Auswanderer in Verden äußern sich zur Situation in ihrem Heimatland

Die Gastfreundschaft ist den Griechen nicht zu nehmen

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Vassiliki Pantouli.

Verden - Von Sebastian Bauerschäfer. Neue Hiobsbotschaften und Negativschlagzeilen über Griechenland sind täglich zu lesen. Was das für die Hellenen in Verden heißt, zeigt eine Nachfrage in den hiesigen Restaurants.

„Wir wissen zu wenig darüber“, sagt Nikolaos Tialios. Er ist Mitarbeiter im Restaurant Dionysos in der Husarenstraße in Verden. Er mache sich keine Illusionen über den Zustand und die Zukunft Griechenlands, erzählt er. „Du kannst nicht einfach aus dem Euro aussteigen. Wie soll das funktionieren?“ Und er spricht über mangelndes Vertrauen in die griechische Politik, gestrichene Jobs im Beamtensektor und hohe Arbeitslosigkeit. „Eine meiner Tanten in Griechenland ist eine gut ausgebildete Lehrerin und fast 40. Sie bekommt einfach keinen Job. Eine andere Tante war Beamtin. Sie wurde entlassen und ihre Stelle wurde gestrichen. Der ganze Beruf wurde abgeschafft“, sagt Tialios.

„Die Gehaltskürzungen in allen Berufsgruppen führen dazu, dass die Menschen nur noch das Nötigste einkaufen“, erklärt er. Dass eine andere Münze im Portemonnaie, eine Rückkehr zur Drachme, an der derzeitigen Situation etwas ändern würde, glaubt er nicht.

Evangelia Papathanasiou.

„Das ist schade für Griechenland“, formuliert die Besitzerin des Restaurants Akropolis in der Lindhooper Straße ihr Mitgefühl. Seit 40 Jahren leben Evangelia Papathanasiou und ihr Mann schon in Deutschland. „Mein Mann ist früher noch zur Wahl nach Griechenland geflogen. Hat danach Urlaub gemacht“, sagt sie. Das sei inzwischen vorbei. Zu teuer. Da die Briefwahl im Mittelmeerstaat immer noch nicht möglich ist, können die vielen im Ausland lebenden Griechen nicht wählen. Außer, sie nehmen eine lange Anreise in Kauf. „Viele Fehler wurden gemacht, nicht nur von den Politikern“, bemerkt sie. Finanziell greifen sie und ihr Mann der Verwandschaft, so gut es geht, unter die Arme. „Unsere Kinder und Enkel bekommen immer Geld an Geburtstagen oder zu Weihnachten. Mehr geht leider nicht.“

Nikolaos Tialios.

Aus der Sicht von Grigorios Dardamanis hat sich die Stimmung in Griechenland beruhigt. Er ist zusammen mit seiner Ehefrau Vassiliki Pantouli Betreiber des griechischen Restaurants Hellas. „Wir waren erst vor ein paar Wochen dort. Spannungen sind dort kaum spürbar. Die Medien bauschen die Dinge künstlich auf“, erzählt er. Seine Frau ergänzt: „Es wird viel über das Land geschrieben, aber die Gastfreundsschaft, die Freundlichkeit der Griechen, die wird immer bleiben“, betont Pantouli. Versprochene und nicht eingehaltene Wahlversprechen gäbe es viele, sagt sie weiter. „Aber wer behauptet, tanzen zu können, muss auch die Schritte beherrschen.“ Die Erhöhung der Mehrwertssteuer habe die Bevölkerung hart getroffen. „Nur das Brot hat noch einen vergleichsweise niedrigen Preis“, sagt Dardamanis. Bei politischen Fragen seien sich die zwei oft nicht einig, geben sie schmunzelnd zu. Die Frage zu den möglichen Ergebnissen der Neuwahl stellt allerdings eine Ausnahme dar. „Wir haben keine Ahnung“, so ihre Antwort.

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