Buchprojekt zu Nazi-Deutschland / „Freunde von Letovice“ soll bald Verein werden

Ein Beitrag zur Völkerverständigung

Passt kaum ins Bild: Band eins der großen Letovicer Chronik. Foto: Meyer

Kirchlinteln-Kreepen – Zwölf Kirchlintler Freunde trafen sich im Gasthaus Heitmann in Kreepen zum Jahresabschluss, verbunden mit einem fotografischen Rückblick auf die zurückliegenden, ereignisreichen zwölf Monate. Schwerpunkt war der gemeinsam verbrachte Urlaub in der tschechischen Partnergemeinde Letovice im August und die Festigung der Freundschaft mit den langjährigen Bekannten dort vor Ort.

„Wir werden an den Feierlichkeiten zum 75. Jahrestag der Befreiung teilnehmen, darum fahren wir im kommenden Jahr Anfang Mai für fünf Tage nach Letovice“, so Bürgermeister Wolfgang Rodewald. Im Rahmen der Gedenkveranstaltung am 7. Mai soll dann auch von den „Freunden von Letovice“ ein Geschichtsbuch übergeben werden, das sich mit den Folgen des Nationalsozialismus in Letovice und Kirchlinteln befasst.

Hermann Meyer gab den Anwesenden einen kurzen Überblick zu diesem Projekt. Zum 80. Jahrestag der Okkupation der Tschechoslowakei durch das nationalsozialistische Deutschland soll ein zweisprachiges Buch (in Tschechisch und Deutsch) produziert werden. Eine Broschüre dazu soll zum 75. Jahrestag der Befreiung in Letovice am 7. Mai 2020 überreicht werden.

Die Partnerschaft beider Kommunen besteht seit 2003. Mittlerweile hat sich in Kirchlinteln ein Kreis der „Freunde von Letovice“ etabliert, der in Kürze als Verein ins Leben gerufen werden soll.

Neben vielen Austauschen zwischen Schülerinnen und Schülern besuchen auch Verwaltungsspitzen und Kommunalpolitiker sich gegenseitig. Seit fünf Jahren nehmen Kirchlintler regelmäßig an den Feierlichkeiten zum Tag der Befreiung in Letovice teil. Bürgermeister und Kommunalpolitiker legen dabei Kränze nieder.

Mit der Konfrontierung der schlimmen Auswirkungen der Okkupation durch Nazi-Deutschland, von 1939 bis 1945, wurde sich auf Kirchlintler Seite immer intensiver mit der Geschichte Letovices beschäftigt. Ein bislang unveröffentlichtes Manuskript eines Widerstandskämpfers wurde von tschechischer Seite den Kirchlintler Vertretern übergeben. In der Chronik der Stadt Letovice ist ebenfalls über den Widerstand und das Kriegsende ausführlich berichtet. Dazu sind viele Fotos in der Stadtchronik aus der Zeit des Kriegsendes vorhanden.

Das alles trug zu dem Wunsch bei, der Nachwelt und besonders den jüngeren Generationen beider Partnergemeinden diesen Teil der Geschichte in Buchform sowohl anschaulicher als auch mahnend näherzubringen. Geplante Seitenzahl ist 200 und die Auflage soll bislang 100 Stück betragen, je zur Hälfte sollen die Bücher an die beiden Schulen in Letovice und Kirchlinteln an die Schülerinnen und Schüler verteilt werden.

„Dieses Buch soll ein kleiner Beitrag zur Völkerverständigung und zum friedlichen Miteinander beider Kommunen und Staaten in einem freizügigen Europa sein. Die Vergangenheit war grausam. Unsere beiden Nationen müssen lernen, mit der Vergangenheit umzugehen und als unmittelbare Nachbarn miteinander in guten und freundschaftlichen Beziehungen zu leben“, sagte Meyer. Besonders Schülerinnen und Schüler sollen die Möglichkeit bekommen, sich eventuell sogar gemeinsam in Letovice vor Ort mit dem Thema Nationalsozialismus und dessen Auswirkungen auseinanderzusetzen.

Mit in dieses Buch aufgenommen werden sollen aber auch die Spuren der Schreckensherrschaft der Nazis in der Gemeinde Kirchlinteln. Drei Stolpersteine weisen auf Schicksale hin. Ein jüdisches Geschwisterpaar wurde 1941 nach Minsk deportiert und dort erschossen und ein Kirchlintler Sozialdemokrat wurde denunziert, weil er hungernden Zwangsarbeitern Brot gab. Die Gestapo steckte ihn für fast drei Monate in das „Arbeitserziehungslager“ Bremen-Farge. Als gebrochener Mann kam er wieder heraus und starb viel zu früh. Des Weiteren soll die schreckliche Geschichte der „Kinderverwahranstalt“ in Armsen mit ins Buch aufgenommen werden.

Ein Antrag auf Unterstützung des Buchprojekts durch den Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds wurde bereits mit 2 500 Euro positiv beschieden, so Meyer. Weitere Ko-Finanzierer seien die Gemeinde Kirchlinteln, Bürgermeister Rodewald, die Stadt Letovice und der SPD-Ortsverein Kirchlinteln. Ein weiterer Antrag sei an Wabe gegangen. Deren Sprecher Rudi Klemm habe sich bereits positiv geäußert, sich an diesem Projekt finanziell zu beteiligen, allerdings könne die Organisation nur Vereine unterstützen. Ebenso seien die beiden anderen im Gemeinderat vertretenen Parteien, CDU und Grüne, angefragt worden, ob sie sich finanziell beteiligen wollen.  hm

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