasierung musizierte, war ein Genuss und es war ein intensives Miteinander von Solist und Orchester.

Märchenhaft schön brachte Koster die herrliche Romanza, sehr sensibel vom Orchester begleitet. Ungemein froh und lebendig war dann das Rondo mit seinem eingängigen Thema, ein ständiges Miteinander mit auch sichtbarem Vergnügen musiziert. Der Beifall war nur zu berechtigt, und die Zugabe großartig, denn jetzt hatte Ab Koster das Naturhorn ohne Ventile geholt. Gekonnt und mit Humor stellte er die Vielseitigkeit des Instrumentes vor. Ganz großartig!

Herrlich durchdachte Wiedergabe

Mit der Sinfonie Nr. 1 in C-Dur op. 21 von Ludwig van Beethoven beschloss das Orchester diesen Abend, und da spürte man ganz besonders, wie sehr die Senioren noch in ihrer Musik zu Hause sind. Das war eine herrlich durchdachte Wiedergabe, farbig, abwechslungsreich, sinfonisch dicht, kantabel ausgespielte Sinfonik.

Restlos begeistert feierte das Publikum dieses Orchester und seinen temperamentvollen Leiter, der seinen Blumenstrauß ganz Kavalier der ältesten Musikerin des Orchesters überreichte. Diese Flötistin mit ihren 92 Jahren war noch so voller Leben und Musik, was auch an ihrem Spiel zu hören war. Man wiederholte dann das Scherzo als zündenden Zugabe. Ein äußerst froh stimmender Konzertabend.

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