Autorin Dörte Hansen stellt ihren Debüt-Roman in der Buchhandlung Heine vor

Liebeserklärung an das Alte Land

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Dörte Hansen las aus ihrem Roman.

Verden - Dörte Hansen weiß, wie die norddeutsche Landbevölkerung tickt, insbesondere die auf dem Alten Land, jenem Landstrich bei Stade, den große Bauerngehöfte und der Obstanbau prägen. Dort spielt auch ihr erster Roman „Altes Land“, aus dem die in Husum aufgewachsene Autorin am Dienstagabend in der bis auf den letzten Platz besetzten Buchhandlung Heine in Verden las.

Der Roman von Dörte Hansen hat es bereits kurz nach Erscheinen bis auf Platz drei der Spiegel-Bestsellerliste geschafft. Doch kann man überhaupt von einem Roman sprechen? „Altes Land“ erscheint so real, wie eine Mischung aus Familienchronik und selbst Erlebten angereichert mit einer gehörigen Portion Witz und Ironie. Klingt vielleicht verwunderlich, ist aber ausnehmend gut. Die Handlungsorte sind real: Das Alte Land und der noble Hamburger Stadtteil Ottensen, wohin die beiden gewichtigsten Handlungsstränge des Romans den Leser beziehungsweise Zuhörer führen. Die Handlung allerdings ist fiktiv, wenngleich Hansen eine Geschichte erzählt, die gerade durch ihre Authentizität besticht. Und wenn man es auch fast nicht glauben kann: Alles ist erfunden in diesem Roman, der sich um das große Thema Heimat dreht. Im Fokus stehen zwei Frauen, zwei ausgesprochene Persönlichkeiten, dazu Einzelgängerinnen, die überraschend finden, was sie nie gesucht haben: eine Familie. Vera, die 1945 als Fünfjährige aus Ostpreußen mit ihrer Mutter ins Alte Land geflohen ist, lebt noch immer dort auf einem Hof, wo sie sich selbst nach Jahrzehnten fremd und nicht wirklich willkommen fühlt. Das große, kalte Bauernhaus bedrückt sie und sie kann trotzdem nicht davon lassen. Bis sechs Jahrzehnte später plötzlich ihre Nichte Anne samt Kleinkind und Zwerghase vor der Tür steht. Die ist aus Hamburg-Ottensen geflüchtet, wo perfekte Naturkost-Eltern ihre Kinder wie Preispokale durch die Straßen tragen und wo Annes Mann eine andere liebt. Vera und Anne sind sich fremd und doch verbindet sie so viel mehr als sie ahnen.

Dörte Hansen liefert durch ihre detailreiche Schilderung das Material, aus dem der Leser sich eine wunderbare Geschichte zurechtlegen kann. Die Autorin brilliert in ihrem Debüt als fantasiereiche Erzählerin, die mit großer Kenntnis von Land und Leuten eine wunderbare Geschichte erzählt. Doch dieser Roman ist nicht nur gute Unterhaltung, sondern auch eine Liebeserklärung an die Region und an die Landbevölkerung überhaupt, deren Marotten und Eigenarten sie geradezu liebevoll aufs Korn nimmt. Eine Art persönliche „Abrechnung“ für die einstige Städterin, die seit zehn Jahren selbst in diesem Landstrich lebt, wie sie im Anschluss an die Lesung augenzwinkernd verrät.

Auf das zweite Buch – wieder wird die Landbevölkerung im Fokus stehen – müssen die Fans noch ein wenig warten. Es wird voraussichtlich Ende 2016 erscheinen. „Der Roman spielt in den 70er-Jahren, als der Bildungsboom die Dörfer erreicht hat“, berichtet Hansen. „Mein Vater hat diesbezüglich Bedenken geäußert und folgendes gefragt: ,Kannst du dormit nech töven bis ick doot bin?‘“.

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