Einzelhandel leidet unter Corona-Auflagen / Längere Öffnungszeiten noch nicht angenommen

„Bei allem eine Schippe drauflegen“

Schmuck geht immer. Bei Juwelier Schmitz spüren die Mitarbeiter zurzeit eher Zurückhaltung.
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Schmuck geht immer. Bei Juwelier Schmitz spüren die Mitarbeiter zurzeit eher Zurückhaltung.

Verden – Das erste Adventswochenende mit längeren Öffnungszeiten und einer herausgeputzten Verdener Innenstadt ist vorbei. Doch wie ist es gelaufen, ohne Weihnachtsmarkt, Glühwein und eine Verschnaufpause im Café oder Restaurant? Durchwachsen je nach Angebot. Das ergab eine kleine Umfrage in den Geschäften zwischen Nordertor und Dom.

Für Anke Lehmkuhl, Inhaberin der Buchhandlung Vielseitig, war es ein guter langer Samstag. Aber sie rechnet für den dritten und vierten Advent mit weitaus mehr Kundschaft. „Das war jedes Jahr so.“ Sie hat zudem beobachtet, dass sich einige Kunden bewusst früher auf die Suche nach Weihnachtsgeschenken gemacht haben. „Aus Angst davor, dass auch noch die Geschäfte geschlossen werden müssen.“ Über den Ladentisch ging schon vielfach der neue Wälzer von Ken Follet, aber auch Bücher, die sich mit Politikern oder Politik beschäftigen, seien dieses Jahr sehr beliebt bei den Kunden.

Nicht ganz so zufrieden ist Beate Niepel im Bekleidungsgeschäft Reuter fashion & shoes. Bis 16 Uhr sei Betrieb gewesen, danach sei niemand mehr gekommen. Überhaupt hätten es die Bekleidungsgeschäfte in diesem Jahr sehr schwer. „Manche kommen und gucken, winken dann aber ab, weil sie ja eigentlich gar nichts bräuchten.“ Außerdem gäbe es ja auch so gut wie keine gesellschaftlichen Anlässe mehr, für die man sich passend kleiden möchte.

Ähnlich geht es Petra Warnke im Schuhhaus Rose. „Schuhe werden zu Weihnachten ja kaum verschenkt, höchstens mal Hausschuhe. Aber zum neuen Festtagskleid braucht man auch die passenden Schuhe.“ Das Geschäft werde eher dann aufgesucht, wenn sich das Wetter ändert. Für die warmen Winterstiefel müsse es richtig kalt werden. Überhaupt sei die Situation verfahren, findet Warnke. Die Leute durch besondere Aktionen in die Geschäfte zu locken, sei angesichts der geltenden Abstandsregeln eigentlich ja gar nicht gewollt, ebenso wenig wie überfüllte Einkaufsstraßen.

Genau wie sie bedauert Sigrid Hantelmann die Situation. Auch ihr Geschäft mit Wohnaccessoires hat an den Adventswochenenden bis 18 Uhr geöffnet. „Richtig gut lief es aber nur bis 14 Uhr, danach wurde es deutlich weniger. Es muss sich wohl erst herumsprechen, dass die Geschäfte länger geöffnet haben.“ Was sie sehr schade findet, ist, dass sie ihre Kunden nicht für eine kleine Pause auf einen Kaffee einladen kann. Denn dafür möchte sich das Geschäft bei jenen bedanken, die ihre Weihnachtsgeschenke nicht im Internet bestellen. „Wir haben viele Kunden, die sehen und anfassen wollen.“ Was sie freut: „Alle sind sehr diszipliniert, tragen ihre Masken und halten ohne Aufforderung auch im Geschäft immer den nötigen Abstand.“

Ein paar Häuser weiter, bei Juwelier Schmitz, haben sich die Kunden eher zurückgehalten. Auch dieses Geschäft hat an den Sonnabenden vor Weihnachten bis 18 Uhr geöffnet. Die Mitarbeiter spüren jedoch, dass sich die Menschen zurückhalten: „Weil sie nicht wissen, was die Zukunft bringt“. Lore Seidler: „Halsketten sind dieses Jahr gefragter als Uhren oder Ohrstecker, aber auch Trauringe haben wir verkauft.“ Auch hier setzt man auf die kommenden langen Samstage. „Je näher Weihnachten rückt, umso besser läuft das Geschäft.“

Bei Kolossa, Bekleidungsgeschäft für Damen- und Herrenmode, hat man sich was einfallen lassen. Jens Zimmermann, verantwortlich für die Filiale, ist „entsprechend den Rahmenbedingungen komplett zufrieden“. „Wir haben Vorteilstage für Stammkunden, und hatten am Sonnabend sogar bis 19 Uhr geöffnet. Für alle hatten wir beim ,Black Weekend" Rabatte eingeräumt.“ Und das habe sich gelohnt. Natürlich könne man sich nicht zu hundert Prozent aufs Vorjahr beziehen, „aber wir stehen positiv da“. Das Geschäft habe dafür aber auch sehr viel mehr Werbung machen müssen als sonst. „Wir sind in den Social Media noch präsenter.“ Alles in allem müsse man bei den Aktionen noch eine Schippe drauflegen. Gefragt seien zurzeit vor allem warme Winterjacken.

Bei Lille, einem Damenmodegeschäft am anderen Ende der Fußgängerzone, ist man eher enttäuscht vom ersten langen Samstag in der Adventszeit. Am Nachmittag sei so gut wie kein Betrieb mehr in der Stadt gewesen, sagt Birgit Luttmann. Sie hat auch nicht vor, grundsätzlich bis 18 Uhr zu öffnen. „So ab 16 Uhr reißt das komplett ab.“ Aber sie ist flexibel und bleibt, so lange Kunden kommen. „Im vergangenen Jahr war hier durch den Weihnachtsmarkt viel mehr Betrieb. Davon haben wir profitiert.“ Erfahrungsgemäß sei das erste Adventswochenende aber sowieso nicht das umsatzstärkste. Am dritten und vierten werden wir wohl auch bis 18 Uhr öffnen. Aufgefallen sei ihr, dass viele Kunden schon einmal gucken und sich inspirieren lassen, um nicht auf den letzten Drücker durch die Geschäfte laufen zu müssen.

Ganz in der Nähe befindet sich das Bekleidungsgeschäft Tutto Bene. Auch dort wird vorerst der lange Samstag um 16 Uhr enden, anders bei Hold. Hier hat man sich entschlossen, grundsätzlich bis 18 Uhr zu öffnen, egal, wie voll oder leer es in der Stadt ist. Auch Aktiv Sport 2000 wird bis Weihnachten an jedem Sonnabend bis 18 Uhr geöffnet haben. Aber auch dort blieben die Kunden zurückhaltend. Wie viele andere Geschäfte auch, rechnet man mit mehr Umsatz je näher Weihnachten rückt.

Von Erika Wennhold

„Anfassen und sehen wollen ihre Kunden“, sagt Ingrid Hantelmann, die ihnen gerne einen Kaffee zum Verschnaufen anbieten würde.
Komplett zufrieden ist das Bekleidungsgeschäft Kolossa mit dem ersten Adventswochenende. „Aber man muss sich etwas einfallen lassen“, sagt Jens Zimmermann.

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