Baustelle des Trinkwasserverbandes an der K 27 sorgt für Empörung

„Bäume sind öffentliches Eigentum“

Wolf Nürnberg spricht von Fahrlässigkeit beim Anblick der freigelegten Wurzeln.
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Wolf Nürnberg spricht von Fahrlässigkeit beim Anblick der freigelegten Wurzeln.

Verden – Wolf Nürnberg kann sich gar nicht mehr beruhigen: Seit er beobachtet hat, wie die Erdarbeiten für die Verlegung der neuen Wasserleitung entlang der Kreisstraße 27 durchgeführt wurden, hat er schon alle Hebel in Bewegung gesetzt, aber nicht wirklich etwas erreicht. „Ich konnte zuerst gar nicht glauben, was ich da sah. Jeder ausgebildete Rohrleger im Tiefbau weiß, dass er sich im Kronenbereich eines Baumes in einem sehr kritischen Bereich befindet.“ Wenn sich die Wurzeln eines Baumes ungefähr so weit ausgebreitet hätten, wie die Abmessungen der Krone sind, müsse man sich sehr umsichtig an den Wurzelbereich herantasten. Wolf Nürnberg hat das selber einmal gelernt, als er in der Ausbildung war. „Eventuell abgerissene Wurzelenden müssen mit einem scharfen, speziellen Messer sauber abgeschnitten werden. Bei größeren Wurzeldurchmessern muss die Schnittstelle außerdem mit einem speziellen Wundmittel behandelt werden.“ Eine solche Behandlung sei an der Baustelle in Eissel aber nicht zu erkennen gewesen.

Schon vor Wochen hatte sich Landschaftsarchitekt und zertifizierter Baumkontrolleur Björn Petersen bei der Verdener Aller-Zeitung gemeldet, um auf Missstände im Bereich der Baustelle hinzuweisen. Es seien keine Baumschutzmaßnahmen zu erkennen und es fehlten Stammschutzeinrichtungen. Maschinen, Container und Material seien auf dem Wurzelbereich ohne Schutzmaßnahmen abgestellt worden. „Im Wurzelbereich werden Wurzeln durchbaggert und abgerissen, eine ordnungsgemäße Versorgung von Wurzeln findet hier nicht statt.“ Petersen befürchtet, dass sich spätestens in zwei bis drei Jahren die Beschädigungen bemerkbar machen: „Beim nächsten Sturm könnten die Bäume durch Wurzelfäule und vermehrte Totholzbildung umkippen.“ Er appellierte an die für diese Baustelle Verantwortlichen, den Schaden zu begrenzen. Schließlich seien die Bäume öffentliches Eigentum.

Offensichtlich ist nichts passiert. Stefan Hamann, Geschäftsführer des Trinkwasserverbandes Verden, sagte seinerzeit gegenüber der Verdener Aller-Zeitung: „Dass bei einer solchen Baumaßnahme Wurzelwerk Schaden nimmt, kann man nicht ausschließen.“ Man halte hier die üblichen Maßnahmen in Absprache mit der Kreisstraßenmeisterei ein. Komme es zu Beschädigungen im Wurzelbereich, sei man in der Pflicht, die Bäume zu beobachten und eventuell Ersatz zu leisten.

Genau das bringt Wolf Nürnberg auf die Palme: „Ausgewachsene Bäume kann man nicht ersetzen.“ Aus seiner Sicht sind bei den Bauarbeiten grobe Fehler gemacht worden. Sämtliche Wurzeln seien stark abgerissen worden, es sei keine Wurzelbehandlung vorgenommen worden. Außerdem hätten die Wurzeln bis zur Beendigung der Bauarbeiten überwiegend frei gelegen.

Der Trinkwasserverband hat die Bauarbeiten mit eigenen Leuten und eigenem Gerät vorgenommen. Das bestätigt Ingenieurin Johanna Bruns-Hellberg. Man habe inzwischen ein Baumgutachten in Auftrag gegeben. Der Gutachter werde die Vitalität der Bäume beobachten.

Wolf Nürnberg kritisiert: „Die haben vom Tiefbau keine Ahnung. Aber die sind sicher günstiger, als eine Tiefbaufirma, die mit einem steuerbaren Rohrvortrieb arbeitet.“ Er spricht von grober Fahrlässigkeit und Wildwestmanier. „Es scheint so, als bräuchten wir keine Bäume mehr. Dabei müssten wir doch daran interessiert sein, die Natur für die nächste Generation zu pflegen und zu beschützen.“

Bei der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Verden verweist man auf die Einhaltung allgemeiner Regeln, wie sie in der Din-Norm 18920 beschrieben seien. Darin heißt es unter anderem, dass der Wurzelbereich von Bäumen zwingend von Bauarbeiten freigehalten werden muss. Wenn Bauarbeiten in der Nähe nicht vermeidbar sind, müssten Maßnahmen ergriffen werden, die ein schonendes Bauen im Wurzelbereich möglich machen und den Baum bestmöglich schützen.

Die Verantwortung liegt bei der Kreistraßenmeisterei. Dessen Leiter, Ulrich Fricke, bestätigt das grobe Vorgehen an der Kreisstraße 27 zwischen Eissel und Langwedel. „Ich habe reichlich geschimpft, denn es gibt Richtlinien, wie man sich bei solch einer Baumaßnahme zu verhalten hat.“ Teilweise habe es Verbesserungen gegeben, aber insgesamt habe er hier nicht bravo geschrien.

Von Erika Wennhold

Freigelegtes Wurzelwerk unter dem Radweg an der K 27.

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