Autorin Tanja Löhr liest im Bürgertreff / „Alle Geschichten sind wahr, es ist nichts erfunden“

Inklusive Bericht aus der „Gartenzwerghölle“

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Die Lesung hat Sozialarbeiterin Tanja Löhr ihrem im Stadtteil tätigen Kollegen Michael Roehren geschenkt.

Verden - Das Cover des Büchleins schmückt ein Kinderfoto. Es zeigt Tanja Löhr, Künstlername Undine Bleibt, als vierjährigen Knirps nackig in einer großen Regenpfütze. „Ich wusste schon sehr früh, was ich wollte, und habe das dann auch meist durchgezogen“, sagt die Autorin, die am Freitagabend im Bürgertreff am Hoppenkamp Kurzgeschichten aus ihrem Erstlingswerk „Tageweise“ las. Die Lesung hatte die Nachwuchsautorin – hauptberuflich arbeitet Löhr als Sozialpädagogin in Peine – dem im Stadtteil tätigen Michael Roehren „geschenkt“.

Weit ab vom Mainstream, präsentiert Löhr noch echte Handarbeit. Selbst erlebt, selbst aufgeschrieben und selbst verlegt ist etwas Echtes entstanden. Leise und laute, stets eindringliche Geschichten, immer dicht gewoben, dass Lachen und Weinen, Wehmut wie Freude, also der ganze Kosmos menschlicher Emotionen entfaltet wird.

„Tageweise“ ist mehr als „nur“ eine Sammlung von 50 Kurzgeschichten. Die Texte gehen leicht ins Ohr, und die teils schnodderige Sprache hallt nicht selten lange nach, wenn Löhr von den Höhen und Tiefen im Alltag schreibt oder erzählt. Dabei scheut sie auch nicht vor Themen zurück, die man gemeinhin lieber verdrängt.

„Alle Geschichten sind wahr, es ist nichts erfunden“, erzählt die überaus sympathische Schreiberin im Gespräch. Diese Form der Literatur ist eine ganz eigene, zumal Löhr das Erlebte in geradezu liebenswert-kauziger Weise wiedergibt.

So erzählt sie in „Gartenzwerghölle“, wie in der Nachbarschaft in der Peiner Kolonie Süd im Jahr 2013 die Gartenzwerge aus der Mode gekommen sind, sodass sie sich gleich im Dutzend am Straßenrand, auf die Abfuhr wartend, wiederfanden. Die kleine Tochter der Autorin hatte sich aber als ausgesprochene Gartenzwerg-Freundin gezeigt und die komplette Zipfelmützenfraktion vor dem Schlund des Sperrmüllfahrzeugs gerettet. „Unser Garten und Balkon stand plötzlich voll mit diesen Wichteln und mir blieb nur der Appell an die Nachbarn, ihre Kreaturen wieder abzuholen“, erzählt Löhr den Hintergrund dieser federleichten Geschichte voller Humor.

Überhaupt gelingt es Tanja Löhr in sämtlichen Geschichten wunderbar, die von ihr beobachteten Ereignisse lebendig werden zu lassen. In die Menschen, von denen sie erzählt, schlüpft sie geradezu hinein, was ihnen Gesicht und Stimme gibt und den Zuhörern eine wunderbare Vorlesestunde mit vielen Facetten beschert hat. Indes für den schnellen Leserausch ist „Tageweise“ ungeeignet, da sich die eigentliche Wirkung der Texte erst bei wiederholten Genuss entfaltet.

Fazit: Eine schöne und auch sehr aufschlussreiche Lesung mit einer rundum sehr sympathischen Autorin. Die Zuhörer hatten großen Spaß, haben sich bestens unterhalten gefühlt und freuen sich schon auf ein Wiederhören mit neuen Geschichten.

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