Aufstand kommt in den Landkreis

Extinction Rebellion: Umweltschützer wollen Ortsgruppe gründen

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Bei der Red Rebels Brigade war auch Fabian Lohmann aus Westen (Hinten, 3. v.r.) dabei.

Landkreis – Innerhalb der vielen Gruppierungen von Klima- und Umweltschützern gibt es eine, die im Moment besonders viel Aufmerksamkeit auf sich zieht. Mit ihren kreativen Aktionen und ihrem friedlichen, aber beharrlichen zivilen Ungehorsam beim Blockieren von Straßen und Plätzen haben die Aktivisten von Extinction Rebellion (XR) vor einigen Wochen in Berlin auf sich aufmerksam gemacht. Doch Berlin ist nicht weit weg: Zwei Kreisverdener, die in der Bundeshauptstadt dabei waren, wollen die Ziele und Werte der Bewegung jetzt verstärkt in den Landkreis holen.

Der eine hat in Berlin bei der Red Rebels Brigade mitgemacht und kunstvoll verkleidet für den Artenschutz demonstriert, die andere hat die 340 Kilometer vom Landkreis Verden bis nach Berlin zu Fuß zurückgelegt, um sich dem Protest anzuschließen. Beide haben dabei besondere Erfahrungen gemacht und wollen nun Gleichgesinnte suchen. Anja Büssenschütt, 53 Jahre, Büroangestellte und Mutter aus Ottersberg, und Fabian Lohmann, 34, Mitarbeiter einer Energiegenossenschaft aus Westen, sind dabei, eine eigene Ortsgruppe der Bewegung Extinction Rebellion für den Landkreis Verden zu gründen.

Bisher sind die beiden in der Ortsgruppe Bremen engagiert, und schon jetzt gebe es circa ein Dutzend Interessierte, die mitmachen wollten. Am Dienstag, 19. November, wird es unter dem Titel „Aufstand oder Aussterben?“ die erste Veranstaltung geben. „Es geht um den aktuellen Wissensstand zur Klimakrise, das Risiko von Kipppunkten, Rückkopplungseffekten und ,runaway climate change’, das politische Versagen der vergangenen 30 Jahre, die oft vernachlässigten emotionalen Reaktionen auf die Klimakrise sowie ethische und pragmatische Gründe für zivilen Ungehorsam“, laden die beiden ein. Der Vortrag beginnt um 19 Uhr in der Stadtbibliothek Verden.

"Auf meiner Wanderung stand ich in einem niedersächsischen Wald und plötzlich fiel mir die völlige Stille auf. Kein Insekt, kein Vogel, nichts."

Von der Notwendigkeit, für die Umwelt aktiv werden zu müssen, sind die beiden überzeugt. „Das Klimapaket hat doch gezeigt, dass das Problem von der Politik nicht anerkannt wird. Auch hier auf lokaler Ebene ist die Notwendigkeit noch nicht angekommen: Siehe die Entscheidung Stadt Achim gegen die Klimaschutzagentur“, sagt Fabian Lohmann. „Dabei ist die Erderwärmung kaum noch aufzuhalten, sie ist bereits in vollem Gange. Es muss dringend schneller gehandelt werden“, ergänzt Büssenschütt.

Sie berichtet von ihrem Fußmarsch nach Berlin: „Auf meiner Wanderung stand ich in einem niedersächsischen Wald und plötzlich fiel mir die völlige Stille auf. Kein Insekt, kein Vogel, nichts. Ich kenne das noch ganz anders. Meine beiden Kinder wachsen heute schon mit einer völlig anderen Natur auf als ich.“

Die Aktionen der XR-Bewegung sind oft sehr unkonventionell, so gibt es bei den Blockaden unter anderem Yoga- und Theaterworkshops, Diskussionsrunden und Konzerte – und sie enden schon mal mit Verhaftungen, Büssenschütt: „Gewaltfreier ziviler Ungehorsam gehört zum Repertoire. Das ist bewusst so gewählt, denn reine Gespräche, Petitionen und Demos haben uns in den vergangenen 50 Jahren nicht weitergebracht.“

Die Aktionen in Berlin waren kreativ und kunstvoll, die Bilder gingen durch die Medien „Bei der Red Rebels in Berlin mitzumachen war eine sehr eindrucksvolle Erfahrung für mich“, erzählt Fabian Lohmann. „Es waren Gruppen aus verschiedenen deutschen Städten und auch aus Schweden beteiligt. Die Auftritte sind von Ruhe und Würde geprägt und erzeugen viel Aufmerksamkeit. Die Performance gibt den Betrachtenden die Möglichkeit, sich der Klimakrise und dem Massenaussterben auf empathische Weise zu nähern: Kummer darüber zu empfinden, Mut zu fassen und in Aktionen umzusetzen.“

"Die Performance gibt den Betrachtenden die Möglichkeit, sich der Klimakrise und dem Massenaussterben auf empathische Weise zu nähern."

Lohmann erklärt die auffällige Kostümierung der Rebels: „Die rote Farbe stellt das Blut der Arten dar, die durch den Menschen vernichtet werden.“

Und nun wollen sich die Umweltschützer lokal engagieren. Themen im Landkreis Verden gebe es genug. „Sei es die Erdgasförderung im Nordkreis, das Sinken des Grundwassers oder das Sterben der Wälder. Politik und Wirtschaft müssen auch hier und jetzt die Klimakrise anerkennen und entsprechend umsteuern. Es gilt, das Ruder herumzureißen“, so Lohmann. 

Wer Interesse hat

sich der Gruppe anzuschließen, kann per E-Mail an xr-ver@posteo.de Kontakt aufnehmen.

Was ist Extinction Rebellion?

Extinction Rebellion (XR) heißt frei übersetzt etwa: Aufstand gegen das Aussterben. Ziel der internationalen Bewegung ist es, so heißt es auf der Homepage, „den für das Klima nötigen umfassenden und tief greifenden Wandel herbeizuführen“. Damit wollen wir das Risiko der Auslöschung der Menschheit und des Kollapses unserer Ökosysteme verkleinern.“ Mit gewaltfreiem zivilem Widerstand wollen die Aktivisten die Regierungen dazu bewegen, den ökologischen Notstand zu erklären und den gesetzlichen Rahmen zur Umsetzung ihrer Forderungen zu schaffen. „Wir handeln aus Liebe zum Leben und für eine lebenswerte Zukunft aller Lebewesen auf diesem Planeten.“ Wer mehr über die Forderungen von XR wissen will, kann diese auf www.extinctionrebellion.de/fakten nachlesen.

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