Brief aus dem Bauamt

Verden: Levant stoppt Konzertserie

Mann in leerem Biergarten
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„Dann bleibt die Terrasse geschlossen“: Levant-Inhaber Said Khalil in seinem Außenbereich.

Verden – Als eine spezielle Mischung aus Blues und Funk war es angekündigt. Das Hilly Hobo Duo verhieß ein besonderes Ohren-Erlebnis auf der kleinen Bühne hinter dem großen alten Fachwerk-Haus. Es sollte ungefähr die Halbzeit markieren in der dritten Saison mit Live-Konzerten im Verdener Restaurant Levant. Tatsächlich war es das letzte zumindest für diesen Sommer.

„Wir brechen die Serie ab“, sagt Inhaber Said Khalil. Gleichzeitig erhebt er schwere Vorwürfe gegen die Stadtverwaltung und löst damit ein lebhaftes Echo in den sozialen Medien aus. So heftig, dass sogar die Bauverwaltung im Rathaus entgegen sonstiger Gepflogenheiten mit einem eigenen Post reagiert.

Er hatte weder Kosten noch Mühen gescheut und sogar die Unwägbarkeiten der Witterung einbezogen. „4 000 Euro habe ich für eine bessere Aufenthaltsqualität im Außenbereich in die Hand genommen“, sagt Khalil. Im Frühjahr war das, damals, als die Gastronomie nach dem langen Lockdown die ersten Fühler in Richtung Gäste ausstreckte. „Zuerst war nur Außengastronomie erlaubt. Darauf haben wir reagiert.“ Eine üppige gepflasterte Fläche liegt hinter dem Lokal. Nach ein paar Tagen war daraus mit mehreren aneinander gestellten Pavillons ein überdachtes Refugium geworden. Erste Konzerte gingen geschützt von Regen über die kleine und ebenfalls mit einer Folie überbaute Bühne. Khalil sah sich auf der sicheren Seite. „Wir haben alle Corona-Regeln eingehalten.“

Mitten in den Countdown zu einem der Höhepunkte der Veranstaltungsreihe, zum Kinderfest, das für das erste Augustwochenende angesetzt war, platzte dann ein Schreiben aus dem Rathaus. „Bauaufsichtliche Anordnung gemäß Paragraf 79 Absatz 1 der Niedersächsischen Bauordnung“ hieß es fett gedruckt in dem Schreiben, und das klingt nicht nur nach Freundschaftsdienst. Für Khalil brach eine Welt zusammen. „Da läuft irgend etwas im Hintergrund. Seit drei Jahren bespielen wir die Terrasse, jetzt soll urplötzlich Schluss sein.“ Und das, obwohl er sich sogar an der Innenstadt-Offensive beteiligt habe, an den Online-Sitzungen, in denen Laden- und Lokal-Inhaber gemeinsam mit der Stadtverwaltung und der Politik einiges an Ideen auf den Weg brachten zur Wiederbelebung der sogenannten Guten Stube Verdens. Khalil: „Das hörte sich noch alles so an, als sei jeder aufgefordert, an einer Rückkehr der Verden-Besucher mitzuarbeiten.“

Konkret war der Levant-Inhaber in der Anordnung aufgefordert, das Zelt auf dem Parkplatz zu entfernen, und zwar unverzüglich. Bis zum Abbau des Regenschutzes sei die Nutzung des Parkplatzes unzulässig. Darauf reagierte das Levant drastisch in sozialen Medien: „Die Stadt Verden ist der Meinung, dass wir die Terrasse nicht mehr bewirtschaften sollen. Keine Terrasse, keine Live-Musik. Live-Musik-Konzerte nur noch bis Ende Juli. Ab August keine Live-Konzerte mehr.“ Die Nachricht war kaum gepostet, da setzte auch schon der Shitstorm ein. Kann sich jeder ausmalen, welche Vokabeln die Runde machten.

Die Stadtverwaltung reagierte darauf mit einem eigenen Post folgenden Inhalts: „Die Bauaufsichtsbehörde hat dafür zu sorgen, dass bauliche Anlagen so angeordnet, beschaffen und für ihre Benutzung geeignet sind, dass die öffentliche Sicherheit, insbesondere Leben und Gesundheit nicht gefährdet werden. Aus diesem Grunde hat sie nach pflichtgemäßem Ermessen die Beseitigung einer aus Holzlatten, Kabelbindern, Paketband und Metallleisten konstruierte Zeltanlage, deren Standsicherheit angezweifelt werden musste, zum Schutze der Restaurantgäste und der Passanten auf dem angrenzenden Fußweg angeordnet. Die Beseitigungsverfügung erging darüber hinaus aus Gründen des Brandschutzes sowie des Denkmalschutzes. Zuvor hatte der Betreiber der Gastronomie im Rahmen einer Anhörung Gelegenheit, die baulichen Anlagen ohne entsprechende Verfügung zu beseitigen.“

Fachbereichsleiterin Birgit Koröde geht auf Nachfrage sogar noch weiter. „Eigentlich ist eine genehmigungsfreie Außengastronomie nur bis 100 Quadratmeter gestattet. Beim Levant wurde ohnehin in diesem Jahr aufgrund der Corona-Lage eine Ausnahme gemacht, hier sind es 170 Quadratmeter, auf die sich die Freiluft-Gastronomie erstreckt.“

Darüber hinaus könne sie damit leben, so Koröde, dass dieser Bereich eigentlich nicht als Biergarten deklariert sei, sondern als Parkplatz: „In der näheren Umgebung stehen ausreichend Abstellflächen zur Verfügung. Da kann man es hinnehmen, dass für einen überschaubaren Zeitraum ein paar wenige Parkplätze weggefallen sind.“

Said Khalil ist mit diesen Aussagen nicht zu beruhigen. „Ich habe das Gefühl, man will uns hier weghaben.“ Dabei sei sein Angebot doch nur gut gemeint. „Die Künstler haben sich gefreut, sie müssen hier nicht mit dem Hut rumgehen, sondern können nach dem schweren Lockdown auf eine feste Gage vertrauen.“ Und, so der Levant-Inhaber: „Gestört haben wir niemanden. Jedenfalls sind nie Anlieger-Klagen eingegangen.“

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