Nur noch „Nachverdichtung“ möglich

Bauland: Verdener Stadtgebiet leergefegt - Kosten betragen zu 300 Euro pro Quadratmeter

Die neuen Wege sind weithin sichtbar: Das Baugebiet unweit der Berufsbildenden Schulen hat Konturen gewonnen. Wer hier allerdings auf ein Schnäppchen wartet, der ist zu spät. Alle Bauplätze sind vergeben.
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Die neuen Wege sind weithin sichtbar: Das Baugebiet unweit der Berufsbildenden Schulen hat Konturen gewonnen. Wer hier allerdings auf ein Schnäppchen wartet, der ist zu spät. Alle Bauplätze sind vergeben.

Verden – In Hutbergen, klar, da gebe es noch einen freien Bauplatz. Er sei zwar eher für ein Mehrfamilienhaus gedacht, aber er sei eben auch Beleg dafür, dass es Platz fürs Haus mit Garten noch gebe. Jasmin Schroer ist im Verdener Rathaus für die Immobilien zuständig. Und damit für eines der begehrtesten Güter gegenwärtig. Für Bauland. Zumindest laufen bei ihr die Anrufe auf. Wo sie denn ein Fleckchen Erde für ihr neues Häuschen finden können, fragen Interessenten. Schroer macht dann gute Miene zum schwierigen Spiel. Der Markt in der Stadt Verden ist leergefegt wie selten zuvor.

Erst kürzlich hatte die Politik der Allerstadt wieder ein ordentliches Stück brauner Krume freigegeben. Rund 40 Bauplätze in Neumühlen unweit der Berufsschule. Das muss doch erstmal reichen, hieß es optimistisch. Ab etwa Oktober dürfen frischgebackene Grundstücksbesitzer beginnen, ihren Traum von eigenen vier Wänden zu verwirklichen. Also bei der vermarktenden Niedersächsischen Landgesellschaft nachgefragt. Vielleicht geht da noch was. Aber NLG-Geschäftsführer Torsten Hoins schmunzelt nur noch. „Alle Grundstücke sind längst vergeben“, sagt er. Dann eben auf die Warteliste. Vielleicht springt ja noch jemand ab. Aber der Vermarkter runzelt erneut die Stirn. „Sorry, die Liste ist lang. Sehr lang.“

Die Aussicht auf Erschließung eines nächstens Baugebietes bleibt vage. Auf lange Sicht sei an Ausweitungen beispielsweise in Neumühlen gedacht, heißt es aus dem Rathaus. Aber das sei Zukunftsmusik. Dem Vernehmen nach habe die Stadt noch keinen Zugriff auf die benötigten Flächen. Zwar würden immer mal wieder Verhandlungen mit Grundstückseigentümern geführt, aber eine Einigung sei halt nicht erzielt. Und ob es überhaupt noch dazu komme, sei auch noch die Frage.

Zwischenzeitlich verweist die Stadtverwaltung auf die sogenannte Nachverdichtung. „Große Grundstücke, manchmal schon seit Jahrzehnten bebaut, sie werden geteilt“, sagt Schroer. Eine Variante, die die Landschaft schont. Allerdings werden auch angehende Häuslebauer immer pfiffiger. „Sie haben sich selbst auf die Suche begeben“, heißt es aus dem Rathaus, „wir erhalten oftmals erst nach Unterschrift unter den Kaufvertrag Kenntnis von einem dieser gesuchten Grundstücke.“ Ähnlich verhält es sich mit Flächen im Lindenquartier auf dem ehemaligen Kasernengelände am Brunnenweg. „Sukzessive werden dort Baugrundstücke erschlossen und oftmals gleich vergeben.“

Derweil klettern die Quadratmeterpreise ins Uferlose. 160 Euro sind selbst in Verdener Ortsteilen keine Spitzenpreise mehr. Und in ausgesuchten Lagen scheuen Interessierte zuweilen nicht vor 300 Euro zurück.

Schnäppchen sind allerdings die frisch parzellierten Flächen unweit der Berufsbildenden Schulen ebenfalls nicht. Zwischen 180 und 195 Euro sind pro Quadratmeter auf den Tisch des Hauses zu blättern. Je Bauplatz summieren sich schnell mal 100 000 Euro, wie die NLG errechnete. Und dann kommen noch die Kosten fürs Wohnhaus hinzu, die sich schnell mal zu einer Viertelmillion Euro türmen können.

Von der Resonanz auf das Baugebiet Neumühlen hatten Immobilien-Fachleute wichtige Fingerzeige auf die kommende Nachfrage-Entwicklung erwartet. Es ist die erste Fläche, die unter Corona-Bedingungen veräußert wurde. Zuletzt kannten die Erlöse nur eine Richtung: Sie stiegen. Während die verkaufte Fläche kreisweit vergangenes Jahr sogar fiel, von 79 auf 71 Hektar, so der Gutachterausschuss des Katasteramtes, stieg der Umsatz noch einmal an. Von 47,5 Millionen Euro auf 48,3 Millionen. Und eine Trendwende sei nicht in Sicht, hieß es vor der Corona-Krise. Damals war die Kalkulation simpel, so Ausschuss-Vorsitzender Gerd Ruzyzka-Schwob: „Solange die Zinsen niedrig bleiben, dürften die Preise weiter steigen.“ Inzwischen gilt als sicher: „Aufgrund der enormen Staatsverschuldung bleiben die Zinsen sehr lange sehr niedrig.“

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