Benedikt Pape aus Verden berichtet von seinem Freiwilligendienst in Israel

Keine Weihnachtsstimmung

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Eine Kollegin bastelte Benes Adventskalender. Unschwer zu erkennen: die Silhouetten des Verdener Rathauses, des Doms und der Johanniskirche.

Verden - Das Fest der Liebe naht. Auch für Benedikt Pape, der seinen internationalen Freiwilligendienst im israelischen Kinderheim „Neve Hanna“ in Kirjat Gat ableistet. Wie es ihm ergeht im „Geburtsland von Weihnachten“, berichtet der 20-Jährige exklusiv in der Verdener Aller-Zeitung:

„,Von drauß' vom Walde komm ich her; ich muss euch sagen es weihnachtet sehr!‘ Diese zwei Zeilen von Theodor Storm kennt wohl nahezu jeder. Doch jeder von uns verbindet etwas anderes damit. Normalerweise habe ich während der Vorweihnachtszeit ,Knecht Ruprecht‘ des öfteren im Ohr. Doch in diesem Jahr mag die Stimmung nicht so richtig aufkommen. Wie auch, bei 26 Grad im Schatten und weit und breit keinem Weihnachtsmarkt in Sicht. Selbst das Adventskalenderbasteln für die fünf anderen Volontäre hat nichts dazu beigetragen.

Das Fest der Liebe rückt immer näher und da stören einfach Nachrichten, wie von der erneuten Messerattacke hier in Kiryat Gat. Bevor mich die Nachricht per Eilmeldung auf meinem Handy erreicht hat, hörte ich bereits die Hubschrauber kreisen und die Sirenen der Sicherheitskräfte. Es war ähnlich wie beim Mal davor. Daher dachte ich mir bereits, dass irgendetwas passiert sein musste. Ich muss zugeben, dass ich erneut schockiert war über diese Tat in der Stadt, aber so schlimm es auch klingt, ich habe mich daran gewöhnt.

Gefühlt jeden Tag gibt es Terrorattacken im Land und es ist nichts Neues mehr, wenn eine Eilmeldung mit der nächsten Attacke mein Handy erreicht. Meine Hausmutter sagte zu mir nach den Anschlägen von Paris: ,Jetzt wissen die Europäer, womit wir hier täglich leben müssen. Doch keiner sieht diesen Zusammenhang.‘ Sich dem Terror nicht beugen, denn er hat die Absicht Angst und Schrecken zu verursachen. Dies gilt für jeden von uns.

Vom Terror nun aber zur Arbeit für den Frieden. Zum 60. Jahrestag der Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte der Vereinten Nationen schuf der Künstler Hillinger die goldfarbene Taube mit dem Ölzweig im Schnabel. Diese Tauben ,fliegen‘ nun von Station zu Station. Dabei spielt es keine Rolle, ob damit eine Person oder eine Einrichtung für das Engagement für Menschenrechte gewürdigt wird.

Anfang November hat Neve Hanna nun diese Taube aus Hamburg mit nach Kiryat Gat genommen. Neve Hanna steht somit nun in einer Reihe mit Angela Merkel, dem europäischen Parlament und Barack Obama. Solch eine Auszeichnung gibt noch einmal zusätzliche Kraft für die verbleibenden Monate.

Generell kann ich sagen, dass alles mittlerweile geordneter ist. Man kennt seine Aufgaben und einem wird teilweise mehr Verantwortung übertragen. Das ist aber leider nicht immer ganz so einfach, da die Sprachbarriere immer noch vorhanden ist. Dennoch verstehe ich von Tag zu Tag mehr und auch der zweimal wöchentliche Sprachunterricht macht sich bezahlt.

Zurzeit frage ich mich nur: Bene, warum hast du nicht früher angefangen deine Hausaufgaben immer zu machen!?

Es sind nun bereits mehr als drei Monate vergangen, seitdem ich Verden verlassen habe. Diese Zeit ist so unendlich schnell vergangen, dass ich noch gar nicht alle Eindrücke, die ich gesammelt habe, reflektieren konnte.

Aber eins bleibt für mich klar und das ist das Erfolgszitat von Johann Wolfgang von Goethe, welches mir mein Opa mit auf den Weg für meine große Reise gegeben hat: ,Erfolg hat drei Buchstaben: Tun!‘ Also tun wir jeder etwas für unseren Erfolg, auch dann, wenn nicht immer alles rund läuft.“

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