Luise Scherf eröffnet Ausstellung „Unsichtbare Opfer“ / Lesung von Amnesty-Mitgliedern

Bedrückende Szenen von Folter und Flucht

Henning Seiffert, Barbara Malzan, Ulrike Leim und Annette Vajen (v.l.) lesen aus dem Roman von Martin Kohan „Zweimal Juni“.

Verden - Zur Veranstaltungsreihe „Lateinamerika“ des Förderkreises der Stadtbibliothek gehört auch die Fotoausstellung in der Stadtbibliothek „Unsichtbare Opfer – Migrantinnen und Migranten auf ihrem Weg durch Mexico“ von Amnesty International. Am Dienstagabend wurde die Ausstellung vom langjährigen Amnesty-Mitglied Luise Scherf aus Bremen eröffnet. Zuvor gab es eine szenische Lesung von Amnesty Mitgliedern aus dem Roman „Zweimal Juni“ des argentinischen Journalisten Martin Kohan.

Der Roman spielt in der Zeit um die Fußball-WM 1978 und 1982 in Argentinien und Spanien. Doch der Fußball spielt in dem Buch keinesfalls die Hauptrolle. Die Szenen, die sich um den Fußball drehen, dienen hauptsächlich dazu, den Kontrast zu den schrecklichen Vorgängen in den Foltergefängnissen Argentiniens noch plastischer hervortreten zu lassen. Bedrückende Intensität gewann die Lesung zudem dadurch, dass Annette Vajen, Ulrike Leim, Barbara Malzan und Henning Seiffert in die Rollen der Charaktere schlüpften.

Der Roman ist aus der Perspektive eines Rekruten geschrieben, der kurz nach seiner Einberufung zum Wehrdienst Zeuge von Folter wird. Als er im Benachrichtigungsbuch auf die Frage seines Feldwebels stößt, ab wieviel Jahren man ein Kind „folltern“ könne, ist er entsetzt – nicht wegen der Tatsache an sich, sondern wegen der falschen Rechtschreibung. Auch Fachgespräche unter den Ärzten, die beschließen, mit Stromschlägen und Untertauchen lieber etwas zu pausieren, damit die Gefangenen als Informationsquelle am Leben bleiben, lassen den obrigkeitshörigen Rekruten kalt.

Schwer zu ertragen für den Zuhörer sind die Szenen, in denen von der schwangeren Gefangenen berichtet wird, die gefoltert wird und schließlich im Gefängnis ihr Kind zur Welt bringen muss. Sie ist es auch, die den Rekruten später verzweifelt bittet, einfach nur anonym ihren Anwalt anzurufen, um sie und ihr Kind zu retten. Doch auch hier tut der Rekrut als höre er nichts.

Luise Scherf eröffnet die Ausstellung. - Foto: Haubrock

Nach der Lesung eröffnete Luise Scherf die Ausstellung. Die Frau des ehemaligen Bremer Bürgermeisters engagiert sich seit dem Jahr 1968 für Amnesty International. „Die Menschen, die auf den Fotos abgebildet sind, fliehen nicht vor Folter, sondern vor Armut und Gefahr“, sagte sie. Die Bilder der Ausstellung zeigen Frauen und Männer aus Honduras, Guatemala und El Salvador, die versuchen, über Mexiko in die USA zu gelangen. Begleittexte liefern die Erklärung zu den Szenen. Da gibt es Menschen, die auf ein besseres Leben hoffen und unter Lebensgefahr auf Dächern von Zügen Richtung Norden mitfahren.

Berichtet wird von einer jungen Mutter, die vom Zug überrollt wird und beide Füße verliert. Zu sehen sind Migrantinnen, die an den Gleisen warten, um anderen zu helfen. Die Texte erzählen von Frauen, die auf der Flucht Opfer von sexueller Gewalt werden.

„Ich glaube, dass diese Ausstellung der stete Tropfen ist, der den Stein höhlt und hilft, das Thema den Leuten näherzubringen“, so Scherf. Sie sei erleichtert darüber, dass es in Deutschland viele Menschen gibt, die finden, dass das Recht auf Asyl ein Menschenrecht ist. Zwar würden AfD und Pegida die Schlagzeilen besetzen, aber es gebe doch die weit verbreitete Einstellung, dass man etwas für die Flüchtlinge tun kann. „Eine Lösung habe ich nicht, die hat keiner. Aber man kann in kleinen Schritten etwas tun, das ist besser als nichts“, betonte Scherf.“ - ahk

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