Immer mehr aus Bremen

Nächste Pendlerwelle durch Amazon: Jeden Zweiten trifft‘s

Ein- und Ausplender aus dem Landkreis verden
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Steigend: Die Zahl der Einpendler in den Landkreis Verden

Verden/Achim – Früher gab‘s nur eine Richtung. In Achim oder Oyten wohnen, in Bremen arbeiten. Aber plötzlich dreht sich die Fahrtroute. Massiv sogar. Plötzlich kurven Bremer zu ihrem Arbeitsplatz in den Landkreis Verden. Zu tausenden. Allein in den vergangenen fünf Jahren stieg die Zahl der Beschäftigten mit Wohnsitz in der Hansestadt und Arbeitsplatz im Kreis Verden um 20 Prozent auf rund 5 400.

Das belegt der Pendleratlas, den die Arbeitsagentur mit Datenlage von der zurückliegenden Jahresmitte aufgelegt hat. Und mit den 2 000 Amazon-Arbeitsplätzen in Achim dürfte sich die Spirale noch ein Stück weiter drehen. Das Gros der Mitarbeiter wird aus Sebaldsbrück, Osterholz-Tennever und Co erwartet. Schon jetzt kommt aus Bremen der dickste Strom der Einpendler.

Die Verdener Buslinie 714 zum Beispiel. Als Pendlerbus wurde sie vor einigen Jahren eingerichtet. Auf kurzem Weg vom Bahnhof ins Gewerbegebiet Finkenberg, so ist sie gedacht. Wer in Bremen Hauptbahnhof einsteigt und im Öffi bis zu seinem Arbeitsplatz im Verdener Osten gebracht werden will, der braucht 42 Minuten. Mit dem Auto ist das kaum zu schaffen. Kein Wunder also, dass der Allerbus schon zu ungewöhnlichen Maßnahmen greift. Eine zweite Buslinie wurde eingerichtet, die Fahrgastzahlen verdoppelten sich innerhalb weniger Jahre. „Da verzeichnen wir Zuwächse und können auch im Corona-Jahr anders als auf anderen Strecken auf eine stabile Fahrgastzahl zählen“, sagt Henning Rohde von Allerbus.

Und das ist kein Einzeleffekt. Die Pendlerzahl dürfte weiter steigen. Einerseits weist die Stadt riesige neue Gewerbeflächen aus, alles für vorgemerkte Interessenten, andererseits beginnen die etablierten Unternehmen ihre Fühler auszustrecken. Die Block Transformatoren-Elektronik GmbH zum Beispiel. „Wir haben die Pandemie ohne Personalfreisetzung und ohne Kurzarbeit überstanden“, sagt Firmenchef Wolfgang Reichelt, „wir beginnen wieder mit Neueinstellungen.“

Noch allerdings überwiegt kreisweit das Wohnen, während es andernorts zur Arbeit geht. Den Saldo von Aus- und Einpendlern beziffert die Arbeitsagentur mit minus 6 050. Zwischen Benkel und Barme wohnen demzufolge 55 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, dem gegenüber stehen 49 000 Arbeitsplätze. Knapp die Hälfte passiert zum Arbeitsplatz die Kreisgrenze. 27 000 (49 Prozent) fahren zur Arbeit in einen anderen Kreis, teilweise mit Anfahrtswegen von hundert und mehr Kilometern. Gleichzeitig pendeln 20 771 Beschäftigte, die in einem anderen Kreis wohnen, zur sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung in die Region Verden/Achim (42 Prozent). Zwar wuchsen die Einwohnerzahlen in den zurückliegenden Jahrzehnten stetig und damit auch die Arbeitnehmerzahlen, aber damit einher ging keine wachsende Landflucht kombiniert mit der Abhängigkeit von auswärtigen Firmen. Bemerkenswert viele Arbeitskräfte werden vor Ort benötigt. Aus gutem Grund: Seit 2005 sind die Beschäftigtenzahlen kreisweit von einst 38 000 um knapp 30 Prozent gestiegen.

Unklar noch, welche Wirkung die Pandemie und vor allem das Homeoffice entfalten.

Einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer zufolge gaben fast zwei Drittel der Unternehmen an, sie arbeiteten seit Beginn der Krise verstärkt im Homeoffice. Das sei immerhin für ein Viertel der befragten Unternehmen auch ein fester Bestandteil ihrer künftigen Arbeitsweise, allerdings überwiege bei der Hälfte der Unternehmen ein Hybridmix aus Präsenzarbeit und Homeoffice. Ebenfalls gibt ein Viertel an, dass geplant sei, wieder zur Präsenzkultur zurückzukehren. Klartext: Nicht unwahrscheinlich, dass Arbeitnehmer immer weitere Wege zu ihren Arbeitsplätzen in Kauf nehmen, ohne allerdings täglich anzureisen. Vieles könne eben auch im Homeoffice erledigt werden.

Ein Trend, der schon vor Corona eingesetzt hat. Aus Nordrhein-Westfalen beispielsweise reisten vor fünf Jahren noch 434 Kräfte an, jetzt sind es schon 40 mehr (plus zehn Prozent). Aus Baden-Württemberg kamen 2015 noch 115 Kräfte, jetzt sind es 173 (plus 50 Prozent). Auch die Einpendler aus dem Ausland entwickelten sich zur erkennbaren Größe. Die Niederlande (32) liegen vor Litauen (14) und Polen (11).

Arbeitskräfte aus der Region Verden scheuen ebenfalls weder Fahrtzeit noch Wegeslänge. 267 touren nach Bayern (2015: 225), immerhin 115 nach Berlin. Vor fünf Jahren waren es noch 67.

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