Zeugenaussagen im Missbrauchsprozess 

„Beim ersten Mal war ich zwölf“

Verden/Thedinghausen - In dem Missbrauchsprozess gegen einen 53 Jahre alten Angeklagten aus Thedinghausen wurden am Landgericht Verden die beiden Opfer und deren Eltern als Zeugen gehört. Die Brüder sind mittlerweile junge Erwachsene und sollen, so der Vorwurf, als Kinder von dem Angeklagten missbraucht worden sein.

Der 53-Jährige sitzt derzeit bereits in Haft. Er verbüßt eine Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern. Als Berufskraftfahrer hatte er seine Opfer mit auf seine Lkw-Touren genommen. Unterwegs hatte der Thedinghauser sich an den ihm anvertrauten Jungen vergangen.

Damals wie in dem aktuellen Verfahren waren die Opfer Kinder von Bekannten. Der Vater der beiden Brüder, die im aktuellen Fall Opfer geworden sein sollen, und der Angeklagte kennen sich seit vielen Jahren. „Zuletzt gesehen hatten wir uns 2008 oder 2009“, berichtete der Vater gestern als Zeuge. „Letztes Jahr im Januar habe ich ihn auf Facebook gefunden. Dann haben wir uns geschrieben. Alles ganz normal“, so der 54-Jährige. Als der Kontakt im April wieder abbrach, habe ihm das keine Ruhe gelassen.

„Irgendwann hat seine Frau mir geschrieben, dass er einen schweren Lkw-Unfall hatte“, so der Zeuge. Er habe wissen wollen, wie es ihrem Mann geht, und die Frau habe einem Treffen zugestimmt. Erst sei sie seinen Fragen ausgewichen. „Dann hat sie gesagt: Er sitzt in der JVA Bremervörde.“ Das Urteil „sexueller Missbrauch von Kindern“ würde aber nicht stimmen, sondern sei nur so eine „Mobbinggeschichte“.

Als der Vater abends seiner Ehefrau davon erzählte, war einer der Söhne dabei. Die Eltern erinnerten sich, dass er genauso wie sein Bruder als Kind bei dem Angeklagten mitgefahren war. Zunächst verneinte der Sohn, dass etwas passiert sei. Dann offenbarte er sich der Mutter in einer Whatsapp-Nachricht: „Mama, ich habe es eben nicht über die Lippen bekommen.“ Dann berichtete er von den Taten. „Ich habe nie etwas gesagt, weil ich nicht wollte, dass Papa ihm etwas antut und in den Knast muss“, so seine Erklärung. Am nächsten Tag offenbarte sich auch der Bruder.

13 Tage später erstatteten sie Strafanzeige. „Es hat einige Zeit gebraucht, um das zu realisieren“, sagte die Mutter gestern vor Gericht. In den Tagen dazwischen hätten sie als Familie viel darüber gesprochen und entschieden, sich Hilfe zu holen. Sie kontaktierten die Verdener Rechtsanwältin Ines Landwehr. Als Nebenklagevertreterin vertritt sie die Söhne in dem Prozess.

Eine Aussage vor Gericht konnte sie der Familie nicht ersparen, denn der Angeklagte schweigt zu den Vorwürfen. Insbesondere dem älteren Bruder fiel die Aussage extrem schwer. Er wurde von einer Mitarbeiterin der Stiftung Opferhilfe begleitet. „Das erste Mal da war ich so Zwölf“, berichtete er und schilderte dann die verschiedenen Taten. Laut Anklageschrift sind es sechs Ereignisse, die ihn betreffen, und eine bei seinem Bruder.

Die Zeugen haben ihre Aussage überstanden. Der Prozess wird kommende Woche fortgesetzt. 

wb

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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