Das Click & Meet-Modell ist besser als nichts

Vorfreude auf Termin-Shopping

In den Schaufenstern des Spielwarengeschäftes Witte wird Spielzeug ausgestellt. Eine Tafel weist auf aktuelle Corona-Regeln hin.
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Bei Spielwaren Witte will Inhaberin Carmen Witte positiv denkend an das Kommende herangehen.

Verden – Seit Monaten ächzt der lokale Einzelhandel unter coronabedingten Einschränkungen, doch nach den jüngsten Beschlüssen der Ministerpräsidentenkonferenz soll Shopping trotz Verlängerung des Lockdowns wieder möglich werden.

  • Endlich wieder Kunden im Geschäft
  • Vorherige Anmeldung nötig
  • Ein Kunde pro 40 Quadratmeter Fläche möglich.

Im Einzelhandel im Landkreis Verden wird daher ab dem heutigen Montag wohl das sogenannte Click & Meet-Modell greifen. Das heißt: Wenn die Inzidenz der letzten sieben Tage zwischen 50 und 100 liegt, darf der Einzelhandel für diejenigen öffnen, die im Vorfeld einen Termin gebucht haben. Weiter sieht das Konzept vor, dass ein Kunde pro 40 Quadratmeter Verkaufsfläche für einen begrenzten Zeitraum in den Laden darf und, dass der Einkauf für die Möglichkeit der Kontaktnachverfolgung dokumentiert wird.

In vielen Verdener Geschäften waren am Freitag und am Sonnabend die Mitarbeiter mit den Vorbereitungen für „Click & Meet“ beschäftigt. Es wurden Sortimente geordnet und aufgefüllt oder der zeitliche Einsatz von Mitarbeitern geplant, denn die Einzelhändler eint die Hoffnung, dass in der Innenstadt ab Montag wieder mehr los sein wird als bislang im Lockdown.

Nur eine Übergangslösung

Bei Reuter Fashion & Shoes freut sich Inhaberin Christa Reuter darauf, endlich wieder persönlich Damenmode und Schuhe an ihre Kundinnen zu bringen. „Eigentlich halte ich nichts von diesem Weg, aber ich gehe ihn mit“, sagt die Geschäftsfrau, die auf eine Rückkehr zu den Öffnungszeiten vor dem zweiten Lockdown gehofft hatte. Jetzt geht sie davon aus, dass „Click & Meet“ angesichts guter lokaler Inzidenzwerte nur eine Übergangslösung sein wird. „Ich bin zwar enttäuscht, lasse mich aber natürlich darauf ein und muss dann sehen, wie sich das Ganze entwickelt.“ Dass sich das Konzept für sie wirtschaftlich lohnen wird, glaubt Reuter nicht. Sie kritisiert die Aufenthaltsdauer von voraussichtlich 30 Minuten. „Für beratungsintensive Kundenkontakte wird das Zeitfenster nicht ausreichen.“

„Es ist nichts Halbes und nichts Ganzes, aber besser als gar nichts“, kommentiert Bettina Gunkel das Modell. Sie führt in der Nagelschmiedestraße zwei Damen-Modegeschäfte. „Aber ein Schritt in Richtung Normalität.“ Wie Reuter gibt auch Gunkel zu bedenken, dass sie keine Ahnung habe, was durch „Click & Meet“ auf sie zukomme, geschweige denn, wie sich die Kundschaft auf dieses Konzept einlassen wird. „Primär bin ich aber glücklich, dass ich wieder Kunden begrüßen darf.“ Ihre beiden Läden seien startklar, auch wenn spontanes Shoppen auf jeden Fall anders gehe.

„Es freut uns, dass Termin-Shopping möglich ist, und natürlich machen wir mit“, sagt Bettina Kirey vom gleichnamigen Herrenausstatter, räumt aber zugleich ein, dass es nur eine Übergangslösung sein dürfe.

Click & Meet eine Behelfslösung

Für Jutta Dirk, stellvertretende Hausleitung bei Kolossa, ist die Öffnungsstrategie zwar enttäuschend, aber sowohl für Mitarbeiter als auch für Kunden ein wichtiges Signal: „Mit Onlineangeboten oder Aktionen wie die der Wundertüten haben wir die vergangenen Monate einigermaßen gut überstanden, aber wir alle wünschen und brauchen Kontakte.“ Click & Meet sei für sie nur eine Behelfslösung, aber immerhin zeige es in eine positive Richtung.

In der Buchhandlung Mahnke hat Inhaberin Maria Mahnke ihre Mitarbeiterinnen auf das Termin-Shopping eingestimmt. „Die Stimmung bei uns ist großartig. Im Team herrscht eine Art Aufbruchstimmung und ich weiß, dass auch bei unseren Kunden die Freude groß ist“, sagt sie.

Komplizierte Regelungen

Carmen Witte kritisiert dagegen, dass dem Einzelhandel etwas vor die Füße geworfen werde, aber zwischen politischer Beschlussfassung und Beschlussumsetzung nur ein knappes Zeitfenster verbleibe. Die Kauffrau hatte auf liberalere Öffnungsmöglichkeiten für den Einzelhandel gehofft und ärgert sich über diverse Vorgaben. „In mein Geschäft lasse ich fünf Kunden gleichzeitig hinein, während in den benachbarten Drogeriemarkt die Massen hineinströmen.“ Doch Witte ist mit dem „Hang der Politik zu komplizierten Regelungen“ vertraut. „Ich lasse mich davon nicht unterkriegen, sondern gehe positiv denkend an das Kommende heran.“ Das Ganze werde sich schon irgendwie zurechtschütteln.

Von Christel Niemann

Egal, welche Lockerungen kommen werden: Die Geschäftsinhaber wünschen sich wieder mehr Leben in der Fußgängerzone.
Bettina Gunkel hat ihre beiden Läden startklar für die Aktion gemacht.
Sabine Witten und ihre Kollegen bei Kolossa warten sehnlichst auf Kunden.

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