Ausgrabung bei Dauelsen abgeschlossen / Archäologen ziehen positive Bilanz

Kontakte zum Römischen Reich

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Auch die kleinsten Besucher waren fasziniert.

Landkreis - Die Ausgrabung bei Dauelsen ging jetzt zu Ende. Auf einem Maisacker in den Radewiesen hatten Archäologen eine Siedlung der Römischen Kaiserzeit vor 2000 Jahren ausgegraben. „Wir sind mit den Ergebnissen mehr als zufrieden“, so Imke Brandt vom Niedersächsischen Institut für historische Küstenforschung in Wilhelmshaven, die die Ausgrabung geleitet hatte.

Auf einer Fläche von 500 Quadratmetern hat sie mit ihrer Mannschaft in den vergangenen vier Wochen mehr als 220 Befunde ausgegraben. „Natürlich konnten wir nicht die ganze Siedlungsfläche ausgraben, aber das hatten wir auch gar nicht vor“, so Brandt weiter. Trotz der begrenzten Grabungsfläche konnte sie Standspuren von mehreren Holzpfosten und zwei ehemalige Gräben dokumentieren. Am letzten Grabungstag gab es noch eine Überraschung, der Bagger legte einen dritten Graben frei.

Wie alt die Befunde im Einzelnen sind, werden die Bearbeitung und wissenschaftliche Auswertung zeigen. „Aber das kann noch mehrere Monate dauern“, so Imke Brandt. „Zuerst müssen die Funde gewaschen, inventarisiert und gezeichnet werden, erst dann kann man an die Auswertung gehen“. Doch ein wesentliches Ziel wurde schon jetzt erreicht. Der Grabung waren geomagnetische Messungen vorangegangen. Der Grabungsplan zeigt jetzt eindeutig, was sich hinter den grauen, schwarzen und weißen Flecken des Messbildes verbirgt.

„Im Messbild ist hier nur ein diffuses graues Etwas zu sehen“, erläutert Dr. Annette Siegmüller, die Projektleiterin aus Wilhelmshaven. „Jetzt stellt sich heraus, dass es ein Graben ist. Wenn wir das wissen, können wir gezielt nach seinem weiteren Verlauf suchen, weil wir ihn jetzt im Messbild erkennen können.“

Mehrere Kilo Scherben, eine Perle, das Bruchstück einer Handmühle aus Basaltlava, ein paar unbestimmbare Eisenteile, gebrannte Knochen, Schlacke und Glasschlacke, ein Teil von einer Bronzefibel als Kleidungsverschluss, ein noch nicht näher bestimmter Bronzegegenstand und zwei Bronzebeschläge vom Pferdegeschirr sind die Ausbeute der Grabung.

„Die Pferdegeschirrbeschläge sind die bedeutendsten Funde, denn sie zeigen “, so Verdens Kreisarchäologin Dr. Jutta Precht. Die Untersuchung in Dauelsen ist erst der Anfang eines größeren Forschungsprojektes, das auf drei Jahre ausgelegt ist und genau diese Beziehungen untersuchen soll. Die Archäologin verbindet das Projekt mit der Hoffnung, etwas darüber zu erfahren, auf welchen Wegen römische Luxusgüter zu den einheimischen Germanen gelangten.

Das wollten auch die zahlreichen Besucher wissen, denn die Ausgrabung stieß auf reges Interesse in der Bevölkerung. Insgesamt haben sich mehr als 200 Interessierte über die Grabung führen lassen. Nachdem am Freitag der letzte Archäologe die Grabungsfläche verlassen hatte, füllte ein Bagger das Loch. Jetzt kann der Landwirt hier wieder ackern wie eh und je.

„Darauf legen wir großen Wert. Hinterher muss der Acker wieder aussehen wie vorher. Schließlich wollen wir gut mit den Bauern zusammenarbeiten“, so Imke Brandt, „denn wir kommen wieder.“ Wo genau die nächste Ausgrabung stattfindet, steht noch nicht fest, aber irgendwo an der Allermündung werden die Archäologen in zwei Jahren wieder den Spaten ansetzen.

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