Sigmar Gabriel in Verden

Aufpassen auf die Kanzlerin? Auf Dauer zu anstrengend

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Im Wahlkampfmodus: Sigmar Gabriel war aus Goslar auf Einladung seiner Bundestagskollegin Christina Jantz-Hermann (links) angereist und suchte am Verdener Rathaus den Kontakt zu den Frühaufstehern. 

Verden - Für sein lockeres Mundwerk ist Sigmar Gabriel bekannt. „Ich habe gedacht, es kommt kein Schwein“, gestand der Bundesaußenminister bei seinem Besuch vor dem Verdener Rathaus. Gestern Morgen, um neun Uhr,sprach Gabriel vor knapp 80 SPD-Anhängern über innen- und außenpolitische Themen – über Abrüstung, innere Sicherheit, Integration und die EU ging es unter anderem. Abschließend mischte er sich noch unter seine Zuhörerschaft.

Im zweiten Versuch hat es dann doch geklappt: Nachdem Bundesaußenminister Sigmar Gabriel im August seinen Besuch in Verden aufgrund des Terroranschlags in Barcelona kurzfristig absagen musste, nutzte er gestern die geografische Nähe zu seinem Heimatort Goslar, um der Reiterstadt einen Besuch abzustatten. Trotz morgendlichen Sonnenscheins musste sich Gabriel während der Begrüßung vom Vorsitzenden der Verdener SPD, Gerard-Otto Dyck, sowie der Bundestagsabgeordneten Christina Jantz-Hermann erstmal mit Mantel und Kaffee aufwärmen. Danach zeigte sich der dreifache Familienvater aber in gewohnter Form und setzte auch so manche Spitze gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel.

„Frau Merkel ist solange eine gute Kanzlerin, solange wir auf sie aufpassen. Aber auf Dauer ist das auch anstrengend“, warb der Sozialdemokrat für die Arbeit seiner Fraktion. Dabei warnte Gabriel vor der Tendenz der stetigen militärischen Aufrüstung und dem Vorhaben der Bundeskanzlerin, die Rüstungsausgaben zu verdoppeln. Zwar dürfe die Welt nicht dabei zuschauen, wie Staaten wie Nordkorea sich vor den Augen der Welt Atomwaffen beschaffen, dennoch sieht der Vize-Kanzler in der Abrüstung die Lösung dafür, dass auch die kommenden Generationen in Frieden aufwachsen können. „Fragen Sie mal einen Soldaten, was benötigt wird, um für weltweite Stabilität zu sorgen“, forderte Gabriel sein knapp 80-köpfiges Publikum auf. „Da höre ich oft, dass wir Hunger und Elend bekämpfen müssen und nicht noch mehr Waffen brauchen.“

Polizei an der Belastungsgrenze

Auch innenpolitische Themen brachte der Außenminister auf die Tagesordnung. Bei der Ausstattung der Polizeiarbeit habe die SPD dafür gesorgt, dass 5.000 Stellen geschaffen wurden. Dies sei aber noch immer zu wenig, da die Beamten stark an ihrer Belastungsgrenze seien. Beim Thema Flüchtlingspolitik zeigte Gabriel Verständnis dafür, dass teilweise Zweifel darüber bestünden, ob man diese Integrationsarbeit als Land leisten könne und machte gleichzeitig deutlich, dass es eine Aufgabe der gesamten Politik sein müsse, dem Gefühl entgegenzuwirken, dass für Flüchtlinge mehr getan werde als für die einheimische Bevölkerung.

Nach seinem Auftritt zeigte der Sozialdemokrat keine Berührungsängste und nahm sich Zeit für Autogrammwünsche, Selfies und persönliche Gespräche. Dabei erlebte er eine kleine Überraschung, als er auf Christa und Otto Schäfer traf. Die Achimer sind die Eltern des Pressesprechers des Auswärtigen Amts, Martin Schäfer. „Mit ihrem Sohn habe ich heute Morgen schon telefoniert. Er ist so etwas wie der Star der Bundespressekonferenz“, berichtete Gabriel den stolzen Eltern augenzwinkernd. 

ntr

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