Berufungsverhandlung nach Überfall auf Bäckereifiliale / Landgericht reduziert Strafe für 22-Jährigen

Geständnis: Fünf Monate weniger

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Mediengruppe Kreiszeitung

Verden - Die Einsicht kam einem 22 Jahre alten Angeklagten aus Verden spät, brachte ihm aber in einer Berufungsverhandlung gestern am Landgericht Verden eine Reduzierung seiner Strafe ein. Statt der vom Jugendschöffengericht des Amtsgerichtes Verden festgelegten zweieinhalb Jahre wegen schweren Raubes muss der 22-Jährige für 25 Monate in Haft.

Am 1. Juni 2012 hatte der berufslose Angeklagte zusammen mit einem nicht ermittelten Komplizen die Bäckerei in der Carl-Hesse-Straße in Verden überfallen. Eine Verkäuferin wurde von den maskierten Tätern mit einem Messer – Klingenlänge zirka zwölf Zentimeter – bedroht und aus der Ladenkasse 860 Euro geraubt. Die Täter konnten flüchten, aber ein Zeuge hatte den Angeklagten mit einem maskierten Mann gesehen. Außerdem fand die Polizei DNA-Spuren des Angeklagten.

„Aber Herr Richter, meine DNA finden sie hier auch überall“, argumentierte der Angeklagte, doch auf Diskussionen ließ sich der Vorsitzende Richter Joachim Grebe gar nicht erst ein. Nur ein Geständnis würde sich strafmildernd auswirken, verdeutlichte Grebe dem Angeklagten. Bewährung kam jedoch nicht in Betracht.

Das Amtsgericht hatte bereits schädliche Neigungen festgestellt und „eine Tendenz zur Begehung schwerer Straftaten“. Das Vorstrafenregister des Angeklagten listet zehn Einträge seit dem Jahr 2009: Diebstahl, Hausfriedensbruch, mehrfach gefährliche Körperverletzung, Beleidigung, Widerstandshandlungen, räuberische Erpressung. Bei dem Überfall in der Carl-Hesse-Straße stand der 22-Jährige unter laufender Bewährung.

Nach einer nochmaligen Beratung mit seinem Verteidiger folgte er dem Rat des Vorsitzenden und beschränkte die Berufung auf den Rechtsfolgenausspruch, was einem Geständnis gleichkommt. Damit ging es nur noch um die Strafhöhe, und den Zeugen blieb eine erneute Aussage erspart. Die überfallene Verkäuferin war sehr erleichtert und dankte dem Vorsitzenden für die gute Nachricht. Dann wandte sich der Richter an den Zeugen, der den Angeklagten damals erkannt hatte und später bedroht worden sein soll. Deshalb war der Angeklagte zwischenzeitlich in Untersuchungshaft gekommen. „Kompliment, dass sie so gut durchgehalten und Zivilcourage gezeigt haben“, so Grebe zu dem Zeugen.

Jugendstrafrecht sei bei dem zum Tatzeitpunkt 19 Jahre und sechs Monate alten Angeklagten anzuwenden, darin waren sich alle Verfahrensbeteiligten einig. „Unreife Persönlichkeit“, „keine Zukunftsperspektive“, „lebt bei und von seiner Mutter“, so die Gründe. Sehr positiv sei es, dass er jetzt zu der Tat stehe. Bis zum Haftantritt bleibt der 22-Jährige auf freiem Fuß.

wb

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