Mit dem Behindertenbeirat über den Verdener Weihnachtsmarkt

Mit andern Augen gesehen

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Tour über den Weihnachtsmarkt: Kathrin Woltert und Dieter Eggert vor dem Hinweis auf die Behindertentoilette.

Verden - „Ein gesunder Mensch sieht das nicht.“ Dieter Eggert hat Verständnis dafür, dass die alltäglichen kleinen oder großen Probleme von Menschen mit Behinderungen nicht jedem ständig präsent sind. Umso wichtiger ist es dem Vorsitzenden des Vereins Behindertenbeirat Verden, darauf hinzuweisen, wo die Teilhabe von Gehandicapten eingeschränkt wird. Für den Verdener Weihnachtsmarkt fällt Eggerts Bilanz eher positiv aus.

Erstmals hat der Verein Veranstaltungen für Verden für die Besucher des Weihnachtsmarkts den roten Teppich ausgerollt. Und das hat sich zumindest aus der Sicht des Behindertenbeirats gelohnt. Für Gehbehinderte und Rollstuhlfahrer seien Kabelstränge und Schläuche weniger Barriere.

„Auch die Geschäftsleute sind zufrieden“, weiß Kathrin Woltert. Die Sprecherin des Vereins, der den Weihnachtsmarkt im Auftrag der Stadt organisiert, hatte sich mit Dieter Eggert zu einer Tour durch die Budenstadt mit Bühne und Karussell gemacht. Seit einem halben Jahr ist sie mit der Organisation der kleinen Marktmeile beschäftigt. Sie musste die Vorgaben der Stadt ebenso wie die Bedürfnisse der Beschicker berücksichtigen und beim Aufbau all die kleinen Probleme lösen, mit denen niemand gerechnet hatte.

„Wir haben in den vergangenen Jahren viel gelernt“, erklärt Woltert. Bei Null fangen die Weihnachtsmarktplaner also nicht an, wenn sie schon im Sommer bei den Beschickern anfragen. Wenn die Rückmeldungen eintreffen, kann die Planung für die Platzierung der Stände vor dem Rathaus anlaufen. „Diesmal haben wir vier verschiedene Pläne vorbereitet“, erinnert sich Woltert. Vorgabe sei etwa gewesen, dass eine Rettungsgasse eingehalten wird, dass die Geschäfte nicht nur erreichbar sind, sondern auch zwischen Buden und Ladenzeile ausreichend Platz ist. Für Rollstühle, aber auch für Kinderwagen. Die Pläne musste der Verein dann dem Marktmeister und Ordnungsamtsleiter der Stadt, Rüdiger Nodorp, vorlegen und genehmigen lassen. „Für uns ist das auch gut, weil wir damit Argumente haben, wenn es mit den Beschickern mal hakt.“

Für die Planer also eine ganze Menge zu bedenken, bis der Glühwein dann wirklich heiß ist und Chris Reas „Driving home for Christmas“ aus dem Lautsprecher schallt.

Jetzt, in Begleitung von Dieter Eggert, sieht Kathrin Woltert das stimmungsvolle Ergebnis all ihrer Bemühungen mit ganz anderen Augen. Aus der Perspektive des Besuchers, der in seinem Rollstuhl auf dem Weihnachtsmarkt zurecht kommen muss, eben.

Aber auch bei diesem Stresstest kann sich der Weihnachtsmarkt sehen lassen. Eigentlich sieht der Sprecher des Behindertenbeirats keine größeren Probleme, die Menschen mit Einschränkungen die adventliche Stimmung vor dem Rathaus vermiesen könnten. Selbst an die behindertengerechte Toilette ist gedacht. An zentraler Stelle, auf dem Podest, an der fast lebensgroßen Weihnachtskrippe ist auch der Hinweis angebracht, wo die zu finden ist. Für eilige Fälle, ist Eggerts einzige Anregung, wären ein paar weitere Hinweisschildchen vielleicht besser.

kle

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