Als Feinde Freunde wurden

Ausstellung zu 50 Jahren Städtepartnerschaft Verden-Saumur

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Andrea Lutter ließ mit Saumurs Bürgermeister Jean-Michel Marchand 50 Jahre Partnerschaft noch einmal Revue passieren.

Verden - 50 Jahre Städtepartnerschaft feiern Saumur und Verden. Dieses Jubiläum war für das Dokumentationszentrum Verden im 20. Jahrhundert (DOZ 20) Anlass für eine Ausstellung, die die Vielfalt der Aktivitäten zwischen beiden Städten zeigt.

Noch bis zum 17. September sind im Domherrenhaus zahlreiche Dokumente und Bilder aus diesem halben Jahrhundert zu sehen, vom Schüleraustausch, Begegnungen auf sportlicher Ebene, dem Austausch verschiedener Berufsgruppen und Verbände sowie von kulturelle Aktivitäten. Abgerundet hat der Verdener Künstler Klaus-Jürgen Maiwald die Ausstellung mit seinen ausdrucksstarken „Loire-Landschaften“.

Schüleraustausch soll helfen, Klischees zu überwinden

Zur Ausstellungseröffnung war neben vielen Verdener Saumurfreunden auch eine Delegation aus der Partnerstadt mit Bürgermeister Jean-Michel Marchand gekommen. Nach den Grußworten der Bürgermeister aus Verden und Saumur, gab Dörte Bischoff vom Gymnasium am Wall einen Einblick in die Entwicklung des Schüleraustausches, von den Anfängen bis heute. „Jeder hat viele Klischees im Kopf. Die Austauschfahrten dienen auch dazu, diese Klischees zurechtzurücken“, weiß Bischoff. Die ersten Fahrten hätten noch das Ziel gehabt, sich von den Schatten der Vergangenheit zu lösen und sich anzunähern. „Reisen ins Ausland waren damals noch keine Selbstverständlichkeit. Oft war der Austausch der erste Kontakt mit ‘waschechten´ Franzosen“, so Bischoff. Heute arbeiten die Jugendlichen beider Länder gemeinsam an Projekten.

Die Ausstellung zeigt Belege einer lebendigen Partnerschaft.

Anschließend ließ Andrea Lutter die 50 Jahre Revue passieren. Bevor 1967 der Partnerschaftsvertrag unterzeichnet wurde, habe man sich langsam annähern müssen. Die Bevölkerungen beider Länder waren noch geprägt von den Ereignissen des Krieges. Im Februar 1966 gab der Rat der Stadt Saumur seine Zustimmung zur Partnerschaft. Im Juli reisten Verdens damaliger Bürgermeister Winkel und Senator Böhnel zu einer ersten persönlichen Kontaktaufnahme an die Loire. Im September beschloss auch der Rat der Stadt Verden, die Partnerschaft einzugehen. Der erste offizielle Besuch einer französischen Delegation in Verden folgte im März 1967. Am 19. Juni schließlich unterzeichneten die Bürgermeister Kurt Winkel und Lucien Gaultier im Verdener Rathaus den Vertrag. Im Juli 1968 folgte in Saumur der zweite Teil des Bündnisses.

Einstige „Erbfeinde“ ließen sich von Zwischenfällen nicht verunsichern

Ab 1969 gab es jedes Jahr Delegationsbesuche im Wechsel. Ganz einfach seien die ersten Begegnungen allerdings nicht gewesen. Da gab es beispielsweise eine Kranzniederlegung morgens um 7.30 Uhr, um die Gefühle der ehemaligen deutschen Kriegsteilnehmer nicht zu verletzen. Im darauffolgenden Jahr wurde ein Verdener Kranz vom Ehrenmal am Saumurer Rathausplatz gestohlen und in die Loire geworfen. Nachhaltig trüben konnte das die Partnerschaft nicht, und heute sind es Anekdoten.

Zum zehnjährigen Partnerschaftsjubiläum 1977 erneuerten die Bürgermeister Dr. Hartmut Friedrichs und Lucien Méhel in Saumur das Freundschaftsversprechen. Zur 1000-Jahrfeier Verdens 1985 reisten neben offiziellen Delegationen viele Gruppen und Vereine aus Saumur an. Das 20-jährige Partnerschaftsjubiläum 1987 wurde schon mit vielen Veranstaltungen im Juni in Verden und im Oktober in Saumur gefeiert. 1992 wurde in Verden der Partnerschaftsverein Verden-Saumur gegründet. Als das Bündnis 1997 30 Jahre alt wurde, habe es eine Ausstellung des Künstlers André Basilier zeitgleich mit dem Besuch der französischen Delegation gegeben.

Zum Jubiläum in diesem Jahr erneuerten die Bürgermeister Lutz Brockmann und Jean-Michel Marchand am 19. Juni in Saumur die Partnerschaftsurkunden. Beide sehen eine lebendige Partnerschaft, auch für die Zukunft. Aus „Erbfeinden“ seien längst Freunde geworden. „Eine Umfrage unter Schülern ergab, dass der Begriff Erbfeind bei den Jugendlichen gar nicht mehr bekannt ist“, so Lutter.

ahk

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