SERIE KRIEGSENDE UND NEUANFANG (TEIL 7 UND SCHLUSS): Heinz Bischoff kauft einen Anzug

Eisseler Geschichte: Bares Geld nach Bergung des Bombers

Abenteuer erfolgreich abgeschlossen: Vom Geld, dass der Schrotthändler für die Bergung des Bombers zahlte, kaufte sich Heinz Bischoff einen Anzug mit Hut.
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Abenteuer erfolgreich abgeschlossen: Vom Geld, dass der Schrotthändler für die Bergung des Bombers zahlte, kaufte sich Heinz Bischoff einen Anzug mit Hut.

Verden-Eissel – Alles schien nach Plan zu laufen. Die beiden Jugendlichen, Wolfgang Förster und Heinz Bischoff, hatten nach mehreren Tauchgängen im Eisseler See die Wrackteile eines Bombers am Haken. Es war Sommer Anfang der 1950er-Jahre. Doch dann brach der Ast, an dem das Seil mit Flaschenzug und alle Träumen auf einen kleinen Reichtum hingen.

So ein bisschen muss Heinz Bischoff schmunzeln, wenn er die Bilder an den Tauchgang, gemeinsam mit seinem Freund und Cousin Wolfgang Förster, vor Augen hat. Er und sein Kumpel mit Badehose, am Ufer ein wenig Publikum, und natürlich sein Vater, Fritz Bischoff, mit dem Schrotthändler, die ebenfalls mit den Jungen auf ein erfolgreicher Fang hofften. „Einzelne Wrackteile kamen bereits an die Oberfläche, und dann das mit dem Ast“, erzählt Bischoff. Aber es wurde umgehend gehandelt. Den Flaschenzug gepackt, wurde das Werkzeug flugs an einem anderen Ast befestigt. Und das Holz sollte dieses Mal halten.

Eisseler See: Immer mehr Wrackteile des Bomber an der Oberfläche

Immer mehr Wrackteile holten die Männer und Jugendlichen an die Wasseroberfläche. „Vereinzelt waren Teile des Bombers beim Anheben abgebrochen“, schildert Bischoff. Die Gruppe machte sich nun eifrig ans Werk, um den ehemaligen Flieger weiter zu zerlegen. Noch auf dem Wasser arbeiteten Bischoff und Förster Hand in Hand. Mit Eisensägen, die der Schrotthändler ihnen reichte, machten die Handwerker die Tragflächen aus wertvollem Aluminium transportfähig. Am Seeufer hatte der Schrotthändler sein Fahrzeug geparkt. „Ein Dreiradauto mit Pritsche, auf der wir unseren Fund bequem verstauen konnten“, so Bischoff. Der Schrotthändler schien hochzufrieden, ermutigte die Jungen zu weiteren Tauchgängen. Wieder muss Bischoff bei der Erinnerung daran schmunzeln: „Je mehr Metall wir an die Oberfläche holten, desto größer war natürlich sein Gewinn – unser aber auch!“

Heinz Bischoff beim Studium der Ortschronik Eissel.

Was die Taucher an Land zogen, hatte es durchaus in sich. „Neben Wrackteilen bin ich mir ganz sicher, dass wir auch einen Motor des B17 Bomber geborgen haben“, erzählt Bischoff. „Daran gibt es keinerlei Zweifel.“ Und: „Die B17 hatte an jeder Tragfläche vier Motoren, vielleicht liegt ja noch heute einer im See?“.

Nach Bremen mit dem Pritschenwagen voller Metall

Die Tauchgänge, die damit verbundenen körperlichen Anstrengungen, das Abenteuer, es sollte sich auf jeden Fall lohnen. Der Schrotthändler wollte mit seinem vollgepackten Pritschenwagen, auch ein Hänger hing noch hintendran, ebenfalls voll mit Wrackteilen, nach Bremen. Alleine konnte der Mann das Geschäft nicht abwickeln, also saß Heinz Bischoff mit im Auto, um beim Entladen zu helfen. Für den Jugendlichen ein Erlebnis. Die Straßen, auch infolge des Krieges noch vielfach schlecht, rumpelte der Pritschenwagen Richtung Bremen und kam nur langsam voran. „Es waren immer Tagesreisen“, erzählt Bischoff.

Blickten gemeinsam auf ihre Abenteuer zurück: Heinz Bischoff und Wolfgang Förster (r.).

Aber der Einsatz sollte sich lohnen. „Der Schrotthändler zahlte gut und wir konnten uns von dem Geld einiges leisten“, so Bischoff. Und, was gab’s? „Mit dem ersten Geld kaufte ich mir einen schicken Anzug und Hut“, lacht Bischoff. Auch das hat er bis heute nicht vergessen.

Der Eisseler See war Treffpunkt vieler Jugendlicher aus der Ortschaft und umzu.

Mit diesem Erlebnis schließt die Serie, die mit der Ausweisung der Waldenburger im Jahre 1946 aus Schlesien begonnen hatte. Heinz Bischoff zog mit seiner Familie Ende der 1950er-Jahre nach Bremen. Er ging nach seiner Ausbildung einen erfolgreichen Weg in der Versicherungsbranche. Heute lebt er in Uphusen.

Der Eisseler See war Treffpunkt vieler Jugendlicher aus der Ortschaft und umzu.

Von den insgesamt 60 Erwachsenen und Kindern, die damals aus der Cochiusstraße in Waldenburg ausgewiesen wurden, leben heute noch vier, darunter Bischoffs Schwester Rosemarie und Bischoffs Freund und Cousin Wolfgang Förster. Bei regelmäßigen Treffen werden die alten Erinnerungen gerne aufgefrischt, und schließen häufig mit dem Satz: „Eissel, das war unsere schönste Zeit“, erzählt der 85-Jährige. Seine Geburtsstadt Waldenburg in Niederschlesien hat der 85-Jährige nach der Ausweisung nicht wieder besucht. „Daran gedacht ja, aber die politischen Verhältnissen waren über Jahre hinweg schwierig – und dann ist es dabei geblieben.“

Nach dem plötzlichen Tod seiner Frau im vergangenen Jahr pflegt Bischoff nach wie vor einen ganz besonders engen Kontakt zur Familie seines Sohnes und den beiden Enkeln in den USA. Bischoff: „Sie sind immer ganz gespannt, was über mich in der Zeitung steht und staunen immer wieder, was ihr Opa damals alles erlebt hat.“

Info

Heinz Bischoff hat nach der Ausweisung seiner Familie aus Schlesien bis in die 1950er-Jahre in der Ortschaft Eissel in Verden gelebt. In unserer kleinen Serie schilderte er seine Erlebnisse.

Günter Palm, ebenfalls in Eissel aufgewachsen und auch Verfasser der Dorfchronik Eissel, arbeitet an einem Buch, in dem das Zeitgeschehen aus der Epoche des Dorfes ausführlich aufgearbeitet werden soll.

In den Nachkriegsjahren zählte Eissel 307 Einwohner, davon 169 Einheimische und 138 Flüchtlinge (Stand 1948).

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