Enno Krüger feiert 97. Geburtstag / Rückblick auf ein bewegtes Leben

„Bekomme noch immer sehr viel zurück“

Viel erlebt und einiges aufgeschrieben: Enno Krüger feiert 97. Geburtstag. - Foto: Wienken

Verden - Ein verschmitztes Lächeln huscht über sein Gesicht, der Griff zum Buch, und blitzschnell ist die Seite aufgeblättert. „Wusste ich doch, die Daten habe ich alle im Kopf.“ Zufrieden lehnt sich Ernst-Otto Krüger zurück. „Enno“, wie ihn (fast) alle rufen, feiert seinen 97. Geburtstag. „Das schafft auch nicht jeder“, lacht er.

Und nicht nur das. Wer sich mit Enno Krüger unterhält, selbst Interesse an Sport hat, der landet irgendwann beim Thema Leichtathletik. Als junger Mann im Mehrkampf aktiv, hat Krüger bis ins hohe Alter hinein die Verdener Sport-Szene geprägt, war als Funktionär und dann viele Jahre als Berichterstatter für die Verdener Aller-Zeitung aktiv. Kaum ein sportlicher Wettkampf, den er nicht besucht und anschließend in Wort und Bild beschrieben hat. „Das waren schöne Zeiten“, blickte er auf insgesamt 40 Jahre Pressearbeit zurück.

Und die Daten, davon zeugen viele Gespräche, hat er tatsächlich noch alle im Kopf. Dennoch, und auch das ist ein schöner Verdienst des Seniors, hat er sich die Mühe gemacht, genau darüber Buch zu führen. „Chronik der Verdener Leichtathletik und der LG Kreis Verden im 20 Jahrhundert“ heißt das Werk, dass Krüger um die Jahrtausendwende verfasste. Neben einer beachtlichen Ansammlung von Daten, Fakten und Hintergrundinformationen, ist es zugleich auch ein Beleg für den sportlichen Erfolg des Landkreises Verden.

Der Sport war und ist für Enno Krüger aber nicht nur das Streben nach Ruhm und Ehre. Stets hat er darin auch die gesellschaftliche Bedeutung gesehen, das Zwischenmenschliche in den Vordergrund gerückt. Geprägt von zwei Weltkriegen und mehr als vierjähriger Kriegsgefangenschaft, packte er nach seiner Rückkehr nach Verden nicht nur beim Aufbau des Stadions und des Sport tatkräftig mit an. Zugleich blickte er schon damals über den Tellerrand hinaus, knüpfte Verbindungen in das benachbarte Frankreich. Freundschaft statt Feindschaft, dabei sollte der Sport helfen, so die Idee. „Der Austausch mit französischen Vereinen auf Grundlage des Deutsch-Französischen Vertrages war mir sehr wichtig“, erzählt er. Und es sollte eine Erfolgsgeschichte werden. Zunächst mit Clamert, bestehen diese Kontakte seit dem Jahr 1967 mit Verdens Partnerstadt Saumur.

Im Jahre 1985 dann die Krönung: Nach intensiven Vorbereitungen machen sich Verdener Leichtathleten auf den Weg und legen mit einem Staffellauf die circa 1250 Kilometer nach Saumur zurück. „Es war ein einmaliges Ereignis für Aktive und Begleiter, mit vielen schönen Erfahrungen“, erinnert sich der 97-Jährige gerne zurück.

Als „echter Verdener Jung“ wurde Enno Krüger am 2. April 1919 in Verden geboren. Nach der mittleren Reife machte er eine Ausbildung zum Vermessungstechniker. Im April 1938 erhielt er die Einberufung zur Wehrmacht. Nach seiner Rückkehr setzte er die Berufsausbildung für den gehobenen Technischen Dienst fort. 1977 wurde der Vermessungsamtmann pensioniert. Über 70 Jahre war er mit seiner Frau Vera verheiratet, die im vergangenen Jahr verstorben ist.

Ehrenamtlich im Einsatz war Krüger überwiegend für den TSV Verden, Abteilung Leichtathletik, wo er 23 Jahre als erster Vorsitzender die Geschicke leitete. Ebenso lang, von 1954 bis 1979, stand er an der Spitze des Leichtathletikverbandes Kreis Verden und von 1970 bis 1988 führte er den Leichtathlektikverband Altbezirk Stade.

Zu den Höhepunkten zählte zweifellos sein Einsatz als Kampfrichter bei den Olympischen Spielen in München 1972. „Die Begegnung mit den Athleten, das war eine tolle Atmosphäre“, so Krüger. Für seine Verdienste wurde der Sportsmann mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht. Im Jahre 1985 verlieh ihm Bundespräsident Richard von Weizsäcker dafür das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Seit 16 Jahren lebt Enno Krüger im St. Johannisheim, mitten in Verden. Gemeinsam mit Freunden und Bekannten will er den hohen Geburtstag feiern. Er freut sich täglich über viele Kontakte und Gespräche und versichert zum Abschied: „Ich bekomme noch immer sehr viel zurück.“ - mw

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